HeimtierePatient Heimtier – wann und wie sind intensive Therapien möglich?

Wenn Heimtiere erkranken, ist nicht selten eine umfangreiche Therapie notwendig. Worauf es dabei ankommt und wie diese beim Heimtierpatienten gelingt, lesen Sie hier.

Inhalt
Ein Meerschweinchen sitzt mit anderen Meerschweinchen in einer Gruppe zusammen und frisst Grünfutter.
Annabell Gsödl/stock.adobe.com
Bei inappetenten Heimtieren ist eine intensive Untersuchung und Behandlung nötig.

Was ist, wenn Heimtiere schwerwiegend erkranken und eine aufwendige, umfangreiche Versorgung notwendig wird? Ist eine ambulante Versorgung bei gleichzeitig guter Compliance des Besitzenden möglich und zielführend? Wir zeigen, wie eine intensive Therapie am Heimtierpatienten gelingt und worauf es ankommt.

Das Heimtier als Patient

Kaninchen und Nager stehen in der Nahrungskette weit unten und sind Fluchttiere. In ihrem natürlichen Habitat ist es für sie überlebenswichtig, Erkrankungssymptome so lange wie möglich zu verbergen. Dieser dort sehr nützliche Instinkt macht es jedoch in der Heimtierhaltung schwer, Erkrankungen frühzeitig zu entdecken. Zusätzlich steht der Tierhaltende bei vielen Tierarten vor der Herausforderung, Auffälligkeiten einem Einzeltier in einer Gruppe zuzuordnen. Dazu gehören unter anderem Beobachtungen wie liegengebliebenes Futter, roter Urin und eine veränderte Kotkonsistenz.

Kaninchen, Caviomorpha und Kleinnager sind inzwischen in sehr vielen Praxen zu täglichen Patienten geworden und viele Halter*innen sind immer besser über die Bedürfnisse ihrer Pfleglinge informiert. Sie fordern – zu Recht – im Erkrankungsfall eine entsprechend gezielte und umfangreiche Therapie ein und sind bereit, sich nach Anleitung auch selbst aktiv im Bereich der medizinischen Versorgung und intensiven Pflege der Tiere einzubringen. Umgekehrt gibt es aber Unsicherheiten in der Frage, was einem Heimtier zeitlich begrenzt „zugemutet“ werden kann – auch hier besteht ein hoher Beratungsbedarf.

Krankheitserkennung oft schwierig

Wenn Kaninchen in gut gesicherten Außenanlagen leben, mit der Möglichkeit zu graben und Gänge anzulegen, machen diese Haltungsfaktoren eine Zuordnung von Symptomen oft schwierig. Diese naturnahe und grundsätzlich sehr positiv zu bewertende Haltung geht jedoch damit einher, dass jedes einzelne Kaninchen einer Gruppe nicht täglich in ausreichendem Maße beobachtet werden kann. Ähnlich ist es mit anderen Tieren, die in der Gruppe leben, sowie mit nachtaktiven Tierarten wie den verschiedenen Hamsterarten, die in der Regel einzeln gehalten werden, und Chinchillas, die meist in Paar- oder Kleingruppenhaltung leben.

Diese Faktoren führen dazu, dass selbst aufmerksame Tierhalter*innen viele Erkrankungen erst im fortgeschrittenen Zustand bemerken und dass das betroffene Tier oftmals bereits mit deutlich eingeschränktem Allgemeinbefinden in der Praxis vorgestellt wird.

Hilfreich ist es, wenn der Haltende seine Tiere regelmäßig 2× pro Woche wiegt und hierzu eine Tabelle oder ein Diagramm anlegt. In vielen Fällen sind Gewichtsverluste zwar sehr unspezifische, aber erste und zuverlässige Anzeichen für eine Erkrankung.

