
Man lernt nie aus – ein bekanntes Sprichwort, das in der Tiermedizin eine ganz besondere Relevanz hat. Tierärzt*innen müssen jährlich Fortbildungen besuchen und sich weiterbilden, damit sie immer auf dem neusten Stand der Medizin bleiben. Das Lernen geht also auch nach den stressigen Prüfungsphasen im Studium weiter. Um dabei viel Zeit und Energie zu sparen, sollte man seinen persönlichen Lerntyp kennen. Welche Lerntypen gibt es also?
Der auditive Lerntyp
Stärken: Der auditive Lerntyp lernt vorwiegend über das Hören und Sprechen. Ihm fällt es leicht, mündlichen Erklärungen zu folgen und Gesagtes wiederzugeben. Am besten kann er Erklärungen nachvollziehen und sich an sie erinnern, wenn er die Informationen gehört hat. Das gilt auch für die eigene Stimme. Störende Geräusche oder Lärm im Unterricht hemmen seine Aufnahmefähigkeit. Charakteristisch für den auditiven Lerner ist daher, dass er sich durch Musik beim Lernen gestört fühlt oder leicht ablenken lässt.
Typische Aussagen:
- „Ich höre gerne Hörbücher.“
- „Ich kann Referate und Präsentationen gut wiedergeben.“
- „Ich kann mich sehr gut an Melodien erinnern.“
Lernhilfen: Lerninhalte aufnehmen und anhören, Gelerntes durch Selbstgespräche oder mit einem Partner wiederholen, für ruhige Lernumgebung sorgen [1].
Der visuelle Lerntyp
Stärken: Der visuelle Lerntyp merkt sich Dinge am besten durch Sehen. Er greift gerne zu Büchern und verschafft sich so einen Überblick. Ihm helfen Grafiken und Bilder, um sich anatomische Verbindungen besser einzuprägen. Zudem lernt er sehr gut durch Beobachten. Der visuelle Lerntyp macht sich gerne Notizen und markiert Texte und Schaubilder farbig. Dabei arbeitet er stets genau und ordentlich.
Typische Aussagen:
- „Ich lese gerne und kann Gelesenes gut wiedergeben.“
- „Ich kann mir Bilder und Skizzen gut merken.“
Lernhilfen: Texte farbig strukturieren, eigene Notizen und Karteikarten anfertigen, inneres Sehen (bildhaftes Vorstellen des Gelernten), Mindmaps selbst erstellen.
Der motorische Lerntyp
Stärken: Motorische Lerntypen brauchen Bewegung und Aktion beim Lernen. Am besten prägen sie sich Inhalte ein, indem sie selbst „Hand anlegen“. Learning by doing ist ihr Motto. Sie verankern Informationen, während sie sie im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“.
Typische Aussagen:
- „Beim Lernen bewege ich mich oder laufe im Zimmer auf und ab.“
- „Ich werde schnell ungeduldig, wenn ich nicht selbst etwas tun kann.“ [5]
Lernhilfen: beim Auswendiglernen bewegen, Gruppenarbeit, durch Anfassen lernen.
Der kommunikative Lerntyp
Stärken: Der kommunikative Lerntyp teilt seine Erfahrungen im Lernprozess gerne mit. Besonders gut kann er sich Dinge merken, wenn er sie bespricht und mit anderen darüber diskutiert. Ihm erschließen sich komplexe Sachverhalte im Dialog. Er liebt es, sich zunächst ein Thema erklären zu lassen, und findet dann die Zusammenhänge durch Gespräche heraus. Dabei wechselt der kommunikative Lerner zwischen der Rolle des Erklärers und der des Fragenden.
Typische Aussagen:
- „Ich rede gerne und viel.“
- „Ich lerne gerne in der Gruppe.“
- „Ich kann mir Informationen aus Gesprächen gut merken.“
Lernhilfen: Gruppengespräche und Diskussionen, Fachfremden die Inhalte erklären, Interviews zum Thema in der Rolle des Fragenden und des Interviewten.
Das Modell der Lerntypen
Das Modell der Lerntypen geht ursprünglich auf den Biochemiker Prof. Dr. Frederic Vester zurück [4]. Er hat in den 1970er Jahren durch eigene Untersuchungen herausgefunden, dass die verschiedenen Wahrnehmungskanäle bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind und dass sie den Lernerfolg beeinflussen. Obwohl seine Theorie von vielen Lernpsychologen kritisiert wird, da sie wissenschaftlich nie belegt wurde, sind sich die Experten darin einig, dass die Kenntnis der Lerntypen ein wichtiger Baustein für erfolgreiches Lernen ist [2].
Mischtypen sind die Realität
In der Regel gibt es nur sehr wenige Menschen, die lediglich einem Lerntyp zuzuordnen sind. Die meisten sind sogenannte Mischtypen, zum Beispiel der audiovisuelle Typ [5]. Er nutzt das Sehen und Hören zum Lernen. Die am stärksten ausgeprägten „Lernsinne“ werden mehr und die anderen weniger genutzt. Leichter, schneller und erfolgreicher gestaltet sich das Lernen dann, wenn der Lernende seine dominante Sinnespräferenz nutzt und gemäß seinem Lerntyp vorgeht.
Findet ein Lernender keinen Zugang zu einem Thema und gehen die Informationen sprichwörtlich zum einen Ohr rein und zum anderen wieder heraus, ist es sehr wahrscheinlich, dass er nicht entsprechend seinem Lerntyp an den Stoff herangeht. Derjenige, der gerne liest und bildhafte Darstellungen als Merkhilfe benötigt, schweift beispielsweise bei einem monotonen Vortrag eher mit den Gedanken ab als derjenige, der durch Zuhören lernt.
Um sich möglichst lange an Gelerntes erinnern zu können, ist es daher sinnvoll, das Lernen vielfältig zu gestalten. Je mehr Lern-Sinne aktiviert werden, umso höher ist die Erinnerungsquote.
Quellen:
Welche Lerntypen gibt es? – IFLW
Koetz, I. Den richtigen Kanal finden – Welcher Lerntyp bin ich? ergopraxis 2015; 8(07/08): 45-47 D
- Arnold E. Jetzt versteh ich das. Bessere Lernerfolge durch Förderung der verschiedenen Lerntypen. 4. Aufl. Mühlheim: Verlag an der Ruhr; 2000
- Looß M. Die Lerntypentheorie. In: Forschung und Lehre 2009; 12: 880–881
- Spitzer M. Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. München: Elsevier; 2007
- Vester F. Denken, Lernen, Vergessen. Was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und wann lässt es uns im Stich? 34. Aufl. München: dtv; 2012
- Der HALB-Test – Das Modell. Im Internet: arbeitsblaetter.stangl taller.at/TEST/HALB/theorie.shtml ; Stand: 20.11.2012


