GewerkschaftVmf: Klares Statement zu politischen Entwicklungen

Angesichts der zunehmenden politischen Äußerungen gegen grundlegende Arbeitnehmerrechte, bezieht der Verband medizinischer Fachberufe nun Stellung.

Eine Person in weißem Hemd und dunkler Krawatte zeigt mit seiner Hand auf ein Stop-Schild.
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Der vmf appelliert an politische Entscheidungsträger*innen, die Belange von Arbeitsnehmer*innen ernst zu nehmen.

In den vergangenen Wochen sei eine zunehmende Zahl politischer Initiativen und öffentlicher Äußerungen zu beobachten, die eine Aushöhlung grundlegender Arbeitnehmerrechte befürchten lassen, so der Verband medizinischer Fachberufe e.V. (vmf). Begriffe wie "Lifestyle-Teilzeit", Forderungen nach längeren Arbeitszeiten, die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung oder Eingriffe in Überstundenregelungen würden eine besorgniserregende Entwicklung verdeutlichen.

Besonders alarmierend seien Vorstöße, die den 8-Stunden-Tag infrage stellen – eine der zentralen Errungenschaften der deutschen Arbeitswelt, die bereits am 1. Januar 1919 eingeführt wurde. Zuletzt äußerte Bundeskanzler Friedrich Merz, man könne sich sogar die vollständige Abschaffung des Arbeitszeitgesetzes vorstellen.

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V., der als Berufsverband auf gewerkschaftlicher Ebene für Medizinische, Tiermedizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte sowie für angestellte Zahntechniker*innen arbeitet, habe diese Diskussionen lange aufmerksam verfolgt. Nun sei der Punkt erreicht, an dem der Verband sich der Haltung vieler anderer Gewerkschaften anschließen: Es reicht!

Mitglieder schon an Belastungsgrenze

Die Mitglieder arbeiten in höchst verantwortungsvollen Berufen, die volle Konzentration, Fachwissen und Einfühlungsvermögen verlangen, so der vmf. Schon heute würden viele Beschäftigte Überstunden leisten und regelmäßig an ihre psychischen und physischen Belastungsgrenzen stoßen. Eine Ausweitung der täglichen Arbeitszeit auf bis zu 13 Stunden würde Gesundheit und Erholungsphasen massiv gefährden – und den bestehenden Fachkräftemangel weiter verschärfen.

Bereits jetzt würden viele Beschäftigte im Gesundheitswesen ihre Arbeitszeiten reduzieren, um die hohe Belastung langfristig überhaupt bewältigen zu können.
Besonders irritierend sei in diesem Zusammenhang auch die abwertende Formulierung "Lifestyle-Teilzeit", die zwischenzeitlich aus Reihen der CDU gefallen ist. Auch wenn dieser Begriff inzwischen zurückgenommen wurde, bleibe seine Botschaft respektlos: Er unterstellt, Beschäftigte arbeiteten aus Bequemlichkeit weniger. Der vmf weist diese Aussage entschieden zurück.

Teilzeit als Notwendigkeit

Die Daten der Bundesagentur für Arbeit (Stand: 30.06.2024) zeigen, dass 49% der Medizinischen Fachangestellten, 32% der Tiermedizinischen Fachangestellten, 44% der Zahnmedizinischen Fachangestellten und 30% der Zahntechniker*innen in Teilzeit tätig sind. Der Hauptgrund dafür liegt nicht in mangelnder Arbeitsmoral, sondern in der Notwendigkeit, berufliche und familiäre Verantwortung miteinander zu vereinbaren, so die Aussage des vmf. Gerade in einem Berufsfeld, das überwiegend von Frauen getragen wird, sei Teilzeit eine Arbeitsrealität – kein Lifestyle.