Intensive Therapie

Eine intensive Therapie beim Heimtier ist nicht gleichzusetzen mit einer intensivmedizinischen Versorgung, wie sie von Hund und Katze bekannt ist und wie sie in vielen Fällen nur in Kliniken geleistet werden kann. Eine intensive Therapie eines erkrankten Kleinsäugerpatienten kann eine aufwendige orale und/oder parenterale medikamentelle Versorgung umfassen, eine Kontrolle und Unterstützung der Körpertemperatur, ggf. physiotherapeutische Maßnahmen sowie sehr häufig eine assistierte Fütterung.

Eine intensive Therapie in diesem Sinne wird zum Beispiel bei den klassischen Notfällen notwendig wie beispielsweise im Schock, bei Dyspnoe, nach Traumata, bei einem Vestibularsyndrom, einem Hitzschlag, bei Krämpfen, einer Anurie, bei Geburtsstörungen, einer Magendilatation oder Vergiftungen. Hier sind ein schnelles Eingreifen und eine intensive Therapie, teilweise auch im Sauerstoffkäfig und je nach Tierart mit kurzfristiger intravenöser Versorgung notwendig, um den Patienten zu stabilisieren. Nicht zuletzt kann auch eine postoperative Versorgung, z. B. nach einer Kieferabszess-OP, intensiv, umfangreich und langwierig sein [Abb. 1].

Primärerkrankung suchen!

Neben akuten Notfällen gibt es viele Fälle, in denen die Primärerkrankung nicht unbedingt lebensbedrohlich ist, jedoch zu Inappetenz und nachfolgend zu Tympanie, Diarrhoe und weiteren Verdauungsstörungen durch Gärungsprozesse und Verschiebungen der Darmflora führt. Hier können sehr unterschiedliche Erkrankungen zugrunde liegen.

Bei inappetenten Patienten ist grundsätzlich eine vollständige diagnostische Aufarbeitung notwendig, um die Primärerkrankung zu finden und therapieren zu können. Gleichzeitig sind die sekundär entstandenen Verdauungsstörungen zu behandeln und eine assistierte Fütterung einzuleiten.

Schnelle Hilfe

Eine intensive Therapie eines Heimtierpatienten ist in den genannten Fällen zwar aufwendig und umfangreich, jedoch nicht zwingend geräteintensiv. Oft kann mit „einfachen“ Mitteln bereits sehr gut therapiert werden, z. B.:

  • Eine Dyspnoe kann ggf. durch Freilegung verklebter Nasenöffnungen nach Aufweichen der Sekretkrusten mit einem Nasensauger für Babys oder durch eine Tuberkulinspritze mit aufgesetzter Zitzenkanüle bereits rasch gebessert werden.
  • Sind die Nasenöffnungen frei und wird ein Patient mit akuter Dyspnoe vorgestellt, so ist eine Sauerstoffbox ein wichtiges Hilfsmittel. Ist kein entsprechend fertig vorbereiteter Notfallkäfig vorhanden, so gibt es 2 pragmatische Lösungen:
    • Der Schlauch des Oximaten oder der Sauerstoffflasche kann direkt vor die Nasenöffnungen des betroffenen Patienten gehalten werden. Alternativ ist die Verwendung einer größenangepassten Kopfmaske möglich und wird überwiegend gut akzeptiert.
    • Die Transportbox kann rundherum möglichst dicht abgedeckt werden, sodass nur nach vorn eine Öffnung übrigbleibt, in die der Sauerstoff eingeleitet wird.

