PferdWürmer beim Pferd: Symptome, Diagnostik und Bekämpfung

Regelmäßig infizieren sich Pferde mit Endoparasiten. Welche Wurmarten dabei eine Rolle spielen und wie diese effektiv bekämpft werden können, lesen Sie hier. 

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Zwei Ponys stehen auf einer grünen Weide. Beide Tiere schauen aufmerksam auf.  Ein Pony hat braunes Fell und das andere ist ein Schimmel. Das Gras ist lang.
Nigel Baker/stock.adobe.com
Bei der Endoparasitenbekämpfung kann selektiv oder strategisch entwurmt werden. - Symbolbild

Zunehmende Resistenzen von Endoparasiten bei Pferden erfordern ein angepasstes Entwurmungsmanagement. Die Expertenorganisation ESCCAP empfiehlt grundsätzlich 2 alternative Herangehensweisen: die strategische und die selektive Entwurmung. Ein umfassendes Hygienemanagement vervollständigt die Endoparasitenbekämpfung.

Endoparasiten und ihre Entwicklungszyklen

Pferde infizieren sich unabhängig von ihrer Haltungsweise regelmäßig mit Endoparasiten und nicht selten ist nahezu der gesamte Bestand betroffen. Unterschiedliche Entwicklungszyklen der Parasiten rufen je nach Alter des befallenen Pferdes verschieden schwere Symptomatiken hervor. Die Kenntnis der Entwicklungszyklen ist daher ausschlaggebend für eine zielgerichtete Behandlung und Bekämpfung.

Kleine Strongyliden

Kleine Strongyliden (Cyathostominae) treten in fast allen Pferdehaltungen in Deutschland auf. Vor allem auf der Weide beim Grasen nehmen Pferde peroral die infektiöse 3. Larve (L3) auf. Diese dringt in die Schleimhaut des Verdauungstrakts ein und entwickelt sich dort zum 4. Larvenstadium (L4). Anschließend tritt sie wieder ins Darmlumen über und entwickelt sich dort zum adulten Wurm, wodurch es nach 6 – 14 Wochen zur weiteren Eiausscheidung kommt. Allerdings können die in der Dickdarmschleimhaut vorhandenen L3 und L4 ihre Entwicklung verzögern (Hypobiose) und in der Schleimhaut über Monate und sogar Jahre persistieren (Abb. 1), wodurch es teilweise zu sehr hohen mukosalen Larvenzahlen kommt (mehrere 100 000 Larven). Diese Larvenstadien verursachen in den allermeisten Fällen keinerlei Entzündungserscheinungen oder Krankheitssymptome. Sehr selten können sie jedoch zur larvalen Cyathostominose führen. Diese entsteht durch die synchron fortgesetzte Entwicklung sowie das Auswandern vieler Larven aus der Schleimhaut und äußert sich in schweren Fällen durch starken Durchfall mit erheblichem Gewichtsverlust und einer teilweise hohen Letalität. In leichteren Fällen können ein erhöhtes Kolik-Risiko, intermittierende Diarrhoe, Gewichtsverlust, Ödeme und Fieber auftreten. Besonders betroffen sind junge Pferde bis zu 6 Jahren mit einem gehäuften Auftreten im Winter und Frühjahr.

Diagnostik

Die Infektion mit kleinen Strongyliden lässt sich durch den Nachweis der typischen Strongylideneier mittels Flotationsverfahren diagnostizieren, jedoch korreliert die Zahl der ausgeschiedenen Eier nicht gut mit der Anzahl der im Darm vorhandenen Würmer. Bei der larvalen Cyathostominose lassen sich in der Kotprobenuntersuchung oft keine Wurmeier nachweisen, da die Erkrankung von den Larvenstadien in der Darmschleimhaut verursacht wird [1]. Im Kot betroffener Tiere bzw. nach rektaler Untersuchung am Handschuh können u. U. die mehrere Millimeter großen, oft rötlichen L4 mit dem bloßen Auge erkannt werden [2].

