SpezialRezidivierende Otitiden beim Hund – Gibt es etwas Neues?

Eine durchdachte diagnostische Aufarbeitung ist der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung der rezidivierenden Otitis beim Hund. Das PSPP-System© hilft Ihnen dabei. Der Artikel zeigt darüber hinaus Testmöglichkeiten und Alternativen zu Antibiotika bei der Therapiewahl auf.

Welpe mit traurigem Blick wird im Bett liegend vom Frauchen am Kopf gestreichelt
Eva - stock.adobe.com
Eine rezidivierende Otitis externa sollte immer im Hinblick auf alle beteiligten Ursachen und Faktoren hin untersucht und aufgearbeitet werden.

Das PSPP-System zur Aufarbeitung rezidivierender Otitiden

Zur Aufarbeitung einer wiederkehrenden Otitis kann man das PSPP-System© nach Craig Griffin heranziehen. Dieses Klassifikationssystem impliziert, dass man eine Otitis gemäß folgender Faktoren näher differenziert:

  • primärer Ursachen (P)
  • sekundärer Ursachen (S)
  • prädisponierender Faktoren (P)
  • perpetuierender Faktoren (P)

Mit diesem Klassifikationssystem liegt der Fokus der Therapie nicht nur auf der Behandlung der beteiligten Mikroorganismen, sondern vielmehr auf den Auslösern.

Merke

Nur primäre Ursachen können direkt eine Otitis externa auslösen, sekundäre Ursachen tragen eher dazu bei.

Flankiert und verkompliziert werden primäre und sekundäre Ursachen durch perpetuierende und prädisponierende Faktoren.

Primäre Ursachen wiederkehrender Otitiden beim Hund (P)

Zu den primären Ursachen zählen u. a.:

  • Umwelt- und Futtermittelallergien
  • endokrinologische Erkrankungen (z. B. Hypothyreose, Hyperadrenokortizismus)
  • Parasiten (z. B. Otodectes cynotis, Demodex spp.)
  • Fremdkörper (z. B. Grannen, Ceruminolithen)
  • Tumore

All diese Erkrankungen können eine ein- oder beidseitige Otitis mit oder ohne Auftreten anderweitiger Hautsymptome direkt auslösen.

Allergische Reaktionen als Ursache von Otitiden

Allergische Reaktionen lösen ca. 70% aller wiederkehrenden Otitiden aus. Unter anderem können Umweltallergene und/oder Futtermittelallergene ursächlich beteiligt sein. Im Rahmen der Aufarbeitung einer allergischen Genese steht initial die Diagnostik einer Futtermittelallergie (Gedon NKY, Müller RS. Neue Entwicklungen bei der Behandlung atopischer Hunde. Kleintier konkret 2018; 21: 3 – 12).

Futtermittelallergie als Auslöser der Ohrentzündung

Bei einer CAFR (Cutaneous Adverse Food Reaction, kutanen adversen Futtermittelreaktion) unterscheidet man immunologische (IgE-vermittelte Reaktion, zellvermittelte Reaktion und deren Kombination) und nicht-immunologische Reaktionen. Der ideale Weg, um jedwede der genannten Reaktionen bei dem Patienten zu umgehen, ist die Vermeidung der Aufnahme entsprechender Futtermittelallergene. Zu den häufigsten Auslösern beim Hund gehören:

  • Rind
  • Milchprodukte
  • Huhn
  • Weizen

Merke

Der Goldstandard der Diagnose einer Futtermittelallergie ist unverändert die Eliminationsdiät mit anschließender Futtermittelprovokation.

Durchführung der Eliminationsdiät

Die Ausschlussdiät beinhaltet die Fütterung einer für den Patienten unbekannten Protein- und Kohlenhydratquelle über einen Zeitraum von 6 – 12 Wochen. Literaturangaben zufolge zeigen 80% der Hunde mit einer CAFR nach 5 Wochen Eliminationsdiät eine Remission der klinischen Symptome. Nach insgesamt 8 Wochen sind 90% der Patienten mit CAFR in Remission. Aufgrund der langen Testdauer und der sich daraus ergebenden potenziellen Fehlinterpretationen sind andere Testverfahren für Tierarzt und Tierbesitzer wünschenswert.