Wenn Teilzeitkräfte täglich parallel ihre berufliche Tätigkeit, Kinder, Pflege, Haushalt und ihr Leben stemmen, sei das eine Spitzenleistung, nicht nur für die Arbeitnehmer*innen selbst, sondern auch für die Entlastung der Gesellschaft. Teilzeit sei nicht nur eine Lebensentscheidung eines mündigen Bürgers, einer mündigen Bürgerin, sondern auch die Entscheidung für die eigene Überlebensstrategie.

Die Arbeitsleistung eines jeden Einzelnen messe sich zudem nicht in den täglichen Anwesenheitsstunden, sondern im Tun der täglichen Leistung.

Es sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass - unabhängig von persönlichen Lebensumständen - zum Teil auch keine Möglichkeit auf Vollzeitarbeit besteht, wenn Betriebe nur Teilzeitarbeitsplätze zur Verfügung stellen, so der vmf. Dieser Bereich wurde in den realitätsfremden Äußerungen auf höchster politischer Ebene nicht mit einbezogen.

Appell an die Politik

Der vmf appelliert an die politischen Entscheidungsträger*innen, die Belange von Arbeitnehmer*innen ernst zu nehmen und nicht durch populistische Debatten über längere Arbeitszeiten oder vermeintliche "Lifestyle-Modelle" zu entwerten.

Der Schutz der Gesundheit, die Wahrung fairer Arbeitsbedingungen und die Wertschätzung des Engagements der Beschäftigten im Gesundheitswesen müsse oberste Priorität haben.

Wer einen attraktiven Wirtschaftsstandort für Deutschland möchte, müsse wissen, dass dafür unter anderem auch wichtige Voraussetzungen sind: Chancenreiches gutes Bildungswesen, gute Altersabsicherung und ein gutes funktionierendes Gesundheitswesen. Ebenso gehören dazu gute Arbeitsbedingungen und leistungsgerechte Entlohnung für gut ausgebildete Fachkräfte sowie familienfördernde Voraussetzungen wie Kita-Plätze, Ganztagsbetreuung in den Schulen, bezahlbare Mieten, erschwingliche Immobilien, gute Infrastrukturen und Entlastung von pflegenden Angehörigen.

An einer erfolgreich abgeschlossen Berufsausbildung hängen auch Tarifgehälter, diese gebe es nicht für Tätigkeiten "on the Job". Deswegen dürfe das berufliche Bildungswesen nicht noch mehr aufgeweicht werden!

Ehrenämtler*innen tragen berufliches Bildungssystem

Abschließend weist der vmf noch auf die vielen ehrenamtlich tätigen Menschen in Deutschland hin. Nicht nur im medizinischen Berufsverband würden sich Kollegen*innen für Kolleg*innen und für Auszubildende in den Berufen engagieren. Sie engagieren sich auch ehrenamtlich in Prüfungsausschüssen in Berufsbildungsausschüssen, in Schlichtungsausschüssen oder als ehrenamtliche Richter*innen. Ohne diese vielen Ehrenämtler*innen würde das über ein halbes Jahrhunderthundert bewährtes berufliches Bildungssystem längst nicht mehr existieren. Vor allem habe dieses System in der Vergangenheit sehr gut ausgebildete Fachkräfte hervorgebracht. Das sei auch ein Standortentscheidungskriterium, so der vmf.

Ehrenamtliches Engagement geschieht auch in der (Vorstands)Arbeit im Schrebergarten, im Taubenzuchtverein, bei der freiwilligen Feuerwehr, Elternvertretung, im Wanderverein, Tier- und Naturschutz oder in der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft! All das diene der Gemeinnützigkeit.

Diesen Menschen jeden Tag zu erzählen, wie „faul sie doch sind“ und dass sie viel zu hohe Ansprüche haben, sei nicht nur unsozial, sondern vor allem respektlos, so der vmf. 

Quelle (nach Angaben von):

Klare Haltung zu Angriffen auf Arbeitnehmerrechte: Wir sagen Stopp! - (Presse-) Newsroom - Verband medizinischer Fachberufe e.V. - Der Verband - Ihre Gewerkschaft - Verband medizinischer Fachberufe e.V.

(JD)