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Zahngesundheit ist wichtig!
Die Zahngesundheit nimmt in der Tiermedizin einen immer größeren Stellenwert ein. Nicht nur, weil die gesundheitlichen Aspekte der Maulhygiene in Bezug auf die körperliche Unversehrtheit immer mehr im Fokus stehen, sondern auch, weil Besitzer*innen einen immer größeren Wert auf die Gesundheit ihres Tieres legen. Vor einigen Jahrzehnten wurden Hunde als Wach- und Arbeitstiere eingesetzt und beschützten Hof und Heim. Dann entwickelte sich der Hund von einem Arbeitstier immer mehr zu einem vollwertigen Familienmitglied, heute wird er verwöhnt und ist zu einem ständigen Begleiter geworden.
Merke
Durch die intensive Bindung zwischen Mensch und Hund hat sich der Stellenwert des Hundes drastisch verändert und Besitzer*innen achten mehr auf richtige Pflege, gutes Futter und bessere gesundheitliche Versorgung.
Ein wichtiger Bestandteil der ganzheitlichen Gesundheitsversorgung ist die Zahngesundheit. Doch bemerken Besitzer*innen einen schlechten Maulgeruch oder verfärbte Zähne oft nicht, weil die Prozesse im Maul häufig schleichend sind und somit teilweise viel zu spät auffallen. Also stellt sich die Frage: Was kann man dagegen unternehmen? Um diese Frage zu beantworten, erforschen wir zunächst den Ursprung von Zahnproblemen und klären, warum besonders die Vertreter kleinerer Rassen davon betroffen sind.
Ätiologie von Zahnproblemen
Eine gesunde Maulhöhle sieht nicht nur ästhetisch aus, sondern ist auch lebensnotwendig, denn hier startet der Verdauungsprozess. Die aufgenommene Nahrung wird zerkleinert und eingespeichelt. Eine gesunde Mundflora besteht aus Keimen, Bakterien und Protozoen. Durch den normalen Speichelfluss, die Zungenbewegungen und den Abrieb durch das Kauen wird der Belag (die Plaque) normalerweise abgetragen. Kommen nun aber immer mehr Futterreste, Bakterien und auch tote Schleimhautzellen hinzu, fängt die Plaque durch eingelagerte Kalksalze an, zu mineralisieren– es entsteht Zahnstein.
Je mehr Schichten aus Plaque durch die Mineralisation entstehen, desto dicker wird der Zahnstein. Dies wiederum hat zur Folge, dass dieser immer mehr auf die Gingiva am Zahnhals drückt, wodurch eine schmerzhafte Gingivitis entstehen kann. Das erleichtert Bakterien das Anheften und es entstehen weitere Entzündungsprozesse. So kann sich eine Parodontitis entwickeln, es können Abszesse entstehen, Zähne lockern sich und fallen ggf. aus.
Folgeschäden
In gravierenden Fällen können Entzündungsprozesse sogar bis in Kieferknochen vordringen und dort für weitere Schäden, wie z. B. Knochennekrosen, sorgen. Auch organische Schäden können davongetragen werden, wenn Bakterien in den Blutkreislauf gelangen und sich vor allem in Herz, Leber und Nieren absetzen. Dort kann es zu schwerwiegenden Organschäden kommen, wodurch z. B. der Herzmuskel und die Herzklappen beeinträchtigt werden und das gesamte Immunsystem geschädigt wird.
Schmerz und Verhalten
Auch das Verhalten des Hundes kann wegen einer Zahnproblematik betroffen sein, z. B. durch ein verändertes Fressverhalten. Dies wird jedoch leider häufig übersehen und den typischen Spruch: „Aber der frisst ja noch!“ kennen wir alle. Ja, er frisst noch, aber vielleicht nur einseitig oder vielleicht nur noch Nassfutter. Viele Hunde mögen bei Zahnproblemen auch nicht mehr so gerne spielen und werden lethargischer, weil ein ständiger Schmerz die Lebensqualität beeinflusst.