Weitere Testmöglichkeiten zur Abklärung einer Futtermittelallergie

Es gibt eine Reihe an weiteren Testmöglichkeiten, die sich aus den oben genannten immunologischen Reaktionswegen ableiten. Jede für sich weist individuelle Vor- und Nachteile auf.

Eliminationsdiät (Goldstandard)

Durchführung Methode Vorteile Nachteile
Zuhause (Besitzer) Fütterung einer speziellen Diät Ergebnis unabhängig von der Art der immunologischen Reaktion/Pathogenese • Dauer (mind. 8 Wochen)
• Auswahl der Komponenten oft schwierig
• Interpretation durch den Besitzer → mögliche Fehlerquelle

IgE-Serologie

Test Durchführung Methode Vorteile Nachteile
klassischer ELISA • Idexx
• Laboklin
• Synlab u. a.
Blutuntersuchung • etabliert in Laboren
• einfach durchzuführen
• bisherige Studien zeigen eine äußerst geringe Reproduzierbarkeit der Testergebnisse
• Kreuzreaktionen sind möglich
• erfasst ausschließlich IgE-Reaktionen
Western Blot Cyno-DIAL ® (Genclis) Blutuntersuchung • getestet werden die relevanten Futtermittel des Patienten • ggf. hilfreich für die Auswahl einer Eliminationsdiät • nur eine geringe Anzahl an Futtermitteln kann getestet werden
• Kreuzreaktionen sind möglich
• erfasst ausschließlich IgE-Reaktionen

Mastzell-Test

Test Durchführung Methode Vorteile Nachteile
intradermaler Test beim Dermatologen intradermale Injektionen - • ungeeignet gemäß bisheriger Studienergebnisse
• nicht standardisiert (optimale Dosen unbekannt)

Spätreaktion-Test

Test Durchführung Methode Vorteile Nachteile
Patch Test beim Dermatologen die Prüfkammern werden auf die rasierte Haut geklebt und müssen 48 h in Kontakt mit der Haut bleiben • das individuelle Futtermittel des Patienten wird getestet
• ein negatives Testergebnis besitzt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Futtermittel gut vertragen wird → ggf. hilfreich für die Auswahl einer Eliminationsdiät
• nicht standardisiert
• komplizierte Umsetzung in der Praxis
• falsch-positive Testergebnisse durch Kontaktreaktionen sind möglich
• die Interpretation ist schwierig
• keine Sofortreaktionen

Lymphozyten-Test

Test Durchführung Methode Vorteile Nachteile
Lymphozyten-stimulationstest nicht offiziell zugänglich (nur an Universitäten) Blutuntersuchung vermeintlich hohe Sensitivität, da Lymphozyten in der Pathogenese immer beteiligt sind • hoher Laboraufwand und Kosten
• schwierige Konservierung der Zellen
• Interpretation fraglich

Vorsicht falsch positive Tests!

Bei nahezu allen Tests ist zu bedenken, dass es auch zu falsch positiven Testergebnissen kommen kann. Dies hat verschiedene Gründe:

  • nicht-pathogene IgE-Antikörper
  • Kreuzreaktionen
  • kreuzreagierende Kohlenhydrat-Antikörper
  • Veränderung der Proteinstruktur durch Erhitzen oder Kochen

Neben den pathogenen IgE-Antikörpern gibt es auch nicht-pathogene IgE-Antikörper. Hintergrund: Im Rahmen der immunologischen Maturation der Antikörper kommt es zu unterschiedlich starken Affinitäten gegenüber den Rezeptoren und somit zu variabler Wirkung.

