WildfütterungWildvögel – Ernährungstypen am Vogelhaus

Wer gern Vögel beobachtet, sollte darauf achten, welche Arten er gerade füttert und den Speiseplan gegebenenfalls anpassen. Ein Überblick über die verschiedenen Ernährungstypen.

Buntspecht neben einem Futterball
Quelle: Kirsten Oborny/Thieme
In Deutschland leben mehr als 300 Vogelarten – entsprechend vielfältig sind ihre Nahrungsansprüche. (Symbolbild)

Der Lebensraum für Wildvögel wird zunehmend knapper. Viele Arten sind deshalb heute auf zusätzliche Futterangebote durch Menschen angewiesen – nicht nur im Winter. Wer Vögel im Garten, auf dem Balkon oder im Park beobachtet, sollte wissen, welche Arten er anlockt und welches Futter geeignet ist. Denn Vögel unterscheiden sich deutlich in ihren Ernährungsweisen. Ein Überblick über die wichtigsten Ernährungstypen hilft bei der richtigen Auswahl.

Schnabelform und Nahrung hängen zusammen

Vogel ist nicht gleich Vogel: Rotkehlchen (Erithacus rubecula) nehmen beispielsweise gerne insektenhaltiges Futter an, fressen im Winter aber auch Beeren oder Fettfutter. Meisen und Sperlinge kommen gut mit klassischen Vogelknödeln zurecht, während andere Arten fast ausschließlich Insekten oder sogar Beutetiere fressen.
In Deutschland leben mehr als 300 Vogelarten – entsprechend vielfältig sind ihre Nahrungsansprüche. Das zeigt sich besonders bei den Arten, die regelmäßig in Gärten und Parks vorkommen. „Gerade bei einer ganzjährigen Fütterung ist es wichtig, die richtigen Futtermittel für Allesfresser, aber auch für Spezialisten anzubieten“, sagt Jonas Liebhauser vom Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz (BNA) e. V. aus Hambrücken. Welche Nahrung bevorzugt wird, hängt eng mit der Schnabelform zusammen. Vögel nehmen ihr Futter mit dem Schnabel auf und zerkleinern es – wenn nötig – bereits dort.

Körnerfresser mit Kegelschnabel

Typisch für viele körnerfressende Vogelarten wie Finken ist der sogenannte Kegelschnabel. Mit ihm lassen sich Samenkörner effektiv knacken. Besonders kräftig ausgeprägt ist er etwa beim Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) oder beim Dompfaff (Pyrrhula pyrrhula), während er beim Stieglitz (Carduelis carduelis) deutlich zierlicher erscheint. Die Körner werden mit Schnabel und Zunge von ihrer harten, unverdaulichen Schale befreit und anschließend im Ganzen geschluckt. Erst im Muskelmagen werden sie zerkleinert. Körnerfresser – fachlich als Granivoren bezeichnet – ernähren sich je nach Jahreszeit von unreifen oder reifen Samen verschiedener Pflanzen. Zu ihnen zählen unter anderem der Haussperling (Passer domesticus) und der Buchfink (Fringilla coelebs).
Vor allem im Winter, wenn Schnee den Zugang zu natürlichen Nahrungsquellen erschwert, sind Futterstellen für diese Arten eine wichtige Unterstützung. Zur Brutzeit ergänzen viele Granivoren ihren Speiseplan zudem um Insekten, um den erhöhten Proteinbedarf der Jungvögel zu decken.

Insektenfresser mit Pinzettenschnabel

Insektenfressende Vögel besitzen meist einen schmalen, spitzen Schnabel, der an eine Pinzette erinnert. Mit ihm können sie Insekten und andere wirbellose Tiere gezielt aufnehmen. Zu diesem Ernährungstyp gehören unter anderem der Zilpzalp (Phylloscopus collybita) und die Bachstelze (Motacilla alba).
Die Nahrung der sogenannten Insectivoren besteht aus Insekten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien sowie aus weiteren wirbellosen Tieren. Bekannte Vertreter sind auch die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) und die Kohlmeise (Parus major). Während Mehlschwalben im Winter in südlichere Regionen ziehen, können Kohlmeisen bei Nahrungsmangel auf Ersatzfutter wie Meisenknödel ausweichen.

Fleischfresser mit Hakenschnabel

Greifvögel verfügen über einen kräftigen Hakenschnabel, mit dem sie ihre Beutetiere töten und zerteilen können. Als Karnivoren übernehmen sie eine wichtige Funktion im Ökosystem, da sie vor allem geschwächte oder kranke Tiere erbeuten und so zur Stabilität der Populationen beitragen. Während Arten wie der Mäusebussard (Buteo buteo) oder der Rotmilan (Milvus gilvus) auch Aas aufnehmen, ist der Sperber (Accipiter nisus) auf die Jagd von Kleinvögeln spezialisiert.

Allesfresser mit flexiblem Speiseplan

Omnivore Vogelarten gelten als Generalisten, da sie sehr unterschiedliche Nahrungsquellen nutzen können. Ein bekanntes Beispiel ist die Amsel (Turdus merula). In den warmen Monaten ernährt sie sich überwiegend von Insekten und Würmern, im Winter hingegen auch von Sämereien und Früchten. Diese Anpassungsfähigkeit ermöglicht es ihr, auf jahreszeitliche Veränderungen im Nahrungsangebot zu reagieren.

Spezialisierte Ernährungsformen

Neben den häufigen Ernährungstypen gibt es auch Vögel mit besonders spezialisierten Nahrungsstrategien. Der Wespenbussard (Pernis apivorus) etwa ernährt sich vor allem während der Brutzeit von Wespenbrut. Dazu gräbt er Nester von Wespen und Hummeln aus – eine für europäische Greifvögel ungewöhnliche Ernährungsweise. Auch die Bartmeise (Panurus biarmicus) nimmt eine Sonderrolle ein. Sie lebt in Schilfgebieten und frisst im Sommer überwiegend Insekten. In den Wintermonaten stellt sie ihre Nahrung um und ernährt sich hauptsächlich von den Samen des Schilfs.

Quelle: Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e.V.

kcl