ForschungWeltweit älteste Hunde-DNA: Neue Hinweise auf frühe Domestizierung

Neue DNA-Funde sollen zeigen: Hunde waren sehr früh Begleiter des Menschen in weiten Teilen Eurasiens.

Portrait eines grauen Wolfes
AB Photography - stock.adobe.com
Vom Wolf abstammend – aus neuen Funden schließen Forschende, dass Hunde bereits vor mindestens 14.000 Jahren weit über Europa und Anatolien verbreitet waren – Symbolbild.

Ein internationales Forschungsteam hat die bislang ältesten genetischen Nachweise für Hunde identifiziert. Die Funde aus dem Jungpaläolithikum könnten die bisherige Zeitleiste der Hundedomestizierung deutlich nach hinten verschieben.

Genetische Belege aus zwei jungpaläolithischen Fundstätten

Die untersuchten Knochen stammen aus der britischen Gough’s Cave (ca. 14.300 Jahre alt) sowie aus Pınarbaşı in der heutigen Türkei (ca. 15.800 Jahre alt). Durch die Analyse alter Kern-DNA konnten die Forschenden nachweisen, dass es sich tatsächlich um Hunde handelt – und damit den frühesten direkten genetischen Nachweis um rund 5.000 Jahre erweitern.
Dr. William Marsh vom Natural History Museum in London betont die wissenschaftliche Bedeutung:
„Die genetische Identifizierung von zwei paläolithischen Hunden aus der Gough’s Cave und Pınarbaşı stellt einen Wendepunkt in unserem Verständnis der frühesten Hunde dar.“

Die Daten ermöglichten zudem die Identifikation weiterer früher Hunde in Deutschland, Italien und der Schweiz. Das Team schließt daraus, dass Hunde bereits vor mindestens 14.000 Jahren weit über Europa und Anatolien verbreitet waren.

Unterschiedliche Abstammungslinien schon vor 15.000 Jahren

Die genetischen Vergleiche zeigen, dass die frühen Hunde enger mit den Vorfahren moderner europäischer und nahöstlicher Rassen – etwa Boxer oder Saluki – verwandt waren als mit arktischen Typen wie dem Siberian Husky. Damit scheinen die wichtigsten Abstammungslinien moderner Hunde bereits im späten Jungpaläolithikum etabliert gewesen zu sein.
Dr. Lachie Scarsbrook (LMU München) erklärt hierzu:
„Das bedeutet, dass bereits vor 15.000 Jahren Hunde mit sehr unterschiedlichen Abstammungslinien in ganz Eurasien existierten, von Somerset bis Sibirien.“

Die Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass die Domestizierung möglicherweise schon während der letzten Eiszeit begann – lange bevor andere Tierarten oder Pflanzen vom Menschen domestiziert wurden.

Austausch und Bedeutung früher Hunde

Weiterhin legen die Daten nahe, dass Jäger-Sammler-Gruppen Hunde möglicherweise aktiv zwischen ihren Gemeinschaften austauschten. Dieser Austausch spricht für eine hohe funktionale oder symbolische Bedeutung der Tiere.
Professor Laurent Frantz (LMU München) erläutert:
„Die Tatsache, dass Menschen Hunde so früh austauschten, bedeutet, dass diese Tiere wichtig gewesen sein müssen. […] Eine Möglichkeit ist, dass sie als hocheffizientes Alarmsystem dienten.“

Hinweise auf enge Bindung zwischen Mensch und Hund

Isotopenanalysen zeigen, dass Menschen in Pınarbaşı ihre Hunde wahrscheinlich mit Fisch versorgten. Auch absichtliche Bestattungen von Hunden deuten auf eine besondere Beziehung hin. Vergleichbare Befunde existieren für die britische Gough’s Cave, wo ähnliche Praktiken beobachtet wurden.

Ian Barnes vom Natural History Museum beschreibt die kulturelle Integration so:
„Obwohl die Menschen in ganz Europa und der Türkei in dieser Zeit kulturell und genetisch verschieden waren, scheinen Hunde in diese Gesellschaften integriert gewesen zu sein.“
Der Oxford-Forscher Greger Larson ergänzt zur genetischen Nähe der frühen Tiere:
„Dies deutet darauf hin, dass die ersten Hunde ein echter Wendepunkt (Gamechanger) waren und sich schnell über Europa verbreiteten.“

Quelle: Dogs were widely distributed across western Eurasia during the Palaeolithic

kcl