Zwischen bestimmten Futtermittelallergenen – wie z. B. Huhn und Fisch – gibt es Kreuzreaktionen. Zudem gibt es kreuzreagierende Epitope zwischen Rind, Lamm und Kuhmilch. Die Wahrscheinlichkeit von Kreuzreaktionen ist grundsätzlich höher, je enger der evolutionäre Verwandtschaftsgrad ist. Rind, Lamm und Kuhmilch z. B. stammen aus der Linie der Bovidae und haben daher ähnliche Antigene. Kreuzreaktionen wurden aber auch zwischen phylogenetisch weit auseinander liegenden Spezies gefunden. Dies betrifft evolutionär hoch konservierte Antigene wie z. B. das Albumin.

Bisher nimmt man an, dass kreuzreagierende Kohlenhydrat-Antikörper keine klinische Relevanz haben. Pflanzen und Tiere haben unterschiedliche Glykoproteinstrukturen. Aus diesem Grund können Tiere mit einer Immunreaktion vom Typ-1 auf diese pflanzlichen Strukturen reagieren, da sie als „fremd“ eingestuft werden. Hierbei werden IgE-Antikörper gegen sogenannte „Cross-reacting Carbohydrate Determinants“ (CCDs) gebildet. Diese Anti-CCD-IgEs können nachfolgend zu falsch positiven In-vitro-Testergebnissen führen. Daher haben einzelne Labore mittlerweile verbesserte Testverfahren entwickelt, um dieses Problem zu umgehen. Bei etwa ⅓ der allergischen Patienten sind Anti-CCD-IgEs nachweisbar.

Das Erhitzen bzw. das Kochen von Proteinen verändert deren Oberflächenstruktur erheblich. In der Regel führt diese Veränderung der Proteinstruktur zu einer verminderten Allergenität. Die genannten Testverfahren ( [Tab. 1] ) nutzen meist Rohfleischextrakte, sodass u. U. die Aussagekraft des Ergebnisses mit der reellen Fütterung – sofern sie gekocht bzw. anderweitig verarbeitet erfolgt – nicht übereinstimmt.

Sekundäre Ursachen rezidivierender Otitiden beim Hund (S)

Mikroorganismen wie Bakterien, Hefe- und Schimmelpilze können zu einer primären Ursache hinzukommen oder in Kombination mit einem prädisponierenden Faktor eine Otitis initiieren.

Bakterien

Bakterielle Infektionen im Ohr können durch folgende Mikroorganismen ausgelöst werden:

  • Staphylococcus spp.
  • Streptococcus spp.
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Proteus mirabilis
  • Escherichia coli
  • Corynebacterium spp.
  • Enterococcus spp.
  • Pasteurella spp.

Speziell die Beteiligung von Pseudomonas aeruginosa führt i. d. R. zu äußerst schmerzhaften Otitiden, die mit eitriger Sekretion und Ulzeration des Gehörgangepithels einhergehen.

Zytologische Untersuchung

Diagnostisch gehört die Anfertigung und Auswertung zytologischer Präparate mithilfe einer Schnellfärbelösung (z. B. Diff-Quick ®) zu den wichtigsten Maßnahmen in der Praxis. Mithilfe einer zytologischen Untersuchung können das Vorhandensein und auch die Quantität entsprechender Mikroorganismen bestimmt werden.

Merke

Sowohl im Rahmen der Diagnosestellung als auch bei allen weiteren Kontrolluntersuchungen sollte ein zytologisches Präparat von jedem Ohr angefertigt und untersucht werden.

Anhand des jeweiligen Ergebnisses kann dann eine weitere Therapie aufgestellt werden. Der Fokus bei der mikroskopischen Untersuchung zytologischer Proben sollte auf folgenden Faktoren liegen:

  • Vorhandensein von Entzündungszellen
  • Art und Quantität der Keime (Bakterien, Pilze)

Die Anwesenheit vereinzelter Bakterien oder Malassezien ohne das Vorhandensein von Entzündungszellen ist i. d. R. unproblematisch.