Es sind nicht nur die äußeren Gegebenheiten, die die Bildung von Zahnstein beeinflussen. So haben z. B. kleinere Hunderassen eine genetische Prädisposition für die Entwicklung von Zahnproblemen. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße sind die proportionalen Verhältnisse zwischen der zu kleinen Maulhöhle und der gleichbleibenden Anzahl an Zähnen nicht mehr gegeben. Häufig kommt es sogar vor, dass die letzten Molaren nicht angelegt sind, weil hierfür einfach der Platz fehlt. Zudem sind durch den kleinen Kiefer auch die Zahnzwischenräume enger und es kommt häufiger zu einer Schmutznischenbildung, wodurch Bakterien eine noch bessere Möglichkeit haben, sich festzusetzen und folglich mehr Zahnstein entstehen kann.
Die professionelle Zahnreinigung
Ist der Zahnstein vorhanden, hilft nur noch eines: die professionelle Zahnreinigung (PZR) in Narkose durch geschultes Personal [Abb. 1]. Zähne putzen bringt zu diesem Zeitpunkt nichts mehr, weil eine Zahnbürste die mineralisierten Ablagerungen nicht mehr beseitigen kann.

Schritt 1: Das Scaling
Ist die präanästhetische Untersuchung erfolgt, kann ein passender Termin für die PZR vereinbart werden. Am Tag des Eingriffs wird das Tier anästhesiert und die PZR durchgeführt mit dem Ziel, ein sauberes Gebiss zu schaffen [Abb. 2]. Optimal ist es, die Maulhöhle vor der eigentlichen Reinigung mit einer geeigneten Spüllösung, z. B. mit Chlorhexidin, zu desinfizieren. Mit dem Scaler eines Ultraschall-Zahnsteinentfernungsgerät (UZG) wird als erstes der koronale Zahnstein an jedem Zahn nacheinander für höchstens jeweils 8 Sekunden lang entfernt. Die marginale Gingiva wird vorsichtig zurückgeschoben, um den Scaler anzusetzen und ihn vom Zahn in Richtung Kronenspitze zu führen. Um den Zahnstein einer Wurzeloberfläche innerhalb einer Zahnfleischtasche zu entfernen, ist ein UZG nicht geeignet, da dies eine Gewebeschädigung verursachen kann. Hier muss mit geeigneten Handküretten gearbeitet werden, wobei sich zusätzlich entzündliches Granulationsgewebe entfernen und die Wurzeloberfläche ggf. glätten lässt.

Merke
Jeder Zahn sollte mit dem UZG maximal 8 Sekunden am Stück bearbeitet werden, da sonst Reibung und Wärme Schäden am Zahn hervorrufen können.
Korrekte Kühlung und Personenschutz beachten!
Wird mit einem UZG gearbeitet, muss auf eine ausreichende Kühlung mit Wasser geachtet werden. Durch die Reibung des Scalers auf dem Zahn entsteht Wärme, welche irreversible Schäden an Zahn und in umliegendem Gewebe verursachen kann. Durch die Kühlung werden Aerosole in der Umgebungsluft verteilt, die Bakterien aus dem Biofilm an der Zahnoberfläche enthalten. Diese Bakterien können je nach ihrer Konzentration und ihrem aerodynamischen Verhalten Infektionen verursachen, wenn sie eingeatmet werden.
Somit ist es unumgänglich, auf besondere Schutzmaßnahmen und Schutzkleidung zu achten. Ein Mund-Nasen-Schutz ist essenziell, ebenso wie eine Kopfbedeckung und ggf. auch eine Schutzbrille. Es ist zu empfehlen, den Kasack nach jedem Tragen bei einer PZR zu wechseln und ordnungsgemäß zu waschen.
Merke
Im Anschluss an die PZR ist das Polieren der Zähne zwingend notwendig. Dadurch wird die Zahnoberfläche geglättet und die Anhaftung von neuen Belägen reduziert.
