NachrichtenFragebogen soll Wohlbefinden von Papageien verbessern

Ein neuer Fragebogen soll Tierhalter*innen helfen, das Wohlbefinden von Papageien besser einzuschätzen und Haltungsdefizite zu erkennen.

Ein Paar Blau-Gelbe Papageien
Henner Damke - stock.adobe.com
Das wissenschaftlich entwickelte Tool versteht sich als Ergänzung zur tierärztlichen Betreuung – und stößt auch ethische Diskussionen zur Papageienhaltung an. (Symbolbild)

Ein internationales Forschungsteam hat mit „PsittaWel“ ein neues Instrument entwickelt, das das Wohlergehen von Papageien in Privathaltung systematisch erfassen soll. Das Tool entstand an der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Kooperation mit der Universität Utrecht und wurde im Rahmen einer Dissertation entwickelt. 

Wissenschaftlich fundiertes Bewertungssystem

PsittaWel basiert auf einer mehrjährigen Entwicklungsphase unter Einbindung eines internationalen Expertengremiums aus Forschung, tierärztlicher Praxis und Verhaltensberatung. Der Fragebogen umfasst insgesamt 75 Fragen, die verschiedene Dimensionen des Tierwohls abdecken. Dazu zählen unter anderem körperliche Verfassung, Haltung, soziale Interaktionen, Verhalten, Ernährung und das tägliche Management.  Ziel ist es, Tierhalterinnen und Tierhaltern eine strukturierte Einschätzung der Haltungsbedingungen zu ermöglichen. Gleichzeitig sollen mögliche Hinweise auf positives Wohlbefinden oder Stress sichtbar werden. Jean-Loup Rault erläutert: „PsittaWel wurde entwickelt, um eine wissenschaftlich fundierte, praxisnahe Ressource bereitzustellen, die Betreuenden hilft, das Wohlergehen der mit ihnen lebenden Papageien zu überwachen und zu verstehen – und um das Bewusstsein für deren Bedürfnisse zu schärfen“. 

Ergänzung, kein Ersatz für tierärztliche Betreuung

Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass das Instrument keine professionelle Diagnostik ersetzt. Vielmehr soll es als Ergänzung zu tierärztlicher und verhaltensmedizinischer Betreuung dienen. Yvonne van Zeeland ordnet ein: „Das Instrument soll die Arbeit von Tierärztinnen und Tierärzten sowie zertifizierten Verhaltensberaterinnen und -beratern ergänzen, nicht ersetzen. Fachliche Begleitung bleibt für Gesundheit und Wohlergehen von Papageien unerlässlich, insbesondere bei Sorgen oder Problemen.“ 

Häufige Heimtiere mit komplexen Ansprüchen

Papageien gehören zu den am häufigsten gehaltenen Heimtieren, gelten jedoch als anspruchsvoll in Haltung und Pflege. Unzureichende Bedingungen können zu Verhaltensproblemen und gesundheitlichen Störungen führen. Das neue Tool soll helfen, diese Herausforderungen besser zu erkennen und einzuordnen. 

Ethische Einordnung der Papageienhaltung

Die Entwicklerinnen und Entwickler unterstreichen, dass PsittaWel keine Empfehlung für die Haltung von Papageien darstellt.
Andrea Piseddu betont: „PsittaWel soll die Haltung von Papageien als Heimtiere weder fördern noch rechtfertigen. Ethische Fragen zur Gefangenschaft sind und bleiben wichtig, und weitere Forschung zum Wohl von Papageien ist unerlässlich. Solange Papageien – langlebige Arten – jedoch in häuslichen Umgebungen leben, besteht ein klarer Bedarf, ihr Wohlergehen zu beurteilen und ihre Haltungsbedingungen zu verbessern, um ihnen das bestmögliche Leben zu ermöglichen.“ 

Perspektiven für Praxis und Regulierung

Langfristig sehen die Forschenden in PsittaWel auch Potenzial für übergeordnete Entwicklungen. Das Instrument könnte Impulse für evidenzbasierte Leitlinien, Mindestanforderungen und politische Maßnahmen zum Schutz von Papageien in Privathaltung geben. 
Aktuell steht PsittaWel kostenlos als interaktives PDF in englischer Sprache zur Verfügung. Perspektivisch sind weitere Versionen und digitale Anwendungen geplant, um die Nutzung zu erleichtern. 

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien
kcl
 

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