Multiresistente Keime

Zunehmend sind auch im Rahmen einer Otitis multiresistente Keime anzutreffen.

Pseudomonaden zeigen z. B. ein stark ausgeprägtes intrinsisches Resistenzmuster, was dazu führt, dass häufig mehrere Antibiotikaklassen von vornherein unwirksam sind. Neben Pseudomonaden treten auch multiresistente Staphylokokken auf. Häufig ist in solchen Fällen der Einsatz von Reserveantibiotika unumgänglich. Hierbei ist der TÄHAV-Novelle vom 21. Februar 2018 besondere Beachtung zu schenken. Diese besagt, dass der Einsatz von Fluorquinolonen und Cephalosporinen ab der 3. Generation das Anlegen einer bakteriologischen Kultur mit folgendem Antibiogramm erfordert. Zu beachten ist, dass einige verbreitete Kombinationspräparate Fluorchinolone enthalten. Diese Präparate unterliegen somit der oben genannten Gesetzesänderung und bedürfen entsprechender Maßnahmen.

Bei der Interpretation eines Antibiogramms ist allgemein zu beachten, dass die Wirkstoffe entsprechend ihrer im Serum erreichten Konzentration gemessen werden, die für das Abtöten der jeweiligen Keime erforderlich ist. Der gleiche Wirkstoff kann bei einer topischen Anwendung im Ohr jedoch eine mehr als 1000-fache Konzentration erreichen und somit trotz In-vitro-Resistenz noch wirksam sein. Somit ist die Anwendung von Reserveantibiotika nicht immer zwingend erforderlich. Die Anwendung von Antibiotika sollte streng gemäß aktueller Richtlinien und im Sinne eines verantwortlichen Umgangs mit antimikrobiellen Wirkstoffen erfolgen (Horn M. Überlegter Antibiotikaeinsatz bei Pyodermien. Kleintier konkret 2018; 21: 20 – 28).

Merke

Zu Beginn der Therapie einer bakteriellen Infektion im Ohr sollte immer ein Nicht-Reserveantibiotikum mit entsprechender Ohrreinigung und Aufarbeitung der Grundursachen kombiniert werden.

Alternativen zum Antibiotikaeinsatz

Im Hinblick auf die besorgniserregende Entwicklung multiresistenter Keime in den vergangenen Jahren sollte der Fokus dringend auf möglichen Alternativen zum Antibiotikaeinsatz liegen. Hier sind folgende Möglichkeiten zu nennen:

  • Antiseptika
  • antimikrobielle Peptide
  • Honig

Überblick über die Wirkstoffe, die in kommerziellen Ohrreinigern enthalten sind

Wirkstoff Präparate (Beispiele) potenzielle Wirkung Zustand des Trommelfells Anmerkungen
Chlorhexidin Epibac® und HexoClean® Ohrreiniger, Alfavet antimikrobiell nur bei intaktem Trommelfell potenziell ototoxisch ab einer Konzentration > 0,2%
Tris-EDTA TrizEDTA-Ohr- und Hautreiniger, Dechra; Epibac® Ohrreiniger, Alfavet antimikrobiell
Zerstörung des Biofilms
Tris-EDTA auch bei defektem Trommelfell

(Cave: weitere Wirkstoffe)
weitere Wirkstoffe berücksichtigen, daher z. B. Epibac® Ohrreiniger nur bei intaktem Trommelfell anwenden;
synergistischer Effekt in Kombination mit Enrofloxacin und Gentamicin bei Pseudomonaden-infektion (in vitro)
Essigsäure in Kombination mit Borsäure MalAcetic Aural, Dechra antimikrobiell nur bei intaktem Trommelfell -
Antimikrobielle Peptide Peptivet®, ICF antimikrobiell nur bei intaktem Trommelfell -
Honig Mielosan®
Ohren-tropfen, CP-Pharma
antimikrobiell nur bei intaktem Trommelfell -
kolloidales
Silber
Clustol® Ohren-spülung, MicroMed antimikrobiell nur bei intaktem Trommelfell -
N-Acetylcystein Tris-NAC® Zerstörung des Biofilms Reiner Wirkstoff ist in 1,25%iger Lösung auch bei defektem Trommelfell anwendbar Hersteller hat keine Zulassung für defektes Trommelfell in Beipackzettel
Squalan Episqualan®, Alfavet cerumino-lytisch auch bei defektem Trommelfell -