Schritt 2: Die Politur
Für die auf das Scaling folgende Politur gibt es verschiedene Polierpasten mit unterschiedlichen Abrasivitäten und verschiedene Polieraufsätze für die Zahneinheit, wie zum Beispiel Polierkelche mit Lamellen oder Polierbürstchen mit unterschiedlicher Härte und Größe. Je nach Körnung der Polierpaste muss ggf. mit verschiedenen Aufsätzen gearbeitet werden, da nicht alle Pasten mit allen Aufsätzen kompatibel sind. In unserer Praxis verwenden wir eine Polierpaste in Einzeltöpfchen mit Aluminiumoxid statt Bimsstein, wodurch die Partikelgröße kontrollierter ist (z. B. iM3 iClean, iM3). Durch die Einzeltöpfchen wird eine Kreuzkontamination mit der Übertragung von Krankheitserregern zwischen Patienten verhindert.
Kein Druck auf Kelch oder Bürste!
Bei der Politur gilt: Die Polierpaste poliert, nicht die Bürste oder der Kelch. Also immer ausreichend Polierpaste verwenden und lieber etwas zu viel verwenden als zu wenig. Wie auch bei der PZR sollte maximal 8 – 10 Sekunden an einem Zahn gearbeitet werden. Außerdem muss die Drehzahl niedrig eingestellt sein, da hier ohne Kühlflüssigkeit gearbeitet wird und es sonst durch die hohe Reibung zu einer erhöhten Wärmebildung kommt.
Häusliche Zahnpflege
Die beste Methode, um Zahnstein und Parodontitis entgegenzuwirken, ist und bleibt das tägliche Zähneputzen. Durch die mechanische Bewegung kann entstehende Plaque am besten entfernt werden. Damit Besitzer*innen dies verstehen, ist die Aufklärung über Zahnstein, den daraus resultierenden Erkrankungen und den To-dos für die Zahngesundheit besonders wichtig [Tab. 1]. Vor allem frischgebackene Hundeeltern lassen sich hierfür sensibilisieren und im Welpenalter lässt sich das Zähneputzen spielerisch erlernen.
Tab. 1 - Wichtige Kernpunkte und To-dos für die Zahngesundheit bei Hunden.
| Kernpunkt | To-dos |
|---|---|
| Zahnreinigung | Zähne 1 – 2 × täglich reinigen. |
| Zahnpflegeprodukte | Spezielle Hundezahnpasta und Zahnbürsten bzw. Fingerlinge zur Reinigung benutzen. |
| Kauspielzeug und Kauartikel | Spielzeug mit plaquereduzierenden Eigenschaften einsetzen; naturbelassene, zahnreinigende Snacks verwenden. |
| Problemerkennung | Mindestens 1 × wöchentlich Zähne und Zahnfleisch untersuchen. |
| Ernährung | Ausgewogene, altersgerechte und zahnfreundliche Fütterung einsetzen; übermäßiges Kauen auf harten Snacks vermeiden. |
| Tierarztbesuch | Mindestens 1 × jährlich eine tierärztliche Zahnkontrolle einplanen. |
Fingerling und Bürste
Die Autorin empfiehlt für den Anfang keine Zahnbürste zu verwenden, sondern Fingerlinge. Dann wird zunächst die Lefze angehoben und der Fingerling aufgelegt; erst nach und nach kommen auch Putzbewegungen hinzu. Sobald eine Routine eingekehrt ist und der Hund diesen Schritt problemlos mitmacht, kann auf eine geeignete Hunde-Zahnbürste umgestiegen werden. Diese gibt es mittlerweile in verschiedenen Größen und Formen. Auch hier muss wieder in kleinen Schritten mit dem Hund geübt werden. In Bezug auf die Zahnquadranten ist es sinnvoll, sich zuerst auf die Canini und die Molaren im Oberkiefer zu fokussieren, denn hier kommt es am häufigsten zu einer Zahnsteinbildung.
Nach und nach können weitere Quadranten mit einbezogen werden. Die Molaren im Unterkiefer sind etwas schwieriger, denn bei geschlossenem Maul werden diese von den P4 des Oberkiefers verdeckt – hier sollte vorab das sanfte Öffnen des Fanges geübt werden. Die Königsdisziplin ist die Reinigung der Zahninnenseiten. Dies ist wirklich schwer für die Besitzer*innen und vielen gelingt es auch nicht. Aber schon das Putzen der Zahnaußenseiten ist ein wahrer Meilenstein und sollte gebührend anerkannt werden.