Große Strongyliden

Große Strongyliden (Strongylus vulgaris, S. edentatus und S. equinus) sind Weideparasiten mit einer je nach Strongylus-Art hohen bis sehr hohen Pathogenität. Die infektiöse Larve (L3) wird beim Weiden peroral aufgenommen, penetriert die Dickdarmwand und häutet sich dort zur L4. Die Larven der großen Strongyliden vollziehen im Pferd im Gegensatz zu denen der kleinen Strongyliden eine Körperwanderung. Die Wanderwege und pathogenetischen Eigenschaften unterscheiden sich je nach Art. Die L4 von S. vulgaris wandern in die Gefäßwand der Arterien und in der Intima bis zur Arteria mesenterica cranialis sowie teilweise bis zur Aorta. In Thromben entwickeln sie sich ca. 3 Monate nach der Infektion zum präadulten Stadium, bevor sie in das Gefäßlumen übertreten und der Blutstrom sie in Richtung Darm transportiert. Im Darm entwickeln sie sich zu adulten, d. h. geschlechtsreifen Würmern (Abb. 2). Bis zur Eiausscheidung dauert es mind. 6 Monate. Die Larven von S. edentatus und S. equinus vollziehen eine Körperwanderung zur Leber und die Larven von S. equinus über das Pankreas sowie die von S. edentatus subperitoneal über das Mesenterium zurück zum Darm. Bei diesen Arten beträgt die Präpatenz 8,5 – 11 Monate.

Klinische Symptome

Symptome eines Befalls mit großen Strongyliden entstehen durch die weitreichenden Körperwanderungen der Larven und die dabei entstehenden Schäden. Möglich sind beispielsweise:

  • thrombotisch-embolische Koliken
  • Apathie
  • Kachexie
  • Anämie
  • Peritonitis mit Fieber
  • intermittierendes Hinken (Hinterhand)
Diagnostik

Mit dem Kot scheidet das Pferd die typischen Strongylideneier aus, die sich optisch nicht sicher von denen der kleinen Strongyliden unterscheiden lassen. Zum Nachweis großer Strongyliden muss daher eine Larvenkultur mit anschließender Mikroskopie der L3 oder eine PCR erfolgen [1].

Spulwürmer (Askariden)

Askariden (Parascaris equorum, Parascaris univalens) besiedeln den Dünndarm v. a. von Fohlen und jungen Pferden (Abb. 3). Adulte Parasiten werden bis zu 50 cm lang und die Weibchen legen innerhalb kurzer Zeit sehr viele Eier (bis zu mehreren 100 000 täglich), was zu einer starken Kontamination der Umwelt führt.


 

Merke

Die sich in der Umwelt in den Eiern entwickelnden, infektiösen Askaridenlarven sind frostbeständig und können Monate bis Jahre überleben, was bei Bekämpfungsmaßnahmen zu beachten ist.

Das Ei mit der infektionsfähigen L3 wird peroral aufgenommen. Die Larve schlüpft im Darm und wandert über die Blutgefäße zu Leber, Herz, Lunge und Luftröhre bis zum Kehlkopf. Über die Luftröhre gelangen die Larven in die Mundhöhle und werden abgeschluckt, sodass sie in den Dünndarm gelangen, wo sie sich zu Adulten entwickeln. Die Präpatenz liegt bei 10 – 16 Wochen.

Klinische Symptome

Durch die larvale Wanderung in die Lunge treten Symptome wie Husten oder hämorrhagische Schleimhautläsionen auf und das Risiko für sekundäre Infektionen steigt. Der Darmbefall kann besonders bei Jungtieren zu Krankheitserscheinungen wie stumpfem Fell, Abmagerung, Kolik mit möglicher Perforation des Darms und Ileus durch starken Wurmbefall führen.

Diagnostik

Der koproskopische Nachweis lässt sich mittels Flotationsverfahren erbringen. Die intermittierende Eiausscheidung der Pferde kann dabei eine zuverlässige Diagnose erschweren [1].

Bandwürmer (Zestoden)

Bei Pferden kommen Anoplocephala spp. und Paranoplocephala mamillana vor, am häufigsten tritt ein Befall mit Anoplocephala perfoliata auf. Bandwürmer zeigen eine starke Saisonalität in ihrem Entwicklungszyklus, wodurch Infektionen vermehrt in der 2. Hälfte der Weidesaison auftreten. Der Entwicklungszyklus schließt Moosmilben als Zwischenwirte ein, was hinsichtlich der Bekämpfung von Bedeutung ist. Mit Bandwurmlarven infizierte Moosmilben werden peroral aufgenommen, die Larven entwickeln sich anschließend im Gastrointestinaltrakt zur adulten Form weiter. Dabei siedeln sich die Würmer von A. perfoliata vorwiegend im Kolon und Zäkum an, während die von Anoplocephala magna v. a. im Dünndarm vorkommen. Die Bandwürmer der Pferde haben eine Präpatenz von 6 Wochen bis 4 Monaten.