Antiseptika bei der Behandlung von Otitiden

Es gibt vielversprechende In-vitro-Studien, die eine Effektivität von Antiseptika wie Chlorhexidin und Tris-EDTA hinsichtlich ihrer antimikrobiellen Wirksamkeit zeigen. Bei der Interpretation der Ergebnisse sollte man bedenken, dass ein unmittelbarer Vergleich von In-vitro- und In-vivo-Situationen nur bedingt möglich ist. Cerumen, Sekret, Biofilmbildung, Schwellung des Gehörgangepithels und eine folglich mangelnde Belüftung des Gehörkanals können die Wirksamkeit erheblich beeinträchtigen. Mehr In-vivo-Studien sind zukünftig wünschenswert und erforderlich.

Eine kürzlich veröffentlichte In-vivo-Studie konnte zeigen, dass ein Ohrreiniger mit einer Kombination aus 2% Essigsäure und 2% Borsäure signifikante Wirkung gegenüber gramnegativen Bakterien hat. Zu beachten ist, dass Antiseptika wie Chlorhexidin ab einer Konzentration von über 0,2% potenziell ototoxisch sind. Demzufolge sollten diese nicht oder nur in entsprechend niedriger Konzentration angewendet werden, wenn ein rupturiertes Trommelfell vorliegt. Tris-EDTA-Reiniger werden insbesondere häufig wegen ihres in vitro nachgewiesenen synergistischen Effektes in Kombination mit Enrofloxacin und Gentamicin bei Pseudomonadeninfektionen angewandt.

Antimikrobielle Peptide als Wirkstoffe bei Otitiden

Antimikrobielle Peptide haben zahlreiche antimikrobielle Aktivitäten. Unter anderem wird die Permeabilität der mikrobiellen Membranen mittels elektrostatischer Wechselwirkungen erhöht. Die Schädigung der Membranen führt zur Abtötung der jeweiligen Mikroben. Es kann ein breites Wirkspektrum erreicht werden und zudem können Bakterien vor der Resistenzentwicklung bewahrt werden. Eine In-vitro-Studie konnte z. B. die Wirksamkeit eines Gels, das AMP2041, Chlorhexidindigluconat und Tris-EDTA enthält, gegenüber Pseudomonas spp.-Isolaten aus Otitis-externa-Fällen zeigen.

Zerstörung des Biofilms als Therapieoption

Vor allem bei vielen Pseudomonaden- und einigen Malassezien-Infektionen spielt eine Biofilmbildung eine große Rolle. Der Biofilm stellt eine Art Schutzfilm oder „Matrix“ aus Proteinen und Kohlenhydraten dar, der die Penetration und somit die Wirkung jeglicher Antiinfektiva auf die Mikroorganismen verhindert. Neben der mechanischen Reinigung ist die Zerstörung des Biofilms eine weitere Therapieoption. Hier kommt die Anwendung von Tris-EDTA und N-Acetylcystein infrage. Letzteres zeigte in vitro als 1,25%-ige Lösung in Kombination mit Ciprofloxacin eine hohe Effektivität gegen Ciprofloxacin-resistente Bakterien, die aus chronisch suppurativen Otitis-media-Fällen beim Menschen isoliert wurden.

