TierschutzHelau & Alaaf: Tierschutzbund fordert pferdefreie Umzüge

Lärm, Menschenmengen und unerwartete Berührungen – anlässlich der bevorstehenden „5. Jahreszeit“ fordert der Deutsche Tierschutzbund erneut, Pferde nicht mehr in Karnevalsumzügen einzusetzen.

Zwei schwarze Pferde stehen eingespannt in eine Kutsche und warten darauf, dass es los geht.
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Pferde sind Fluchttiere und während der Umzüge teilweise erheblichem Stress ausgesetzt. Die fremde Umgebung, Lärm, Menschenmengen und unerwartete Berührungen können die Tiere stressen. - Symbolbild

„Dutzende Pferde, die bei Karnevalsumzügen – nicht nur beim großen Kölner Rosenmontagszug – mitlaufen, müssen Menschenmassen, teilweise betrunken, laute Musik und Gedränge ertragen. Das alles bedeutet Stress und ist eine Belastung für die sensiblen Fluchttiere. Geworfene Süßigkeiten können sie treffen. Immer wieder werden die Pferde unvorbereitet von fremden Menschen angefasst. Stundenlang müssen sie teils schwere Kutschen ziehen. Besonders das Stop und Go ist ein Kraftakt für die Pferde. Hinzu kommt ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko, was mehrere Unfälle mit durchgehenden Pferden in der Vergangenheit bewiesen haben“, sagt Andrea Mihali, Tierärztin und Expertin für Pferde beim Deutschen Tierschutzbund. Dazu kommen Gerüche, etwa durch Rauch, Alkohol oder Essen. Aus Gründen des Tierschutzes und der Sicherheit aller Beteiligten, plädiert der Verband dafür, zukünftig ganz auf den Einsatz von Pferden zu verzichten, wie es die Stadt Bonn bereits im zweiten Jahr handhabt.

Grundproblem lässt sich nicht einfach lösen

In Karnevalshochburgen wie Köln oder Düsseldorf verweisen Befürworter von Umzügen mit Pferden auf die im Jahr 2022 eingeführten Leitlinien des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen. Diese sehen unter anderem mehrere Punkte an der Zugsstrecke vor, an denen Pferde bei Bedarf aus dem Umzug genommen werden können. Zudem sollen die Pferde regelmäßig auf ihren Einsatz vorbereitet werden – zum Beispiel, indem sie an bestimmte Reize wie Wurfmaterial, Lärm oder Flatterbänder gewöhnt werden. Doch auch diese Maßnahmen ändern nichts an der Tierschutzproblematik. Menschenmengen bleiben unberechenbar. In diesem Falle existiert kein vernünftiger Grund, die Pferde solchen stressigen Erfahrungen auszusetzen.

Für die Jecken am Straßenrand stellen Pferde in Karnevalsumzügen zudem ein unkalkulierbares Risiko dar. 2018 wurden 5 Menschen beim Rosenmontagszug in Köln verletzt – 4 von ihnen schwer, weil Pferde einer Kutsche durchgingen. Im Jahr zuvor ereignete sich ein Unfall beim Bonner Umzug. Ein Pferdegespann ergriff samt Wagen unkontrolliert die Flucht und kollidierte unter anderem mit parkenden Autos.

Stress zeigt sich nicht immer sofort

Ob ein Pferd überfordert ist, lässt sich nicht immer zuverlässig erkennen. Die Tiere können zunächst noch äußerlich ruhig wirken, obwohl sie bereits unter starker Anspannung stehen. Im Trubel können die feinen Signale eines Pferdes leicht übersehen werden. Verantwortliche müssen in Sekunden entscheiden, ob ein Tier noch kontrollierbar bleibt, während der Umzug weiterläuft.

Grundsätzlich braucht Karneval keine Tiere: Musikzüge, Fußgruppen, Tanzformationen und Wagen sorgen auch ohne Pferde für Stimmung. Städte wie Bonn zeigen bereits, dass pferdefreie Umzüge funktionieren. Der Deutsche Tierschutzbund ruft dazu auf, Pferde aus den Zugplänen zu streichen. So sollen sich Unfallrisiken senken lassen und Tiere vor vermeidbaren Extremsituationen geschützt werden, die allein der Unterhaltung dienen.

Meldung vom 08.02.2024, zuletzt aktualisiert am 03.02.2026.

Quellen (nach Angaben von):

Deutscher Tierschutzbund spricht sich für Pferdeverbot im Karneval aus - Deutscher Tierschutzbund e.V. 
Deutscher Tierschutzbund fordert Pferdeverbot im Karneval (tierschutzbund.de)
Tierschutzbund fordert pferdefreie Umzüge in der fünften Jahreszeit - Deutscher Tierschutzbund

(JD)