Ein typischer Praxisfall

Ein Kaninchen, weiblich-kastriert, 5 Jahre alt, lebt in Außenhaltung, separiert sich seit einem Tag von den Partnertieren, lässt sich widerstandslos hochnehmen. Der Besitzer hat einen verklebten Anogenitalbereich bemerkt und stellt das Tier in der Praxis vor. Bei diesem Fall ist zu beachten, dass vor allem Tiere in Außenhaltung im Zusammenhang mit kot- bzw. urinverschmiertem Fell von einer Myiasis betroffen sein können [Abb. 2]. Diese Patienten müssen umfassend klinisch untersucht und sehr intensiv versorgt werden. Die klinische Untersuchung des Patienten ergab folgende Befunde und Diagnosen:

Dieser Inhalt unterliegt den Bestimmungen gemäß Heilmittelwerbegesetz (HWG) und darf nur berechtigten Personen zugänglich gemacht werden. Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Inhalt zu sehen.

  • Gewichtsverlust von 250 g im Vergleich zur Impfvorstellung vor 6 Wochen. Diagnose: Inappetenz
  • Abdomenpalpation ergibt massive Gasansammlung. Diagnose: Darmtympanie
  • Harnuntersuchung: Nitrit pos, Hämaturie, Protein+++, mikroskopisch Bakterien, Leukozyten, Erythrozyten. Diagnose: Zystitis
  • Nach Waschen und Scheren des urinverklebten Bereiches fallen Wundhöhlen und Fliegenmaden auf. Diagnose: Myiasis

Hier wird klar, dass dieser Patient eine intensive medizinische Betreuung benötigt und eine Therapie umgesetzt werden muss, die auf den folgenden 4 Säulen fußt:

  1. Behandlung der zugrundeliegenden Zystitis mit einem Breitbandantibiotikum (parallele Einleitung eines Antibiogramms), dazu Gabe von Metamizol und Meloxicam gegen Entzündung und Schmerzen.
  2. Bekämpfung des Madenbefalls durch penibles Absammeln, Spülen aller Wundhöhlen und Wunden mit antiseptischer Spüllösung und Gabe von Antiparasitika (primär z. B. Nitenpyram in Kombination mit einem länger wirksamen Spot-on-Wirkstoff wie Selamectin oder Moxidectin/Imidacloprid).
  3. Behandlung des Allgemeinzustands (Entkräftung) und der Tympanie durch Infusion mit Vollelektrolytlösung, Vit-B-Komplex, Dimeticon (oral) und Metoclopramid, ergänzt durch einen Schleimhautschutz.
  4. Assistierte Fütterung.

Inappetenz

Beim Heimtier, insbesondere bei den Kaninchen und Caviomorpha, handelt es sich um Tiere, bei denen die Peristaltik des GIT äußerst gering ausgeprägt ist, sodass ein permanenter Nahrungsnachschub erforderlich ist, um ein Weiterschieben der Ingesta zu gewährleisten. Sistiert die Futteraufnahme, so verbleibt der Nahrungsbrei im Magen. Die physiologische Darmflora wird nicht mehr adäquat versorgt, sodass Verschiebungen entstehen: Unerwünschte Bakterien können sich in Massen vermehren und die physiologischen Keime verdrängen. Gärungsvorgänge, Tympanien und letztendlich Enterotoxämien können die Folge sein.

Schmerzen unterschiedlichster Genese führen oftmals zu unspezifischen Symptomen wie Verweigerung der Nahrungsaufnahme und Apathie. Zwar ist auch hier eine sorgfältige diagnostische Aufarbeitung und kausale Therapie unerlässlich, jedoch ist eine adäquate Schmerzmedikation ein wichtiger erster Faktor, um das Allgemeinbefinden zu verbessern und die selbständige Nahrungsaufnahme wieder anzustoßen.

Assistierte Fütterung

Ein inappetentes Heimtier muss umgehend tierartgerecht zugefüttert werden. Diese assistierte Fütterung kann der Tierhalter in der Regel nach Anleitung in der Tierarztpraxis in den meisten Fällen problemlos übernehmen. Wichtig ist es, auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Tierarten einzugehen: Kaninchen und Caviomorpha können mit einem handelsüblichen Intensivfuttermittel versorgt werden, das über eine dazu passende Spritze mit einer vergleichsweise vergrößerten und abgerundeten Öffnung verabreicht wird. Eine Sondenernährung ist nicht nur aufgrund der Größe der Heimtierpatienten limitiert, sondern auch aufgrund der Notwendigkeit des kontinuierlichen Zahnabriebs, insbesondere bei Kaninchen und Caviomorpha.