Schimmelpilze können an Otitiden beteiligt sein

Bei chronischen und/oder therapieresistenten Otitiden sollte auch Augenmerk auf die mögliche Beteiligung von Schimmelpilzen gerichtet werden. Schimmelpilze wie Aspergillus spp. und Penicillium spp. gehören zur normalen Flora im Ohr. Eine Infektion ist selten, stellt jedoch eine therapeutische Herausforderung dar. Eine Otomykose ist erkennbar am Vorhandensein von Hyphenstrukturen in den zytologischen Proben, was beim physiologischen Vorhandensein von Schimmelpilzen nicht der Fall ist. Bei entsprechender Klinik reicht die zytologische Untersuchung aus, um eine Diagnose stellen zu können.

Therapie der Otomykose

Bei einer Otomykose sind eine topische und eine systemische antifungale Therapie sowie adäquate Reinigungsmaßnahmen notwendig. Eine videoendoskopische Ohrspülung in Narkose sollte durchgeführt werden, um eine gründliche Reinigung zu ermöglichen.

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Perpetuierende Faktoren der rezidivierenden Otitis (P)

Besteht eine Otitis längere Zeit, entwickeln sich neben den Zeichen einer akuten Entzündung wie Schwellung und Rötung auch Veränderungen wie eine Fibrosierung des dermalen Gewebes und eine Hyperplasie und Ektasie der Zeruminaldrüsen. Diese führen nachhaltig zu einer Veränderung des Zerumens und des Belüftungsgrades. Im schlimmsten Fall endet es in einer Kalzifizierung und infolgedessen einer Verknöcherung des Gehörganges (End-Stage-Otitis). Therapeutisch ist gegen die zuvor genannten perpetuierenden Faktoren der Einsatz von Glukokortikoiden unumgänglich – zumindest lokal und in einigen Fällen auch systemisch.

Des weiteren ist in 80% der chronischen Otitiden eine Otitis media vorliegend. Diese muss in die Therapie mit einbezogen werden, um eine nachhaltige Remission erzielen zu können.

Prädisponierende Faktoren für eine Otitis (P)

Ein anatomisch eng angelegter Gehörkanal, viele Haare oder ein in der Zusammensetzung abweichendes Zerumen können die Entwicklung einer Otitis beim Hund begünstigen, aber nicht alleiniger Auslöser sein. Zudem können sich Faktoren wie Schwimmen und Tauchen durch erhöhte Feuchtigkeit im Ohr nachteilig auswirken. Als prophylaktische Maßnahme bei Vorhandensein prädisponierender Faktoren sollten die Ohren regelmäßig (z. B. 1 Mal/Woche) mit einem passenden Ohrreiniger gespült werden.

Therapie wiederkehrender Otitiden

Die medikamentelle Behandlung einer wiederkehrenden Otitis richtet sich gegen die sekundären Ursachen und die perpetuierenden Faktoren. Die diagnostische Aufarbeitung sowie die gezielte Therapie der primären Ursachen sind jedoch für eine dauerhafte Heilung entscheidend.

Gehörgangsspülung und Ohrreinigung beim Hund

Zu Beginn und während der Therapie von Otitiden ist eine mechanische Reinigung mittels Ohrreiniger und/oder Ohrspülung einer der wichtigsten Aspekte und sollte nie außer Acht gelassen werden. Eine Ohrspülung sollte idealerweise in Narkose und unterstützt durch videoendoskopische Verfahren durchgeführt werden. Zur Spülung wird körperwarme NaCl-Lösung verwendet.

Die Art und Zusammensetzung des Ohrreinigers sollte wohl überlegt sein. Die Quantität und Qualität des Cerumens bzw. des entzündlichen Sekrets, der Zustand des Gehörgangepithels, die Integrität des Trommelfells und das etwaige Vorhandensein von Mikroorganismen sind für die Wahl ausschlaggebend. Zur Reinigung der Ohren bei defektem Trommelfell können die Wirkstoffe Squalane oder Triz-EDTA angewendet werden, die als nicht-ototoxisch gelten, solange sie als alleinige Wirkstoffe enthalten sind im Präparat. Chlorhexidin sollte nur in Konzentrationen < 0,2% angewendet werden ( [Tab. 2] ).