Klinische Symptome

Ein starker Befall mit A. perfoliata schädigt die Darmwand und schränkt die Darmmotilität ein, wodurch Koliken entstehen können. Infektionen mit A. magna führen i. d. R. lediglich zu einer katarrhalischen Entzündung und verlaufen häufig unbemerkt, allerdings kann ein starker Befall zu Durchfall führen. Zu Krankheitserscheinungen im Zusammenhang mit P. mamillana-Infektionen liegen keine Hinweise vor.

Diagnostik

Der Nachweis der Bandwurmeier findet mittels Kotuntersuchung statt, ist aber nur wenig sensitiv. Der indirekte Nachweis mittels Serum- oder Speicheltest (ELISA) ist alternativ möglich [1].

Pfriemenschwänze (Oxyuris equi)

Meistens treten bei einem Oxyuris-equi-Befall keine klinischen Darmsymptome auf, Entzündungen der Dickdarmschleimhaut und Konditionsverlust sind jedoch möglich. Adulte Würmer legen ihre Eier in einer klebrigen Flüssigkeit rund um den Anus des Pferdes ab. Analer Juckreiz führt zu Exkoriationen und haarlosen Stellen im Bereich der Schweifrübe. Mit einer Klebestreifenabklatschprobe rund um den Anus lassen sich die Eier unter dem Mikroskop nachweisen [1].

Zwergfadenwürmer (Strongyloides westeri)

Besonders anfällig für einen Befall mit Zwergfadenwürmern sind Saugfohlen im Alter bis zu 6 Monaten. Die Aufnahme der infektiösen L3 findet über die Haut, peroral aus der Umgebung sowie galaktogen statt. Stuten stellen daher eine wichtige Infektionsquelle dar. Parasitisch lebende, weibliche S. westeri pflanzen sich parthenogenetisch (eingeschlechtlich) fort. Die bereits im vom Weibchen ausgeschiedenen Ei enthaltene L1 schlüpft noch im Wirt und wird mit dem Kot ausgeschieden. In der Außenwelt kommt es über eine frei lebende Generation wiederum zur Entstehung infektiöser L3.

Klinische Symptome

Innerhalb des Wirtes ist hauptsächlich das Duodenum betroffen. In seltenen Fällen können patente Infektionen zu lokaler Enteritis, Diarrhoe und stumpfem Fell führen. An der Eintrittstelle in die Haut eindringender Larven können bei erneuter Infektion allergische Reaktionen entstehen. Die Intensität der Symptome korreliert nicht unbedingt mit der Stärke des Parasitenbefalls.

Diagnostik

Der Nachweis findet mittels koproskopischer Untersuchung (Kombination von Flotations- und Trichterauswanderverfahren) statt [1].

Verfügbare Anthelminthika

Für Therapie und Prophylaxe eines Endoparasitenbefalls beim Pferd stehen folgende zugelassene Wirkstoffklassen zur Verfügung:

  • Benzimidazole (BZ): Fenbendazol
  • makrozyklische Laktone (ML): Moxidectin, Ivermectin
  • Tetrahydropyrimidine: Pyrantel
  • Isochinolin-Derivate: Praziquantel

In [Tab. 1] sind die für ausgewählte Endoparasiten verfügbaren Anthelminthika aufgelistet. Diese sollten entsprechend des jeweiligen Entwurmungsschemas nachhaltig eingesetzt werden [1].

Parasitenspezies Lokalisation verfügbare Antiparasitika
Bandwürmer (Anoplocephala spp.) Dünndarm, Zäkum Praziquantel, Pyrantel (nur partiell wirksam in 2- bis 3-facher Dosierung)
kleine Strongyliden (Cyathostominae) Dickdarm Ivermectin, Moxidectin, Fenbendazol, Pyrantel, (Fenbendazol und Pyrantel zeigen vermehrt Resistenzen)
  Schleimhautstadien/enzystierte Stadien Moxidectin, Fenbendazol (beide lediglich Teilwirkung, Fenbendazol nur bei Behandlung an 5 aufeinanderfolgenden Tagen)
Pfriemenschwänze (Oxyuris equi) Dickdarm, Rektum Fenbendazol, Pyrantel, Ivermectin, Moxidectin (makrozyklische Laktone zeigen vereinzelt Resistenzen)
Spulwürmer (Parascaris equorum) Dünndarm Ivermectin, Moxidectin, Fenbendazol, Pyrantel (makrozyklische Laktone zeigen vermehrt Resistenzen)
  Lungenstadien Ivermectin
Zwergfadenwürmer (Strongyloides westeri) Dünndarm Ivermectin, Moxidectin, Fenbendazol (in erhöhter Dosierung)
große Strongyliden (Strongylus spp.) Dickdarm Ivermectin, Moxidectin, Fenbendazol, Pyrantel
  wandernde Stadien/somatische Stadien Ivermectin, Moxidectin (Fenbendazol nur partiell wirksam gegen S. vulgaris und S. edentatus)

