Intoxikationen beim PferdJakobskreuzkraut – die gelbe Giftpflanze

Jakobskreuzkraut ist eine der häufigsten Ursachen für Vergiftungen bei Pferden. Die Giftpflanze hat eine leberschädigende Wirkung.

Inhalt
Nahaufnahme von der Blüte einer Jakobskreuzkraut-Pflanze. Die Pflanze hat gelbe Blütenblätter und gelbe Pollen. Der Hintergrund ist grün.
Carmen Hauser/stock.adobe.com
Vergiftungsfälle mit Jakobskreuzkraut können bei Pferden durch die Aufnahme von Pflanzen auf der Weide oder durch kontaminiertes Heu auftreten.

Jakobskreuzkraut (Senecio jacobea) gehört zur Gattung der Greiskräuter (Senecio) und zu den Pflanzen, die am häufigsten an Vergiftungen bei Pferden beteiligt sind. 

Im Jakobskreuzkraut sind Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthalten, die eine irreversible Leberzellschädigung durch Quervernetzung der DNA und anderen Makromolekülen bewirken. Durch die leberschädigende Wirkung der PA kann eine sogenannte Seneziose bzw. die Schweinsberger Krankheit hervorrufen werden. 

In der Blüte und den Früchten der Pflanze ist der Gehalt an PA am höchsten, denn dadurch schützt sich die Pflanze vor Verbiss durch Tiere.

Jahreszeit

Das Jakobskreuzkraut bildet im 1. Jahr eine Rosette mit tief geschlitzten Blättern und einer verzweigten Verwurzelung. Erst im 2. Jahr wächst der aufrechte Stängel mit Blüten. Ausgewachsene Pflanzen können problemlos bis zu 1 m hochwachsen.

Ab Mitte Juni blühen die ersten Pflanzen. Die Hauptblütezeit ist von Juli bis August

Symptome einer Vergiftung

Akute Intoxikation

Akute Intoxikationen mit Greiskräutern sind eher ungewöhnlich. Die Pflanze wird auf der Weide nur selten in großen Mengen aufgenommen, da der bittere Geschmack Pferde vom Fressen abhält. Eine Ausnahme bilden hier junge Pferde. Außerdem kann bei frühem Weidegang eine Aufnahme stattfinden, denn zu diesem Zeitpunkt sind die Pflanzen noch sehr jung und der bittere Geschmack noch nicht ausgebildet.

Bei einer akuten Intoxikation mit Pyrrolizidinalkaloiden durch Jakobskreuzkraut sind hämorrhagische und zentrolobuläre Lebernekrosen ohne Megalozytose die Folge. 

Chronische Intoxikation

Chronische Verläufe treten häufiger auf. Die Pflanze verliert im getrockneten Zustand ihren typischen Geschmack und wird so zum Beispiel unbemerkt über das Heu aufgenommen.

Die Symptome können – aufgrund der kumulierenden Speicherung der PA in der Leber – ggf. erst nach mehreren Wochen oder Monaten bei kontinuierlicher Aufnahme kleiner Mengen an Greiskräuter auftreten. 

Mögliche Symptome einer Intoxikation sind: 

  • Aszites und Ödeme
  • Ikterus
  • hepatische Megalozytose mit DNA-Zunahme
  • fettige Leberdegeneration
  • Leberzirrhose
  • Venenokklusion der Leber und Lunge
  • Proliferation der Gallengänge
  • sekundäre Photodermatitis
  • erhöhte Werte von γGT, AP, Bilirubin, ALAT, SDH, AST, Gallensäuren im Blut

Beim Pferd werden außerdem zentralnervöse Symptome mit Verhaltensänderungen (Head Pressing) beschrieben. 

Therapie

Eine Behandlung erfolgt symptomatisch. Durch die häufig auftretenden Leberschäden ist die Prognose als vorsichtig bis ungünstig einzustufen. 

Die Originalbeiträge zum Nachlesen:
Vervuert I, Müller C, Sroka L. Aktuelle Vergiftungsfälle durch Pflanzen – Was ist beim Pferd zu beachten?.Pferdespiegel 2020; 23(03): 125 - 137. doi:10.1055/a-1213-8635
Kupper J, Naegeli H, Wehrli Eser M, Wann ist bei Pferden eine Vergiftung eine Vergiftung? pferde spiegel 2010; 13(2): 50-54 DOI: 10.1055/s-0030-1250037
Schwarz B, Alber G. Was genau sind Pyrrolizidinalkaloide und warum sind sie so gefährlich für Pferde?.Pferdespiegel 2022; 25(01): 10 - 14. doi:10.1055/a-1741-3113
Krankheiten der Leber. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A, Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016.
Vorsicht vor dem Jakobskreuzkraut (landwirtschaftskammer.de)

(IR)