Topische Therapie des entzündeten Ohrs

Die topische Therapie ist ein wesentlicher Bestandteil einer Otitisbehandlung beim Hund. Zu beachten ist, dass die Besitzer der Patienten entsprechend geschult werden, damit eine Applikation ausreichend tief erfolgt und die gewünschte Menge des jeweiligen Medikamentes an den Zielort gelangt. Die Auswahl der Inhaltsstoffe richtet sich in erster Linie nach folgenden Faktoren:

  • zytologischem Befund
  • Zustand des Gehörgangs
  • Vorhandensein bzw. Intakt sein des Trommelfells

Merke

Topische Antibiotika sollten nur eingesetzt werden, wenn zytologisch nachgewiesenermaßen eine bakterielle Infektion vorliegt.

Dies grenzt den Einsatz von herkömmlichen Kombinationspräparaten ein, in denen i. d. R. immer ein Antibiotikum, ein Antimykotikum und ein Glukokortikoid enthalten sind. Sollte das Trommelfell nicht einsehbar oder defekt sein, darf kein Wirkstoff mit ototoxischem Potenzial (z. B. Tobramycin und Ticarcillin) appliziert werden.

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Systemische Therapie bei rezidivierenden Otitiden

Für eine systemische Therapie gibt es folgende Indikationen:

  • Vorhandensein einer Otitis media
  • hochgradige proliferative und/oder ulzerative externe Otitiden, bei denen eine lokale Therapie erschwert bis unmöglich erscheint

Systemische Antibiotika sollten idealerweise nur nach Anfertigung einer bakteriologischen Kultur und Antibiogramm nach steriler Probenentnahme aus dem Mittelohr erfolgen. Bei der Auswahl des Wirkstoffes sollte beachtet werden, dass nur Enrofloxacin auf seine Diffusion in chronisch entzündetem Ohrgewebe untersucht wurde. Es zeigte nach intravenöser Verabreichung eine höhere Konzentration im Gewebe von Mittelohr und externen Gehörkanal als im Plasma.

Die systemische Gabe von Glukokortikoiden ist vor allem bei starker Schwellung des Gehörganges und bei hochgradiger Proliferation des Gewebes angezeigt und sollte parallel zur topischen Therapie erfolgen.

 

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Fazit

Eine rezidivierende Otitis externa sollte immer im Hinblick auf alle beteiligten Ursachen und Faktoren hin untersucht und aufgearbeitet werden. Hilfreich kann hier das PSPP-System© sein. Eine Allergie ist häufig die zugrundeliegende Ursache einer wiederkehrenden Otitis und der erste Schritt der Aufarbeitung ist die Diagnostik einer Futtermittelallergie. Regelmäßige Tupferprobenentnahmen und zytologische Untersuchungen sind im Rahmen einer Otitisdiagnostik und -therapie unerlässlich. Wichtig für eine erfolgreiche Therapie sind eine gute Reinigung des Gehörganges und eine zielgerichtete topische Therapie, die gemäß der aktuellen Leitlinien im Sinne des Antibiotic Stewardship (Strategien zum rationalen Umgang mit Antibiotika) und gegenwärtiger Gesetzesänderungen gewählt werden sollte.

Quelle:

Dölle, Maren. "Rezidivierende Otitiden beim Hund – Gibt es etwas Neues?". kleintier konkret 2018; 21(S03): 29 - 40. DOI: 10.1055/a-0648-7161.

Dr. Maren Dölle, Dipl. ECVD, Zusatzbezeichnung Dermatologie, ist europäische Spezialistin für Dermatologie und Geschäftsführerin der AniCura Tierärztlichen Spezialisten Hamburg GmbH.

Der Originalartikel "Rezidivierende Otitiden beim Hund – Gibt es etwas Neues?" erschien in der Kleintier konkret.

Ohrenerkrankungen sind vielfältig und treten alterunabhängig bei den verschiedenen Hunderassen auf. Eine frühzeitige Diagnose ist der wichtigste Schritt für eine gezielte Therapie: