
Die anhaltend hohen Temperaturen stellen Reiterinnen und Reiter aktuell vor besondere Herausforderungen. Während die Turniersaison auf Hochtouren läuft, rückt die Frage in den Fokus, wie sich Hitze auf die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Pferde auswirkt.
Turnierabsagen und flexible Planung
Für das bevorstehende Wochenende wurden bereits mehrere Reitturniere abgesagt. Nach Angaben der Pferdesportverbände Hannover und Weser-Ems hängt die Durchführung von Veranstaltungen stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort ab.
„Bei uns meldet sich aktuell eine Vielzahl verantwortungsbewusster Veranstalter und Reiter, die die Wetterlage genau im Auge behalten, Vorkehrungen treffen oder auch intensiv über eine Absage nachdenken“, berichtete Jörg Maier aus der Geschäftsstelle des Pferdesportverbandes Weser-Ems. Kurzfristige Anpassungen sind dabei durchaus üblich: „Im heutigen digitalen Zeitalter kann sehr kurzfristig reagiert werden: Alle Beteiligten werden schnell am Vorabend informiert, wenn einzelne Prüfungen zeitlich verlegt oder – sollten die prognostizierten Höchsttemperaturen am Wochenende tatsächlich eintreffen – eventuell ganz abgesagt werden.“
Individuelle Entscheidung für den Start
Ob Pferd und Reiter bei hohen Temperaturen antreten, bleibt eine individuelle Abwägung. Entscheidend sind unter anderem Trainingszustand, Gesundheit sowie äußere Bedingungen. „Der Pferdesportler kennt sein Pferd am besten und muss eigenverantwortlich einschätzen, ob sein Pferd vor dem Hintergrund des Trainingszustands den Anforderungen an dem Prüfungstag gewachsen ist“, erklärte Henrike Lagershausen, leitende Tierärztin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.
Hitzeverträglichkeit: große Unterschiede zwischen Pferden
Grundsätzlich gelten Pferde als relativ hitzeresistent. „Gesunde Pferde vertragen trockene Hitze in der Regel besser als wir Menschen“, heißt es in einem Merkblatt der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.Als ursprüngliche Steppentiere sind Pferde an Bewegung und Temperaturschwankungen angepasst. Dennoch variiert die individuelle Belastbarkeit stark.
Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, Trainingsniveau sowie Umweltbedingungen spielen eine zentrale Rolle. Besonders kritisch ist schwüle Witterung. „Die Verdunstung des Schweißes ist eingeschränkt und somit die Kühlfunktion des Pferdekörpers stärker beeinträchtigt“, erklärt die Deutsche Reiterliche Vereinigung. Entsprechend sollte die geforderte Leistung an heißen Tagen angepasst werden.
Maßnahmen zum Schutz der Tiere
Bei hohen Temperaturen sind gezielte Schutzmaßnahmen entscheidend. Der Verband empfiehlt unter anderem:
- möglichst kurze Standzeiten im Anhänger bei guter Belüftung
- zusätzliche Wasserstellen und Waschplätze auf Turnieren
- schattige Parkmöglichkeiten
- Verlegung von Prüfungen in kühlere Tageszeiten
- ausreichende Wasserversorgung
Zur aktiven Kühlung sollten Pferde regelmäßig mit Wasser abgespritzt oder abgewaschen werden. Auch Sonnenschutz spielt eine Rolle: Helle Hautpartien, insbesondere im Bereich der Nüstern, können mit Sonnencreme vor Sonnenbrand geschützt werden.
Interview
Weitere Tipps für heiße Tage gibt es in diesem Interview: Tipps für heiße Temperaturen
Anpassung an die Bedingungen entscheidend
Die aktuellen Hitzebedingungen zeigen, wie wichtig flexible Organisation und verantwortungsvolle Entscheidungen im Pferdesport sind. Sowohl Veranstalter als auch Reiter sind gefordert, die Belastung für die Tiere realistisch einzuschätzen und entsprechend zu handeln.
FAQ: Hitze und Pferde im Turniersport
Wie reagieren Pferde auf große Hitze?
Pferde sind grundsätzlich relativ hitzeresistent und vertragen trockene Hitze oft besser als Menschen. Allerdings gibt es große individuelle Unterschiede. Besonders problematisch ist schwüle Hitze, da die Schweißverdunstung eingeschränkt ist und die körpereigene Kühlung schlechter funktioniert.
Was bedeutet Hitze für den Turniersport?
Hitze stellt den Turniersport vor große organisatorische Herausforderungen. Turniere werden teilweise abgesagt, Prüfungen zeitlich verlegt oder angepasst. Die Entscheidung über eine Teilnahme liegt individuell bei den Reitern, abhängig von Trainingszustand, Gesundheit des Pferdes und äußeren Bedingungen.
Ist Hitze gefährlich für Pferde?
Ja, Hitze kann gefährlich werden – insbesondere bei Überhitzung. Anzeichen sind starkes Schwitzen, sehr hohe Körpertemperatur (über 40 °C), sichtbare Blutgefäße unter der Haut oder apathisches Verhalten. In solchen Fällen besteht akute Gefahr und ein Tierarzt muss hinzugezogen werden. Allerdings tritt das bei gesunden, gut versorgten Pferden eher selten auf.
Wie schützt man Pferde vor Sonne?
Empfindliche Hautstellen, besonders helle oder wenig behaarte Bereiche wie die Nüstern, sollten mit Sonnencreme vor Sonnenbrand geschützt werden. Zusätzlich helfen schattige Plätze, z. B. beim Parken oder während Wartezeiten.
Wie schützt man Pferde vor Hitze?
Wichtige Maßnahmen sind:
- ausreichend Wasser zur Verfügung stellen und regelmäßig tränken
- Pferde im Schatten unterbringen
- Standzeiten im Anhänger kurz halten und auf gute Belüftung achten
- Prüfungen in kühlere Tageszeiten verlegen
- Pferde regelmäßig mit Wasser kühlen (abduschen)
- zusätzliche Wasserstellen und Waschplätze bereitstellen
- Leistung und Training an die Hitze anpassen
Quelle: Pferdesportverband Hannover e.V.
kcl/Lö


