
Der Deutsche Tierschutzbund hat die öffentlichen Statistiken der letzten Jahre des deutschen Galopprennsports und die Rennberichte für das Jahr 2025 ausgewertet und nach eigenen Angaben erneut erhebliche Tierschutzprobleme festgestellt. Besonders besorgniserregend seien die unklaren Verbleibe ausgedienter Rennpferde und die steigende Zahl tierschutzrelevanter Zwischenfälle, wie unsachgemäßem Peitscheneinsatz und Lahmheiten. Der Deutsche Tierschutzbund fordert mehr Transparenz und setzt sich für ein Ende des Galopprennsports ein.
Anstieg tierschutzrelevanter Zwischenfälle
„Die eingesetzten Pferde bei Galopprennen sind sehr jung, teilweise gerade mal 2 Jahre alt. Jockeys treiben die Tiere mithilfe der Peitsche zu Höchstleistungen an“, kritisiert Andrea Mihali, Referentin für Pferde beim Deutschen Tierschutzbund. Die Zahl tierschutzrelevanter Zwischenfälle wie Peitscheneinsatz, Lahmheiten und Nasenbluten sei 2025 im Vergleich zum Vorjahr prozentual betrachtet angestiegen, dabei fanden letztes Jahr 31 Rennen weniger statt, berichtet der Deutsche Tierschutzbund. Jockeys setzten die Peitsche 68-mal gegen die Regeln ein. Diese strukturellen Probleme würden sich auch im Umgang mit Daten und Transparenz zeigen: „Jedes Jahr verschwinden Hunderte Pferde aus den Statistiken. Offizielle Angaben zu Todesfällen fehlen. Der Verband für Rennsport muss offenlegen, wo die Pferde bleiben und welche Risiken sie tragen“, so Mihali.
Unklare Zukunft ehemaliger Rennpferde
Die überwiegende Mehrheit der Rennpferde ist 3 oder 4 Jahre alt; ab diesem Alter gehen die Bestandszahlen deutlich zurück. So gab es im Jahr 2024 fast doppelt so viele vierjährige Rennpferde wie fünfjährige im Jahr 2025. Damit stelle sich zwingend die Frage, wohin jedes Jahr hunderte dieser Pferde gelangen – zumal längst nicht alle in die Zucht oder in private Hände übergehen können, so der Deutsche Tierschutzbund. Gleichzeitig fehlen offizielle Zahlen zu Todesfällen im Training oder während der Rennen. Der Deutsche Tierschutzbund sieht darin ein erhebliches Transparenzdefizit, da „Deutscher Galopp“ kein öffentlich nachvollziehbares Register oder ähnliches über den Verbleib ausgeschiedener Rennpferde führt. Zwar verweist der Verband darauf, dass viele Tiere später in der Zucht oder als Reitpferde eingesetzt würden. Die Geschlechterverteilung von etwa 50:50 spreche jedoch dagegen, dass ein großer Teil tatsächlich in die Zucht geht, da viele Hengste auch kastriert und damit zuchtuntauglich seien, berichtet der Tierschutzbund. Ohne belastbare Daten bliebe daher unklar, was mit zahlreichen ehemaligen Rennpferden geschieht.
Sanktionen ohne nachhaltige Wirkung
Gleichzeitig sei ein Anstieg tierschutzrelevanter Zwischenfälle während der Rennen zu verzeichnen. Mehrere Jockeys seien erneut wegen Regelverstößen auffällig geworden – teils dieselben wie in den Vorjahren. Nach Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes zeigen die bestehenden Sanktionen gegen unsachgemäßen oder exzessiven Peitscheneinsatz bislang keine nachhaltige Wirkung.
Auch die Haltungsbedingungen werden kritisch bewertet: Einjährige Nachwuchspferde würden häufig den Großteil des Tages in Einzelboxen verbringen, statt in Gruppen auf der Weide. Die „Leitlinien für den Tierschutz im Pferdesport“ schreiben eine Gruppenhaltung bis zu einem Alter von 30 Monaten vor.
Quellen (nach Angabe von):
Deutscher Tierschutzbund nimmt Galopprennsport unter die Lupe (tierschutzbund.de)
Deutscher Galopp (deutscher-galopp.de)
(IR)