Resistenzen

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat der durch die routinemäßige Anwendung von Anthelminthika verursachte Selektionsdruck auf Helminthenpopulationen zur Entstehung unempfindlicher Wurmpopulationen bei verschiedenen Parasitenspezies geführt. Dies gilt beim Pferd v. a. für die kleinen Strongyliden sowie die Spulwürmer. Eine Wurmpopulation gilt als resistent, wenn ein wesentlicher Anteil die Behandlung mit dem Anthelminthikum in der empfohlenen Dosierung überlebt. Nach bereits über 15 Jahre zurückliegenden Untersuchungen sind kleine Strongyliden in Deutschland v. a. gegenüber Benzimidazolen resistent, und zwar auf ca. 80% der untersuchten Pferdehaltungen. Bei 20 – 30% der Pferdehaltungen treten auch Resistenzen gegenüber Pyrantel auf. Im Gegensatz dazu wurden bei Askariden vornehmlich Resistenzen gegenüber makrozyklischen Laktonen ermittelt.

Allerdings sind kürzlich aus anderen europäischen Ländern auch mehrere Berichte zu Makrozyklischen-Laktone-Resistenzen bei kleinen Strongyliden sowie Benzimidazol-Resistenzen bei Parascaris spp. beschrieben worden. Aufgrund fehlender entsprechender Untersuchungen in Deutschland in jüngerer Vergangenheit ist aktuell unklar, ob diese Resistenzen inzwischen auch hier vorkommen.

Eizahlreduktionstest

Um herauszufinden, ob resistente Parasitenpopulationen auf dem Betrieb vorhanden sind, eignet sich in der Praxis die Bestimmung der Wurm-Eizahl pro Gramm Kot (EpG). Durch die 2-malige Durchführung dieser quantitativen Kotprobenuntersuchung – am Tag der Entwurmung und 14 Tage später – erfolgt der sogenannte Eizahlreduktionstest (EZRT). Dieser gibt Aufschluss über die Wirksamkeit des jeweils angewandten Wurmmittels und ist geeignet für die Anwendung bei Strongyliden- und Spulwurminfektionen.

Merke

Der Eizahlreduktionstest sollte optimalerweise für jede verwendete Wirkstoffgruppe 1-mal im Jahr durchgeführt werden.

Mit diesem Test lassen sich mögliche Resistenzen erkennen und das Entwurmungsmanagement entsprechend anpassen [1].

Strategische Entwurmung

Die strategische Entwurmung richtet sich nach dem Alter der Pferde und ist für die jeweilige Altersgruppe angepasst. Der European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) unterteilt die Pferde in:

  • Fohlen
  • Jungpferde mit einem Alter von 1 bis einschließlich 4 Jahren
  • erwachsene Pferde ab dem 5. Lebensjahr

Fohlen und Jungtiere sollten grundsätzlich 3- bis 4-mal pro Jahr entwurmt werden. Regelmäßige Kotprobenuntersuchungen – idealerweise 4-mal im Jahr – ermöglichen ein kontinuierliches Monitoring der Wurmpopulation im Bestand. Sammelkotproben von 5 Tieren der gleichen Altersgruppe reduzieren den Aufwand und die Kosten. Um Resistenzen vorzubeugen, empfiehlt ESCCAP einen jahreszeitlichen Wechsel der verschiedenen Wirkstoffgruppen entsprechend ihrer jeweiligen Wirkeigenschaften.

Merke

Im Zuge der strategischen Entwurmung werden stets sämtliche Tiere einer Altersgruppe behandelt, sodass auch solche entwurmt werden, die keine oder nur wenige Wurmeier ausscheiden.

