BlogRohstoff mit Potenzial: Fischhaut belebt die Nachhaltigkeitsdebatte

Auf der Suche nach einer nachhaltigen Alternative erlebt die Fischhaut gerade einen Boom: Strapazierfähig ist sie und fällt noch dazu tagtäglich in großen Mengen in der Lebensmittelindustrie an. Doch wie nachhaltig ist der Rohstoff wirklich?

Baltischer Kabeljau im Atlantik-Meerespark in Ålesund, Norwegen. Der Fisch schwimmt durch das blaut Wasser. Im Hintergrund sind zwei weitere Fische erkennbar.
Mikolaj Niemczewski/stock.adobe.com
Die Fischhaut vom Kabeljau kann als Grundlage für Wundauflagen verwendet werden. - Symbolbild

Alter Rohstoff erlebt Renaissance

Seit Jahrhunderten gilt Fischhaut als begehrter Rohstoff und wird vielfältig eingesetzt: Bereits im alten Ägypten wurde sie für die Herstellung von Kleidung und Schmuck verwendet. Und seit einiger Zeit ruft sie sich mehr und mehr in Erinnerung, da sie dem Zero-Waste-Konzept perfekt entspricht und sich gut für einen nachhaltigen Ansatz eignet [1]. Dabei ist Fischleder letztlich ein Abfallprodukt aus der Lebensmittelindustrie, das genauso gegerbt und verarbeitet wird wie andere Tierhäute – etwa die von Rind und Schwein [2]. 

Vielfältige Verwendung möglich

Fischhaut gilt als enorm stabil, ist zwar dünner als z.B. Rindsleder, dafür aber reißfester und elastischer. Jede Fischart bringt ihr ganz eigenes Erscheinungsbild mit, was den Rohstoff individuell und vielfältig einsetzbar macht. So findet Fischleder heute Verwendung in der Herstellung von Schuhen, Taschen, Kleidung und Schmuck sowie Gürteln, Armbändern und Portemonnaies, aber auch Etuis und Handyhüllen [1]. Sogar Hundehalsbänder lassen sich aus ihr fertigen [3]. Damit nicht genug, haben Forscher aus der Universität Sao Paolo (Brasilien) eine Möglichkeit entwickelt, aus der Haut des im Amazonas lebenden Fisches Tambatinga einen Biofilm zu entwickeln, der sich hervorragend als Verpackung für trockene Lebensmittel eignet [4]. Fischhaut ist sehr kollagenreich, was sie für die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie besonders attraktiv macht [4, 5] und auch als Grundlage für Wundauflagen, die besonders bei Diabetikern eingesetzt werden, taugen sie. Die hierfür benötigte Fischhaut stammt vom Kabeljau [5].  Dank ihres hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren und ihrer einzigartige Matrixstruktur unterstützt sie die Wundheilung besonders gut [5, 6].

Doch wie nachhaltig sind Fischprodukte tatsächlich? 

Das Gerben von Leder gilt durch die verwendeten Chemikalien und den enormen Wasser- bzw. Energieverbrauch nicht gerade als umweltschonend: Zwar werden i.d.R. keine Chromzusätze beigemischt, da Pigmentierung und natürliches Erscheinungsbild erhalten bleiben sollen, doch der Verarbeitungsprozess ist aufwendig. So wird Fischhaut zunächst in einer Salzlake eingeweicht, auf Kunststoffplatten gewaschen und dann 6 Stunden bei 30° C getrocknet, geschert, gebügelt, gewalzt und lackiert. Das alles sind potenziell umweltbelastende Arbeitsschritte. 

Dennoch muss für den Ausgangsstoff kein Tier allein zu diesem Zweck gezüchtet, in Gefangenschaft gehalten und anschließend getötet werden. Bei Biofisch ist der Ausgangsstoff per se schon nachhaltiger. Bei der Verwendung der Haut von Wildfischen (schlimmer noch: Haut von Rochen und Haifischen) ist der Aspekt der Nachhaltigkeit dagegen nicht gegeben. Das Fangen und die Verwertung dieser Fische steht seit langem in Verruf, etwa weil seltene Tierarten durch den Fang bedroht werden (Haie) oder Sekundärprobleme wie die Beifangproblematik bestehen. Auch bei Fischen aus Aquakulturen hat der Nachhaltigkeitsgedanke nur Bestand, wenn es sich hierbei um biozertifizierte Kulturen und somit nachhaltige Fischzuchten handelt [7].

Take Home

Fischhaut kann als Rohmaterial einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten: Sie fällt in großen Mengen in der Fischindustrie an, lässt sich unkompliziert verarbeiten, ist vielseitig einsetzbar und optisch ansprechend. Wichtig ist jedoch ein genauer Blick auf die Herkunft: Welche Fischart wurde verwendet – und aus welcher Quelle stammt sie? Fisch aus konventionell geführten Aquakulturen oder die Nutzung von Häuten bedrohter Arten haben mit Umweltschutz nichts zu tun. 

  1. FARN Digital GmbH. Alles über Fischleder. www.fischleder.de
  2. Stelzer R. Unser Leder. www.fischlederstore.de/unser-leder
  3. Erfling K. Fischleder: Ein nachhaltiges und innovatives Material für Handwerkskunst. Lilyversell.de. 08.03.2025. lilyversell.de/fischleder-handwerkskunst-nachhaltig-innovativ/
  4. Siebel T. Fischhaut wird zur Verpackung. Spectrum.de. 10.02.2026. www.spektrum.de/news/haltbare-lebensmittel-die-fischhaut-wird-zur-verpackung/2309227
  5. Schickling K. Den ganzen Fisch verwenden. Mein Konsumkompass. 30.05.2023. meinkonsumkompass.de/allgemein/den-ganzen-fisch-nutzen/
  6. Ullrich K. Hoffnung für Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom – Fischhaut lässt chronische Wunden schneller heilen. Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. Januar 2022. www.gefaesschirurgie.de/fileadmin/dgg/news/pressemitteilungen/pm_dgg_fischhaut_januar_2022_f.pdf
  7.  Akirmak G. Wie nachhaltig ist Fischleder in der Mode – eine Kritik. B`spoque. 30.06.2024. bspoque.com/wie-nachhaltig-ist-fischleder-in-der-mode-eine-kritik/