WissenschaftUniversität Leipzig: Neue FluoKin-Anlage ermöglicht Röntgenaufnahmen in Bewegung

Bewegung so präzise analysieren wie noch nie zuvor – das ist nun mit der neuen speziellen Röntgenanlage der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig möglich.

Ein weißer Husky-Mischling läuft hechelnd auf einem Laufband. Dabei ist an einem Halsband angeleint.
Swen Reichhold/Universität Leipzig
Husky-Mischling Suri war einer der ersten tierischen Patienten auf dem Laufband der neuen FluoKin-Anlage.

In einer neuen, deutschlandweit bislang einzigartigen FluoKin-Anlage des Veterinär-Anatomischen Instituts der Universität Leipzig kann die Bewegung von Tieren vom Rind bis zur Maus so präzise wie nie zuvor analysiert werden. Das Bewegungsanalyselabor auf dem Campus der Veterinärmedizinischen Fakultät ist mit modernen Geräten ausgestattet und funktioniert auch mit „sanfter Röntgenstrahlung“ und insgesamt 4 Hochgeschwindigkeitskameras, wie Laborleiterin Dr. Franziska Wagner sagt.

Diese hochmoderne Technik soll für Forschungszwecke genutzt werden und der Beantwortung von Fragen zur Tiergesundheit dienen, die mit statischen Röntgenbildern bislang nicht geklärt werden konnten.

Verschiedene Forschungsprojekte schon gestartet

Drei Forschungsprojekte, die schon angelaufen sind, befassen sich in den kommenden Jahren mit häufig auftretenden Tierkrankheiten. In einem werden die Schäden am Brustbein von Hühnern untersucht. „Die Hypothese ist: Wenn sie von der Stange springen, bremsen sie mit dem Brustbein“, berichtet Wagner. In der Studie wird nun vom kommenden Jahr an gemeinsam mit dem Institut für Tierhygiene die Bewegung der Hühner beim Springen auf oder von der Stange analysiert. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit dem Phänomen des rosafarbenen Schaums vor dem Maul von Pferden – ein Zeichen dafür, dass das Tier im Maul blutet. Deshalb sollen mehrere Pferdegebisse mit unterschiedlicher Zugkraft am Zügel untersucht werden. Ein drittes Projekt befasst sich mit Dysfunktionen des Kreuz-Darmbein-Gelenks bei Hunden und Katzen – einem häufigen Symptom, das bei Tieren bislang kaum erforscht wurde.

Entscheidende Fortschritte bei der Aufklärung dieser Krankheitsbilder soll die Bewegungsanalyse mit der neuen FluoKin-Anlage bringen, betont die Tierärztin. „Unsere Patienten sollen sich bewegen. Es ist egal, ob sie laufen, kauen oder klettern“, sagt Wagner, die bei der Untersuchung der Tiere trotz der schwachen Röntgenstrahlung einen bleiernen Schutzanzug trägt.

Röntgengeräte & High-Speed-Kameras

Die Anlage besteht hauptsächlich aus 2 Röntgengeräten, die verschiedene Körperregionen der Tiere auf dem Laufband in Bewegung durchleuchten, schräge Strahlengänge ermöglichen und deren Bewegungen dreidimensional darstellen. Wegen der gesundheitlich unbedenklichen Strahlendosis gibt es dabei kein Zeitlimit. Je nach Größe der tierischen Patienten bewegen sie sich auf einem großen oder kleinen Laufband. Neben den beiden Geräten befinden sich Röntgenbildwandler, die die Strahlung in sichtbares Licht umwandeln. „So entsteht ein Röntgenfilm wie eine Art Schattenkino“, erklärt die Laborleiterin. Dazu kommen 4 High-Speed-Kameras, die bis zu 500 Fotos pro Sekunde aufnehmen und dadurch sehr schnelle Bewegungen festhalten können.

„Wir können ganz präzise Aussagen treffen, wie sich etwas im Körperinneren bewegt“, beschreibt die Expertin einen Vorteil der neuen Anlage. Bei anderen Bewegungsanalysetechniken seien häufig Verschiebungen der Haut der Tiere ein Problem, die den Blick auf die Knochen erschwerten. Die neue Anlage ermögliche dagegen Aufnahmen mit einer Genauigkeit im Submillimeter-Bereich und sei kombinierbar mit anderen Messtechniken. So können Operationsmethoden optimiert und Bewegungsfehler der Tiere genau analysiert werden. Übrigens sei die Anlage auch für Menschen nutzbar, wenn der Bedarf bestehen sollte.

Quelle (nach Angaben von):

Universität Leipzig: Vom Rind bis zur Maus: Neue FluoKin-Anlage ermöglicht Röntgenaufnahmen in Bewegung

(JD)