Ziel der assistierten Fütterung

Das vorrangige Ziel der assistierten Fütterung ist, dass der Heimtierpatient möglichst rasch wieder mit der eigenständigen Futteraufnahme beginnt. Daher sollte parallel zur assistierten Fütterung stets tierartspezifisches (Frisch-)Futter in kleinen und ggf. kleingeschnittenen Portionen sowie tierartabhängig hochwertiges Heu angeboten werden. Es empfiehlt sich, mit Frischfuttersorten zu starten, die bereits vor der Erkrankung besonders gern aufgenommen wurden; darüber hinaus scheinen besonders aromatische Futtermittel wie frische Wiesenkräuter von vielen Tieren in der Regenerationsphase bevorzugt zu werden.

Der an diese angepasste Rohfasergehalt der genannten Futtermittel ist jedoch für Kleinnager wie Mäuse, Ratten, Hamster und Rennmäuse zu hoch bei gleichzeitig zu niedrigem Proteingehalt, sodass hier ein Futter individuell angemischt werden muss. Als Grundlage eignen sich fein pürierte, ungewürzte Gemüsebreie für Babys. Diese müssen beispielsweise mit Schmelzflocken, fein vermahlenen Nüssen oder fetthaltigen Saaten und mit einer kleinen Menge der oben genannten Instantfutter angereichert werden. Alternativ können auch fein vermahlene, tierartspezifische Trockenfutterpellets und gemahlenes Trockengemüse untergemischt werden. Diese Mischungen sind in der Regel dünnflüssig genug, um problemlos mithilfe einer Tuberkulinspritze verabreicht werden zu können.

To-Dos beim Heimtierpatienten

  • gründliche und umfassende Anamnese und körperliche Untersuchung des gesamten Tieres
  • Einleitung der notwendigen weiterführenden Untersuchungen
  • Grunderkrankung(en) identifizieren und behandeln
  • flankierende Maßnahmen zur Stabilisierung des Patienten einleiten
  • bei Inappetenz umgehend assistierte Fütterung einleiten

Vitaminversorgung

Bei inappetenten Tieren, insbesondere bei Kaninchen und Caviomorpha, entsteht zudem ein Vitaminmangel vor allem an B-Vitaminen, die bei intaktem Mikrobiom im Zäkum produziert und mittels Zäkotrophie/Koprophagie wieder dem Körper zugeführt werden. Die assistierte Fütterung muss daher entsprechend ergänzt werden. Gleiches gilt immer auch dann, wenn eine Kotaufnahme durch Verdauungsstörungen oder Zahnerkrankungen nicht möglich ist.

Wird beim Kaninchen noch Zäkotrophe gebildet und abgesetzt, oder ist es möglich, Zäkotrophe eines gesunden Kaninchens zu nutzen , so kann diese mit etwas Wasser angerührt und eingegeben werden. Hierdurch würden dem Kaninchenpatienten nicht nur Vitamine, sondern auch flüchtige Fettsäuren und Aminosäuren, die ebenfalls im Zäkum synthetisiert werden, zur Verfügung stehen.

Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass kleine Heimtiere bei einer naturnahen Ernährung einen großen Teil ihrer Aktivitätszeit mit der Futtersuche und Futteraufnahme beschäftigt sind. Eine gleichmäßige Fütterungsfrequenz mit vielen kleinen Portionen ist somit der selteneren Versorgung mit wenigen großen Portionen immer vorzuziehen, soweit dies in der Praxis oder durch den Heimtierhalter realisierbar ist.

