
Wie viel Geld Hunde- und Katzenhalter*innen im Krankheitsfall für ihr Tier auszugeben bereit sind, hängt weniger vom Einkommen als von der emotionalen Bindung ab. Das zeigt eine aktuelle europäische Studie unter Leitung des Messerli Forschungsinstituts der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die kürzlich im Fachjournal VetRecord veröffentlicht wurde. Befragt wurden Hunde- und Katzenhalter*innen in Österreich, Dänemark und dem Vereinigten Königreich.
Steigende Kosten setzen Haustierhalter*innen unter Druck
Die zunehmenden Ausgaben für tierärztliche Behandlungen treffen Tierhalter*innen in Zeiten allgemein steigender Lebenshaltungskosten besonders stark. Viele müssen abwägen, wie viel finanzielle Mittel sie für die Versorgung ihrer Tiere aufbringen können. Bereits frühere Erhebungen hatten gezeigt, dass wirtschaftliche Belastungen Einfluss auf Entscheidungen rund um die Tiergesundheit haben können.
Haustierkrankenversicherung als mögliche Entlastung
Vor diesem Hintergrund untersuchte das Forschungsteam, welche Rolle Tierkrankenversicherungen spielen. Mithilfe eines Online-Fragebogens analysierten die Wissenschafter*innen die Motive für oder gegen den Abschluss einer Versicherung sowie die Bereitschaft, für lebensrettende Behandlungen Geld auszugeben.
Studienerstautorin Svenja Springer erklärt: „Wir untersuchten deshalb mittels eines Online-Fragebogens die Gründe für den Abschluss einer Versicherung bei mehr als 2.000 Hunde- und Katzenbesitzer*innen in verschiedenen Einkommensgruppen in Österreich, Dänemark und dem Vereinigten Königreich“.
Große Unterschiede zwischen den Ländern
Insgesamt hatten 41,7 Prozent der befragten Tierhalter*innen eine Krankenversicherung für ihr Tier abgeschlossen. Besonders niedrig war die Versicherungsquote in Österreich, wo fast 79 Prozent der Tiere nicht versichert waren. Im Vereinigten Königreich zeigte sich hingegen ein deutlicher Zusammenhang zwischen Einkommen und Versicherungsstatus: In höheren Einkommensgruppen waren Tiere deutlich häufiger versichert als in niedrigeren.
Emotionale Bindung als zentraler Faktor
Entscheidend für die Ausgabenbereitschaft ist jedoch nicht die finanzielle Situation oder der Versicherungsstatus, sondern die Beziehung zum Tier. Wie Springer betont: „Die emotionale Bindung beeinflusst die Bereitschaft der Besitzer*innen, mehr für lebensrettende Behandlungen auszugeben, unabhängig vom Versicherungsstatus.“
Gleichzeitig zeigte die Befragung, dass sich ein kleiner Teil der Halter*innen im Ernstfall gegen eine kostenintensive Behandlung entscheiden würde.
Fazit der Studie
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Tierliebe der wichtigste Treiber für Investitionen in die Gesundheit von Hund und Katze ist. Weder Einkommen noch Alter des Tieres spielten eine vergleichbar große Rolle. Die Studie liefert damit wichtige Erkenntnisse für die Diskussion um Tierkrankenversicherungen und den Zugang zu tierärztlicher Versorgung in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.
Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien
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