Intoxikationen beim PferdBerg-Ahorn: Die wichtigsten Fakten zur Vergiftung

Eine Intoxikation durch Berg-Ahorn wird mit dem Auftreten der atypischen Weidemyopathie bei Pferden in Verbindung gebracht – aber auch andere Ahornarten können Auslöser sein.

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Berg-Ahornblätter liegen auf einem Boden. Die Blätter sind herbstlich gelb gefärbt. Einige Blätter sind bräunlich gefärbt.
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Der Berg-Ahorn ist für das Auftreten der atypischen Weidemyopathie beim Pferd von Bedeutung. - Symbolbild

Der Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) ist für Pferde giftig. Eine Intoxikation wird durch die Flügelfrüchte und Keimlinge des Baums ausgelöst und steht mit dem Auftreten der atypischen Weidemyopathie bei Pferden in Verbindung. In den Flügelfrüchten und Sprösslingen von Acer pseudoplatanus ist Hypoglycin A enthalten, welches als toxisches Agens identifiziert werden konnte und Muskelschäden auslöst. Bei einer Intoxikation sind die Skelett-, Herz- und Zwerchfellmuskulatur betroffen.

Jahreszeit

Die Blütezeit des Berg-Ahorn ist von April bis Mai. Jedoch gilt die Aufnahme der samenhaltigen Flügelfrucht der Pflanze als Auslöser für die atypische Weidemyopathie beim Pferd. Die Flügel der Frucht sind fast rechtwinklig zueinander angeordnet und werden durch diese Anordnung bei geeignetem Wind wie ein Propeller bewegt und so verbreitet. Die Flugweite der Frucht kann bis zu 100m betragen.

Symptome einer Vergiftung

Durch die Aufnahme von Flügelfrüchten und Sprösslingen, in denen das Hypoglycin A enthalten ist, wird eine Myopathie der Skelett-, Herz- und Atemmuskulatur ausgelöst. 

Nach der oralen Aufnahme wird Hypoglycin A zu Methylen-Cyclopropyl-Acetyl-Coenzym A (MCPA) verstoffwechselt. Anschließend werden die sog. Acyl-CoA-Dehydrogenasen in den Mitochondrien von dem MCPA gehemmt – daraus resultiert, dass keine Verstoffwechselung von Fettsäuren mehr stattfindet. Die Folge ist eine sog. Fettspeicher-Myopathie, ausgelöst durch die gestörte β-Oxidation der Fettsäuren. 

Atypische Weidemyopathie

Ausführliche Informationen zur atypischen Weidemyopathie finden Sie in unserem Beitrag "Die atypische Weidemyopathie beim Pferd".

Therapie

Eine Intoxikation endet häufig letal. Eine symptomatische Therapie ist nur sehr selten erfolgreich, da eine Intoxikation häufig mit sehr raschem Verlauf und massiven Muskelschädigungen einhergeht.

Neben dem Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) können auch andere Ahornbäume eine Equine Atypische Myopathie auslösen. Dazu zählen:

  • Eschen-Ahorn (Acer negundo)
  • Fächer-Ahorn (Acer palmatum)
  • Japanischer Ahorn (Acer japonicum)
  • Oregon-Ahorn (Acer macrophyllum)
  • Silber-Ahorn (Acer saccharinum)
  • Vermont-Ahorn (Acer spicatum)
  • Zucker-Ahorn (Acer saccharum)

Die Originalbeiträge zum Nachlesen:
Giftpflanzen. In: Coenen M, Vervuert I, Hrsg. Pferdefütterung. 6., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019.
Vervuert I, Müller C, Sroka L. Aktuelle Vergiftungsfälle durch Pflanzen – Was ist beim Pferd zu beachten?. Pferdespiegel 2020; 23(03): 125 - 137. doi:10.1055/a-1213-8635
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) - Baum des Jahres 2009 (wald.rlp.de)

(IR)