Fohlen und Jährlinge benötigen eine regelmäßige Entwurmung, da sich ihre Immunreaktion erst im Laufe der Jahre so weit ausbildet, dass sie in der Lage sind, die Infektion mit kleinen Strongyliden und Spulwürmern erfolgreich zu kontrollieren.

Merke

Die strategische Entwurmung ist die einzige empfohlene Vorgehensweise bei Fohlen und Jungpferden.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass ein wesentlicher Teil der adulten Pferde in der Lage ist, die Ausscheidung von Strongylideneiern weitestgehend zu unterdrücken. Da bei der Anwendung der strategischen Entwurmung in dieser Alterskohorte jedoch sämtliche Tiere behandelt werden, werden diese dennoch entwurmt. Dies führt im Vergleich zur unten erläuterten, sogenannten „selektiven Entwurmung“ in dieser Altersgruppe zu einem intensiveren Wurmmitteleinsatz. Bei adulten Pferden kann die strategische Entwurmung allerdings ebenfalls als nachhaltiges Konzept angewandt werden, wenn ein Wirkstoffgruppenwechsel vorgenommen und somit dieselbe Wirkstoffgruppe nicht öfter als 2-mal pro Jahr verwendet wird. Eine zu Beginn und am Ende der Weideperiode durchgeführte Makrozyklische-Lakton-Behandlung führt zudem dazu, dass der Entwicklungszyklus der großen Strongyliden effektiv unterbrochen wird.

Die passende Dosierung für das jeweilige Gewicht des Pferdes spielt eine entscheidende Rolle bei der Helminthenbekämpfung: Eine Unterdosierung begünstigt die Resistenzentwicklung und führt nicht zum gewünschten Behandlungserfolg.

Das Entwurmungskonzept der strategischen Entwurmung bietet insgesamt eine nachhaltige und praktikable Lösung, um Weidepferde aller Altersgruppen gesund zu erhalten und Resistenzen entgegenzuwirken [3]. Entwurmungsschemata sollten immer unter Berücksichtigung des jeweiligen Betriebs und der Region spezifisch angepasst werden [1].

Strategische Entwurmung bei Fohlen und Jungpferden

Die erstmalige Entwurmung von Fohlen kommt grundsätzlich in einem Lebensalter von ca. 4 Wochen in Betracht und richtet sich gegen eine Infektion mit Zwergfadenwürmern (S. westeri). Da diese hierzulande offenbar nur sehr selten vorkommen, sollte das Vorhandensein im jeweiligen Bestand mittels Kotprobenuntersuchung abgeklärt werden. Wurden in einer Pferdehaltung Zwergfadenwürmer nachgewiesen und sind Fohlen akut infiziert, ist eine Behandlung mit Ivermectin oder Fenbendazol – Letzteres in einer erhöhten Dosierung von 50 mg/kg KGW – 1-malig möglich [1].

Die meisten Fohlen erhalten im Alter von 2 – 3 Monaten erstmalig und später im ¼-jährlichen Abstand eine Wurmbehandlung. Dabei richtet sich die 1. Behandlung vornehmlich gegen Spulwürmer . Die im weiteren Verlauf der Weidesaison erfolgenden Entwurmungen haben zusätzlich das Ziel, die Infektion mit Strongyliden so weit zu kontrollieren, dass keine Krankheitsfälle auftreten (Tab. 2).

Zeitpunkt der Behandlung Indikation zu behandelnde Tiere Monitoring Arzneimittelklasse
mit ca. 4 Wochen (April/Mai) Zwergfadenwürmer (Strongyloides westeri) alle Fohlen Kotprobenuntersuchung; nur, wenn Strongyloides-Befall im Bestand nachgewiesen ist Benzimidazole, makrozyklische Laktone
mit ca. 2 Monaten (Mai/Juni) Spulwürmer, kleine Strongyliden, Larven großer Strongyliden alle Fohlen Kotprobenuntersuchung im Alter von 3 Monaten Benzimidazole, makrozyklische Laktone (makrozyklische Laktone nur nach bestätigter Wirksamkeit, da vermehrt Resistenzen bei Spulwürmern), Pyrantel (keine Wirkung gegen Larvenstadien großer Strongyliden)
mit 5 Monaten (z. B. August/September) kleine Strongyliden, Spulwürmer, ggf. Bandwürmer alle Fohlen Kotprobenuntersuchung Benzimidazole, Pyrantel (Benzimidazole und Pyrantel vermehrt Resistenzen, daher nur nach bestätigter Wirksamkeit), Praziquantel nur, wenn Bandwürmer nachgewiesen sind
mit 8 Monaten (November/Dezember) kleine Strongyliden, Spulwürmer, Bandwürmer, große Strongyliden (Larvenstadien) alle Fohlen Kotprobenuntersuchung makrozyklische Laktone (vermehrt Resistenzen bei Parascaris spp., daher nur nach bestätigter Wirksamkeit), Praziquantel nur, wenn Bandwürmer nachgewiesen sind

Abhängig davon, wie stark der Wurmbefall bei Fohlen ist, sollten diese 1 – 2 Wochen vor einer Impfung entwurmt werden, um einen uneingeschränkten Impferfolg zu erzielen [4]. Diagnostische Untersuchungen sind bei allen Tieren vor der Behandlung sinnvoll, mind. jedoch 1-mal pro Jahr, am besten vor der Aufstallung. Dies gewährleistet ein fortlaufendes Monitoring über die im Bestand auftretenden Endoparasiten und ermöglicht einen gezielten Einsatz der Anthelminthika.

Als Jungtiere gelten Pferde mit einem Alter bis einschließlich 4 Jahre. Zusätzlich zu dem in [Tab. 3] empfohlenen Entwurmungsregime gilt auch hier der Rat zu Kotprobenuntersuchungen vor oder parallel zu den Entwurmungen. Bei Jungpferden erfolgt die Entwurmung i. d. R. 4-mal, jedoch mind. 3-mal pro Jahr, vorzugsweise im Frühsommer, (Spät-)Sommer und zur Aufstallung.

Zeitpunkt der Behandlung Indikation zu behandelnde Tiere Monitoring Arzneimittelklasse
im Alter von 11 – 12 Monaten (Februar/März) kleine Strongyliden, Spulwürmer alle Jährlinge/junge Pferde (wenn Monitoring Befall zeigt) Kotprobenuntersuchung Benzimidazole, Pyrantel (vermehrt Resistenzen, daher nur nach bestätigter Wirksamkeit)
1 – 2 Monate nach Weideaustrieb (Juni/Juli) kleine Strongyliden, Spulwürmer, ggf. große Strongyliden alle Jährlinge/junge Pferde Kotprobenuntersuchung makrozyklische Laktone (vermehrt Resistenzen bei Parascaris spp., daher nur nach bestätigter Wirksamkeit)
4 – 5 Monate nach Weideaustrieb (August/September) kleine Strongyliden, Spulwürmer, ggf. Bandwürmer alle Jährlinge/junge Pferde Kotprobenuntersuchung Benzimidazole, Pyrantel (vermehrt Resistenzen, daher nur nach bestätigter Wirksamkeit)
bei Aufstallung (November/Dezember) kleine Strongyliden, Spulwürmer, Bandwürmer, große Strongyliden alle Jährlinge/junge Pferde Kotprobenuntersuchung makrozyklische Laktone (vermehrt Resistenzen bei Parascaris spp., daher nur nach bestätigter Wirksamkeit), Praziquantel nur, wenn Bandwürmer nachgewiesen sind

Strategische Entwurmung adulter Pferde

Für adulte Pferde ab einem Alter von 5 Jahren empfiehlt ESCCAP mind. 2-mal im Jahr eine Entwurmung (im Frühsommer und nach der Aufstallung, [Tab. 4]). Ergänzend zur Behandlung sind auch hier Kotprobenuntersuchungen als Monitoring-Maßnahme ratsam.

Zeitpunkt der Behandlung Indikation zu behandelnde Tiere Monitoring Arzneimittelklasse
Februar/März kleine Strongyliden alle Pferde, wenn Monitoring Befall zeigt Kotprobenuntersuchung Benzimidazole, Pyrantel (Benzimidazole und Pyrantel vermehrt Resistenzen, daher nur nach bestätigter Wirksamkeit)
1 – 2 Monate nach Weideaustrieb (Juni/Juli) kleine Strongyliden, ggf. große Strongyliden alle Pferde Kotprobenuntersuchung makrozyklische Laktone
4 – 5 Monate nach Weideaustrieb (August/September) kleine Strongyliden, ggf. Bandwürmer alle Pferde, wenn Monitoring Befall zeigt Kotprobenuntersuchung Benzimidazole, Pyrantel (vermehrt Resistenzen, daher nur nach bestätigter Wirksamkeit), Praziquantel nur, wenn Bandwürmer nachgewiesen sind
bei Aufstallung (November/Dezember) kleine Strongyliden, Bandwürmer, große Strongyliden alle Pferde Kotprobenuntersuchung, wenn positiv: nach Möglichkeit EZRT durchführen makrozyklische Laktone, Praziquantel nur, wenn Bandwürmer nachgewiesen sind

Tragende Stuten können grundsätzlich die gleichen Wirkstoffe erhalten wie andere adulte Pferde; es ist jedoch ratsam, bei jedem einzelnen Präparat nachzusehen, ob es für tragende Stuten zugelassen ist [4]. Ist im Betrieb ein Befall mit S. westeri bekannt, kann es sinnvoll sein, tragende Stuten 1 – 2 Tage vor oder nach der Geburt zu entwurmen, um einer galaktogenen Übertragung auf das Fohlen vorzubeugen [1].

Selektive Entwurmung

Die selektive Entwurmung bezieht sich in erster Linie auf die Bekämpfung kleiner Strongyliden (Cyathostominae) und stellt eine Entwurmungsstrategie für erwachsene Pferde dar. Alle Pferde mit Weidegang sind stets Infektionen mit kleinen Strongyliden ausgesetzt und adulte Tiere entwickeln dadurch mit der Zeit eine Immunität, wodurch sie teilweise die Eiproduktion kleiner Strongyliden unterdrücken und später nur wenige Eier ausscheiden. Die Ausscheidung der Strongylideneier wird mittels Kotprobenuntersuchung ermittelt und nur Tiere, die einen bestimmten Grenzwert überschreiten, erhalten ein Anthelminthikum [3].

Im 1. Jahr der Bekämpfungsmaßnahme finden im Zeitraum von April/Mai bis Oktober/November 4 Kotprobenuntersuchungen statt. Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, sollte der Kot (v. a. im Sommer) möglichst frisch (max. 1 Tag) und nicht gefroren sein. Ausreichend sind 2 – 3 Pferdeäpfel pro Tier, um den Kot quantitativ auf die Anzahl der Eier pro Gramm (EpG) zu untersuchen [4]. Liegt die Anzahl an Strongylideneiern über einem Grenzwert (z. B. 200 EpG) oder liegt ein Befall mit anderen Endoparasiten vor, so wird gezielt das betroffene Pferd entwurmt. Ist das Infektionsrisiko im untersuchten Bestand stabil (z. B. bei 80% Strongylidenei-negativen Kotproben), ist es möglich, die Zahl der Kotprobenuntersuchungen in den Folgejahren auf 3-mal jährlich zu senken. Zu beachten ist jedoch, dass die Zahl der ausgeschiedenen Parasiteneier nicht zwangsläufig die Stärke des Helminthenbefalls im Darm widerspiegelt. Eine 1-malige Entwurmung, möglichst zum Jahresende hin, ist in jedem Fall ratsam [1], [6].

Merke

Für die erfolgreiche Anwendung der selektiven Entwurmung ist die Einbeziehung sämtlicher erwachsener Pferde des Bestands erforderlich.

Zudem ist auszuschließen, dass auf dem Betrieb große Strongyliden vorkommen. Hierzu sollte 1-mal jährlich eine entsprechende Untersuchung (Larvenkultur oder PCR) durchgeführt werden.

Hygienemanagement

Zusätzlich zur Anwendung von Anthelminthika ist ein gewissenhaftes Hygienemanagement zur Endoparasitenbekämpfung unverzichtbar [7]. Zu grundlegenden Hygienemaßnahmen, um die Infektionsgefahr zu reduzieren, gehören:

  • Abäppeln der Weide (mind. 1- bis 2-mal pro Woche)
  • wenn möglich eine Co-Beweidung mit Rindern (dies senkt die Verwurmungsintensität bei Pferden [4])
  • regelmäßiges Ausmisten von Ställen
  • mechanische Reinigung der Tiefstreusysteme mind. 1-mal im Jahr (Dampfreinigung, effektive Desinfektion)
  • Verzicht auf Pferdemist als Dünger für (Pferde-)Weiden
  • Trockenhalten der Pferdeställe
  • Entwurmung der neuen Pferde im Betrieb und Kontrolle des Behandlungserfolgs mittels Kotuntersuchung (bis dahin Pferde in Quarantäne halten)
  • Weidegang der Pferde erst 2 Tage nach einer Behandlung, da sie vorher noch infektiöse Eier ausscheiden können [2]
  • Pflügen von Paddocks oder andere landwirtschaftliche Maßnahmen (diese reduzieren die Anzahl der Moosmilben, die als Zwischenwirt für Bandwürmer fungieren, was auch zu einer Reduktion der Weidekontamination mit Larven der Darmnematoden beitragen kann [1])

Fazit

Um endoparasitäre Erkrankungen bei Pferden zu bekämpfen und gleichzeitig der Ausbreitung resistenter Helminthen vorzubeugen, ist ein durchdachtes Endoparasitenmanagement wichtig. Es gilt, so selten wie möglich und so häufig wie nötig zu behandeln, um die Entwicklung von Resistenzen möglichst zu vermeiden und die Tiergesundheit in jedem Fall zu gewährleisten. In diesem Spannungsfeld tragen regelmäßige parasitologische Untersuchungen von Pferden aller Altersgruppen wesentlich zum Monitoring bei und geben Aufschluss über die auf dem Betrieb auftretenden Parasiten sowie deren Resistenzen. Dies ermöglicht einen gezielten und verantwortungsvollen Einsatz von Anthelminthika. ESCCAP veranschaulicht in der ESCCAP-Empfehlung Nr. 8 „Empfehlungen zur Behandlung und Kontrolle gastrointestinaler Parasiten bei Pferden und anderen Equiden“ [1] Entwurmungsschemata, angepasst für die entsprechenden Altersgruppen der Pferde. Grundlegende und auf spezielle Helminthen fokussierte Hygienemaßnahmen senken den Erregerdruck und verringern das Risiko einer Infektion.

Der Originalbeitrag zum Nachlesen:
von Samson-Himmelstjerna G, Watta M. Wurmbekämpfung bei Pferden – Was gilt es zu beachten?. Pferdespiegel 2025; 28(02): 68 - 75. doi:10.1055/a-2527-6478

  1. ESCCAP Deutschland. Empfehlungen zur Behandlung und Kontrolle gastrointestinaler Parasiten bei Pferden und anderen Equiden. Deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr. 8 (August 2019). www.esccap.de/v2/wp-content/uploads/2020/09/2-2022-Pferde-Empfehlung-8-1.pdf (Zugriff: ) Stand: 25.04.2025
  2. Hinney B, Unterköfler MS. Behandlung gastrointestinaler Parasiten beim Pferd. Pferdespiegel 2022; 25: 138-146PubMed öffnen
  3. ESCCAP Deutschland. Selektive oder strategische Entwurmung? Keine Frage der Nachhaltigkeit, sondern der Anwendbarkeit (April 2022). www.esccap.de/parasiten/wuermer/selektive-oder-strategische-entwurmung-pferd/ (Zugriff: ) Stand: 25.04.2025
  4. ESCCAP Deutschland. Equitana-Experteninterview mit Prof. Dr. Georg von Samson-Himmelstjerna. www.esccap.de/zeitgemaesse-entwurmung-pferde-experteninterview/ (Zugriff: ) Stand: 25.04.2025
  5. ESCCAP Deutschland. Wie oft sollte man Pferde entwurmen oder auf Wurmbefall untersuchen? (April 2022). www.esccap.de/parasiten/wuermer/wie-oft-sollte-man-pferde-entwurmen-oder-auf-wurmbefall-untersuchen/ (Zugriff: ) Stand 25.04.2025
  6. ESCCAP Deutschland. Selektive und strategische Entwurmung beim Pferd (Juni 2024). www.esccap.de/esccap-informiert-selektive-und-strategische-entwurmung-beim-pferd/ (Zugriff: ) Stand: 25.04.2025
  7. ESCCAP Deutschland. Wurmbefall beim Pferd: wichtige Hygienemaßnahmen (Mai 2022). www.esccap.de/parasiten/wuermer/wurmbefall-beim-pferd-wichtige-hygienemassnahmen/ (Zugriff: ) Stand: 25.04.2025

Prof. Dr. Georg von Samson-Himmelstjerna ist 1. Vorsitzender von ESCCAP Deutschland e. V. und Direktor des Instituts für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin an der Freien Universität Berlin.

Mirjam Watta ist Doktorandin am Institut für Pharmakologie und Toxikologie an der Freien Universität Berlin.

Der Originalbeitrag „Wurmbekämpfung bei Pferden – Was gilt es zu beachten?“ erschien im Pferdespiegel.