Tierhaltende als Partner

Sobald die Diagnostik abgeschlossen ist und eine erste Prognose gestellt werden kann, muss der Tierhaltende ausführlich über die Therapiemöglichkeiten und -grenzen sowie über den voraussichtlichen Zeitaufwand und die Therapiedauer informiert und beraten werden. Hierbei geht es nicht nur um eine Information über die voraussichtlichen Kosten, die durch die Versorgung in der Praxis entstehen, sondern es geht gleichrangig auch um den Teil der Behandlung, der ggf. zuhause in Form von oraler Medikamentenapplikation und assistierter Fütterung zu leisten ist.

Dabei sollten alle Maßnahmen in der Praxis stets gezeigt und mit dem Besitzenden geübt werden. Um ein Aspirationsrisiko zu vermindern ist es wichtig, dass das Tier bei einer oralen Verabreichung nicht auf den Rücken gedreht wird, sondern stets in Brust-Bauch-Lage verbleibt oder mit der vorderen Körperhälfte etwas erhöht gelagert wird [Abb. 3].

Beim Kleinnager sind diesen Möglichkeiten größenbedingt rasch Grenzen gesetzt. Hier ist ein Mindestmaß an Kooperation des Patienten für das Gelingen einer assistierten Fütterung bzw. Medikamentengabe eine noch wesentlichere Voraussetzung als das bei Kaninchen und Caviomorpha der Fall ist.

Ohne eine gute Compliance des Tierhaltenden und dessen aktives Mitwirken ist eine intensive Therapie ambulant – oder ggf. in tagesstationärer Behandlung – nicht möglich.

Medikamente und Futter

Zur oralen Eingabe von Medikamenten sollten möglichst Tuberkulinspritzen mit Spardorn eingesetzt werden. Nur so können die oftmals sehr kleinen Volumina exakt aufgezogen und verabreicht werden. Gleichzeitig minimiert sich die Menge, die im Konus verbleibt und verworfen wird. Für die Fütterung der Kleinstpatienten können ebenfalls Tuberkulinspritzen genutzt werden; für den rohfaserhaltigeren, teilweise etwas gröberen Futterbrei für Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchillas und Degus haben sich passend angebotene Fütterungsspritzen bewährt.

Wichtig ist es zudem, Futterbrei größenangepasst nur in kleinen Portionen zu applizieren und stets das Abschlucken abzuwarten. Bei einer zu großen Menge steigt ebenfalls das Aspirationsrisiko und zusätzlich werden Abwehrbewegungen und das Herauslaufen von Futter provoziert. Gestaltet sich die Fütterung durch die Unruhe des Heimtierpatienten schwierig, so kann es insbesondere bei Kaninchen, aber auch bei Caviomorpha eine Unterstützung sein, den Körper des Tieres in ein Handtuch einzuschlagen. So kann die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier bei Abwehrreaktionen reduziert, aber auch die Fixation des Patienten vereinfacht werden.

Grenzen der ambulanten Versorgung

Ist die Diagnose klar und das Tier befindet sich nicht oder nicht mehr in einem akut lebensbedrohlichen Zustand und ist gleichzeitig der Patientenbesitzer in der Lage, nach entsprechender Einweisung zuverlässig die orale Medikamentenapplikation sowie die assistierte Fütterung zu übernehmen, so überwiegen auch bei Patienten, die umfangreich und intensiv versorgt werden müssen, die Vorteile einer ambulanten Behandlung. Insbesondere die Tierarten, die in Paar- oder Gruppenhaltung leben, profitieren in der Regel davon, wieder in der gewohnten Umgebung bei ihren Partnertieren zu sein, die sie im besten Fall wärmen und putzen und mit denen sie kommunizieren können. Nachtaktive Tiere wie Hamster oder Chinchillas, können in der häuslichen Umgebung oftmals ihrem individuellen Rhythmus entsprechend versorgt werden, wenn sie aktiv werden und profitieren ansonsten von einer ruhigen Umgebung.

Überweisung

Die Überweisung in eine Klinik, in der stationäre Patienten auch nachts regelmäßig versorgt und überwacht werden können, ist immer dann sinnvoll und wichtig, wenn der Patient z. B. noch Dyspnoe aufweist, der Herz-Kreislaufapparat noch sehr instabil ist oder eine Anurie vorliegt.

Gerade beim Heimtier müssen auch die Stressfaktoren berücksichtigt werden, die eine stationäre Aufnahme mit sich bringt: Die Umgebung ist fremd, die Partnertiere fehlen und die Bewegungsmöglichkeiten sind meist gering, sodass vieles dafürspricht, stabile Patienten trotz intensiven Versorgungsbedarfs nach Hause zu entlassen und regelmäßig, je nach Erkrankung ggf. anfänglich auch täglich zur Kontrolle einzubestellen.

Fazit

Heimtiere werden meist nicht im klassischen Sinne intensivmedizinisch betreut, jedoch ist gerade bei inappetenten Tieren eine intensive Untersuchung und Behandlung nötig. Im Fokus steht dabei vor allem bei Kaninchen und Caviomorpha oft der hochsensible Magen-Darm-Trakt, der besondere Aufmerksamkeit und Maßnahmen benötigt. Darüber hinaus ist es stets unverzichtbar, die zugrundeliegende Krankheitsursache zu finden und zu behandeln sowie den Patienten durch flankierende Maßnahmen zu unterstützen. Gelingt dies, ist eine Intensivtherapie beim Heimtier oftmals sehr erfolgreich.

Der Originalbeitrag zum Nachlesen:

Glöckner B. Patient Heimtier – wann und wie sind intensive Therapien möglich?. Veterinärspiegel 2022; 32(04): 158 - 163. doi:10.1055/a-1939-8877

(JD)

  1. DeCubellis J. Common Emergencies in Rabbits, Guinea Pigs and Chinchillas. Vet Clin Exot Anim 2016; 19: 411-429
  2. Emmerich I, Hein J. Dosierungsvorschläge für Arzneimittel bei Kleinnagern, Kaninchen, Frettchen und Igeln. 2. Aufl. Stuttgart: Enke; 2018
  3. Ewringmann A. Leitsymptome beim Kaninchen. 3. Aufl. Stuttgart: Enke; 2016
  4. Ewringmann A, Glöckner B. Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus. 2. Aufl. Stuttgart: Enke; 2014
  5. Ewringmann A, Glöckner B. Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu. 2. Aufl. Stuttgart: Enke; 2012
  6. Fordham M, Roberts B. (Hrsg.) Emergency and Critical Care, The Veterinary Clinics of North America Exotic Animal Practice. Vol. 19, No. 2. New York: Elsevier, New York; 2016
  7. Hein J. Labordiagnostik bei Kleinsäugern. Hannover: Schlütersche; 2019
  8. Huynh M, Boyeaux A, Pignon C. Assessment and Care of the Critically Rabbit. Vet Clin Exot Anim 2016; 19: 379-409
  9. Lumpp L. Dyspnoemanagement beim Kaninchen. Kleintier konkret 2019; 22: 17-27
  10. Quesenberry K. Hrsg. Ferrets, rabbits and rodents – clinical medicine and surgery. Philadelphia: Saunders/Elsevier; 2020
  11. Wolf P. Fehler in der Fütterung von Kleinsäugern und diätetische Maßnahmen im Notfall, in: Notfallversorgung beim Kleinsäuger. Status und Update. Gießen: DVG; 2016: 39-42

Dr. med. vet. Barbara Glöckner ist Fachtierärztin für Kleintiere mit Spezialisierung auf die Erkrankungen von Heimtiersäugern.

Ihr Originalbeitrag„Patient Heimtier – wann und wie sind intensive Therapien möglich?“ erschien im Veterinärspiegel.