
Das politische Umfeld ist derzeit von Umbrüchen geprägt. Dringend notwendige strukturelle Reformen blieben bislang aus. In der neuen Legislaturperiode wurden zudem Gesetzesinitiativen aus der vorherigen Phase erneut aufgegriffen, allen voran Änderungen am Tierarzneimittelgesetz (TAMG).
Mit der Neuordnung der Zuständigkeiten im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) verbindet die Branche die Erwartung, dass Bürokratie reduziert und Exportbedingungen verbessert werden. Gleichzeitig bleibt das internationale Umfeld angespannt: Die US-Präsidentschaft prägt weiterhin die geopolitische Situation, während Unsicherheiten in der Handelspolitik und internationale Konflikte direkte Auswirkungen auf die Tiergesundheitsbranche und die chemische Industrie haben.
Vor diesem Hintergrund steht die Branche unter Druck, sich flexibel an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen – und das in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld, in dem stabile und investitionsfreundliche Bedingungen besonders wichtig wären.
Versorgungssicherheit rückt in den Fokus
Die Sicherstellung stabiler Lieferketten gewinnt zunehmend an politischer Bedeutung. Sowohl bei Arzneimitteln als auch im Bereich Lebensmittel und Ernährung wird Versorgungssicherheit vor dem Hintergrund globaler Krisen verstärkt als sicherheitsrelevant betrachtet.
Gleichzeitig sieht sich die Branche mit steigender Bürokratie, höheren Kosten und neuen wie bekannten Tierseuchen konfrontiert. Auch gesellschaftliche Erwartungen an Tierwohl sowie Klima- und Umweltschutz nehmen weiter zu. Für die forschungsintensive und stark regulierte Tiergesundheitsindustrie wird daher ein innovationsfreundliches Umfeld mit verlässlichen Rahmenbedingungen immer wichtiger.
Forderungen der Branche: Bürokratieabbau und mehr Flexibilität
Um Innovationen zu fördern und Versorgung zu sichern, fordert die Branche konkrete Anpassungen: Dazu zählen die konsequente Umsetzung von EU-Recht ohne nationale Sonderwege, die Einführung digitaler Packungsbeilagen (eLeaflet) sowie mehr Flexibilität bei Kennzeichnungsvorschriften. Auch der Abbau doppelter Meldepflichten – etwa im Antibiotikabereich – und flexiblere Arbeitszeitregelungen stehen auf der Agenda.
Ein besonderes Problem stellt der zunehmende bürokratische Aufwand für Produkte in kleinen Indikationsgebieten dar. Hier wächst der Druck auf entsprechende Gesundheitslösungen deutlich.
Tierseuchenlage bleibt angespannt
Auch im Jahr 2025 blieb die Tierseuchensituation kritisch. Es kam zu Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche und ab Herbst zu einem massiven Auftreten der hochpathogenen aviären Influenza (HPAI). Hinzu kamen anhaltende Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) und Blauzungenkrankheit (BTV). Auch in anderen europäischen Ländern traten Tierseuchen wie Lumpy Skin Disease, Newcastle Disease und Epizootische Hämorrhagie auf.
Diese Entwicklung verdeutlicht den Bedarf einer strategischen Neuausrichtung der Tierseuchenbekämpfung mit stärkerem Fokus auf Prävention. Die großflächige Tötung von Tierbeständen wird zunehmend sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich infrage gestellt.
Tierarzneimittelmarkt wächst weiter
Der Tierarzneimittelmarkt in Deutschland verzeichnete auch 2025 ein Wachstum. Der Gesamtumsatz lag weiterhin über einer Milliarde Euro und stieg um 4,7 % auf 1.098 Mio. Euro. Dabei blieb die Verteilung zwischen Kleintier- und Nutztiersegment mit 60,6 % zu 39,4 % stabil.
Innerhalb des Marktes entfielen:
- 44,2 % (485,7 Mio. Euro, +4,9 %) auf pharmazeutische Spezialitäten
- 24,1 % (264,8 Mio. Euro, +11,3 %) auf Impfstoffe
- 18,1 % (199,7 Mio. Euro, +0,3 %) auf Antiparasitika
- 13,4 % (147,8 Mio. Euro, −0,5 %) auf Antiinfektiva

Bei den Spezialitäten dominierten Therapeutika zur Schmerzkontrolle (129,1 Mio. Euro, +4,3 %), gegen Hauterkrankungen (65,4 Mio. Euro, +8,0 %) sowie gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (37,4 Mio. Euro, +8,2 %).
Prävention als Wachstumstreiber
Das Marktwachstum wurde insbesondere durch Fortschritte in der Prävention getragen, vor allem im Nutztiersegment. Die Seuchensituation bei Rindern spielte dabei eine wichtige Rolle. Auch Pferdehalter reagierten sensibel auf das zunehmende Auftreten des West-Nil-Virus, wenngleich steigende Haltungskosten das Segment dämpfen.
Im Kleintierbereich trugen regelmäßige Vorsorge und die intensivierte Betreuung älterer Tiere maßgeblich zur Entwicklung bei. Impfungen und Parasitenkontrollen blieben stabile Säulen der Gesundheitsvorsorge.
Verantwortungsvolle Anwendung von Antiinfektiva
Die Entwicklung im Segment der Antiinfektiva deutet darauf hin, dass Prinzipien der verantwortungsvollen Anwendung in der tierärztlichen Praxis fest etabliert sind. Vorgaben zur Anwendung sowie kontinuierliches Monitoring zeigen Wirkung.
Lieferprobleme und Rohstoffabhängigkeit
Im Jahr 2025 kam es zudem zu Einschränkungen in der Lieferkette. Schwierigkeiten beim Bezug von Ausgangsstoffen aus Nicht-EU-Ländern beeinträchtigten die Versorgung in mehreren Marktsegmenten.
Perspektive: Wettbewerbsfähigkeit sichern
Trotz der aktuellen Herausforderungen blickt der Tiergesundheitsmarkt auf eine über Jahrzehnte stabile Entwicklung zurück. Um diese fortzusetzen und sowohl Versorgung als auch Innovation sicherzustellen, bleibt die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der veterinärpharmazeutischen Industrie in Deutschland und Europa eine zentrale Aufgabe.
Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
kcl