Zahnpasta
Zum Zähneputzen gehört neben der Zahnbürste auch die geeignete Zahnpasta, auch diese gibt es inzwischen in unterschiedlichen Varianten. Eine Zahnpasta aus dem Humanbereich ist jedoch nicht geeignet, denn sie enthält häufig den Süßstoff Xylitol, welcher toxisch für Hunde ist. Außerdem enthalten sie Schaumbildner, wodurch eine Aspirationsgefahr gegeben ist, und die enthaltenen ätherischen Öle sind meist viel zu stark und oft toxisch. Die Autorin empfiehlt eine Enzymzahnpasta (z. B. C. E.T Paste, Virbac), denn diese reinigt nicht nur durch das Putzen, sondern auch durch die enthaltenen Enzyme und wirkt bei regelmäßiger Anwendung der Plaquebildung entgegen.
Kauartikel
Neben dem Zähneputzen gibt es noch andere Prophylaxemöglichkeiten, so können z. B. unter Aufsicht bestimmte Kauartikel zur Verfügung gestellt werden. Durch die vermehrte Gebissaktivität erhöht sich der Speichelfluss, Bakterien können sich nicht so schnell anheften und es kann Plaque abgerieben werden. Doch Kauartikel sollten vor dem Einsatz auf Eignung geprüft werden:
- Tennisbälle sind ein absolutes No-Go, denn durch die faserreiche Struktur des Balles wirken sie wie Schmirgelpapier und der Zahn wird regelrecht abrasiert.
- Sehr harte Gegenstände wie Steine und auch Hirschgeweihe sind nicht empfehlenswert. Durch die starke Struktur ist der Druck auf die Zähne viel zu hoch und es kann sogar zu einer Zahnfraktur kommen.
- Bei Markknochen ist die Gefahr sehr groß, dass der Unterkiefer des Hundes sich in der Marköffnung verhakt.
- Stöcke bzw. Holz geben zwar nach, sie können jedoch leicht zersplittern und umgebenes Gewebe schädigen.
- Spielzeuge sind auch eine gute Möglichkeit, um das Kauen zu unterstützen, allerdings sollten sie elastisch sein. Die Fasern geflochtener Kauseile können zu einer mechanischen Abreibung führen, aber hier ist Vorsicht geboten, dass der Hund die Seile nicht zerpflückt und auffrisst.
Merke
Grundsätzlich gilt: Alles, was sich mit dem Fingernagel etwas eindrücken lässt, ist als Kauartikel gut geeignet. Alles, was zu rau ist, führt zu Abrasionen am Zahn und kann zur Eröffnung der Dentinkanälchen führen.
Zahnsteinbildung bremsen
Neben den oben genannten Aspekten gibt es noch die Möglichkeit durch bestimmte Inhaltsstoffe die Kalziumbindung zu bremsen, und somit die Zahnsteinbildung zu verlangsamen. So gibt es z. B. Milchproteine im Käse, die den Plaquebakterien das Anhaften am Zahn erschweren. Diese können im Futter zugesetzt sein, aber auch in Käsekaustangen. Hier muss allerdings wieder auf die Härte geachtet werden. Idealerweise sollten Kauartikel Milcheiweiße enthalten, aber auch Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Zucker sollte in keinem Kauartikel zu finden sein, denn er kann die Zähne angreifen und zu Übergewicht führen.
Take Home Message
Die Eckpunkte einer optimalen Zahngesundheit sind Zahnkontrolle, professionelle Zahnreinigung und Prophylaxe. Zudem gibt es eine Fülle an passendem Zubehör, mit dem Tierbesitzer*innen zusätzlich zum Zähneputzen auch zuhause die Zahngesundheit fördern können. Wichtig dabei ist, dass die Verwendung dieser Produkte allein nicht ausreicht. Eine Kombination aus täglicher Mundpflege, der richtigen Ernährung und regelmäßigen tierärztlichen Kontrollen ist essenziell und wird die besten Resultate in der Mundhygiene erzielen.
Der Originalbeitrag zum Nachlesen:
Lehmpfuhl S. Zahngesundheit, Zahnreinigung und Zahnpflege beim Hund. team.konkret 2026; 22(01): 2 - 6. doi:10.1055/a-2714-0073
(JD)



