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Die Haltung von Hamstern ist aufwendig und erfordert umfassendes Wissen, zum Beispiel über ihr großes Bewegungs- und Grabebedürfnis. Halter*innen sollten sich zudem über eine art- und bedarfsgerechte Ernährung zur Vermeidung von Krankheiten wie Adipositas informieren.
Um aktuellen und zukünftigen Hamsterhalter*innen die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur artgerechten Haltung von Hamstern mitzuteilen, hat die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz Merkblätter verfasst. Diese sollen zur Orientierung für eine Anpassung bestehender Haltungen und bei Neuanschaffung zur Überlegung dienen, inwieweit die Bedürfnisse der kleinen Säugetiere erfüllt werden können. Im Folgenden sind die wichtigsten Punkte für Zwerg- und Goldhamster zusammengefasst.
Allgemeines zur Hamsterhaltung
Hamster leben in der Natur in der Regel als Einzelgänger und sollten demnach auch allein gehalten werden. Nur in der Paarungszeit dulden sie Artgenossen in ihrem Territorium.
Geschlechtsbestimmung
Die Geschlechtsbestimmung erfolgt über den Anogenitalabstand (Abstand zwischen Anus und Geschlechtsöffnung), der bei Männchen deutlich größer ist. Zudem sind bei geschlechtsreifen Männchen die Hoden gut sichtbar.
Bei der Haltung bevorzugen die kleinen Säugetiere Temperaturen zwischen 18 und 24 °C. Bei höheren Temperaturen besteht die Gefahr eines Hitzschlages, bei niedrigeren Temperaturen können sie in einen sogenannten Torpor verfallen, bei dem sie kaum mehr auf äußere Reize reagieren. Aus diesem Grund sollte man Hamster auf keinen Fall im Winter in ungeheizten Räumen halten.
Ernährung
Hamster zählen zu den Gemischtköstlern. Das bedeutet, dass sie sich sowohl von Sämereien, Körnern und Frischfutter als auch von tierischem Protein ernähren. Eine artgerechte Fütterung setzt sich dabei aus unterschiedlichen Komponenten zusammen:
1. Spezielle Körnermischungen
Diese sollten überwiegend fettarme Saaten und Körner enthalten. Sehr fetthaltige Saaten wie Sonnenblumenkörner gehören also nicht in solche Mischungen und sollten nur als Leckerli verfüttert werden. Das optimale Verhältnis beträgt dabei circa 70:30 mehlhaltige zu ölhaltige Saaten mit 10-14% Rohprotein (trächtige und säugende Tiere benötigen allerdings einen höheren Eiweißgehalt).
Fütterung im Überschuss
Da Hamstern ein natürliches Verhalten ist, sollte immer etwas mehr Mischfutter angeboten werden als der nächtliche Verbrauch erfordert, um Stress zu vermeiden.
2. Frischfutter
Die Körnermischung wird dann durch kleine Mengen Frischfutter wie Kräuter, Gemüsegrün oder zucker- und bläharme Gemüsesorten ergänzt. Hier kann es auch hilfreich sein, Futterpflanzen wie Vogelmiere direkt ins Hamstergehege einzupflanzen, sodass die Tiere auch die Wurzeln der Pflanze fressen können.
3. Tierisches Eiweiß
Fehlt tierisches Eiweiß in der Futtermischung, kann es einmal pro Woche durch ein kleines Insekt (z.B. eine kleine Heuschrecke) oder geringe Mengen Magerquark, Naturjoghurt, salzarmen Hüttenkäse oder etwas hartgekochtes Eiweiß ergänzt werden.
Achtung
Eine vegane Ernährung von Hamstern ist nicht artgerecht und kann zu gesundheitlichen Problemen führen.
4. Nage- & Beschäftigungsmaterial
Da Hamsterzähne ständig nachwachsen, sind Nagematerialien wie Zweige von Laubbäumen und Holzstücke wichtig für deren Abnutzung. Gleichzeitig dient das Nagen auch der Beschäftigung. Aber auch Heu und kleine Hirse- oder Grasähren können Hamster beschäftigen und decken zusätzlich noch der Deckung des Rohfaserbedarfs.
5. Trinkwasser
Frisches Trinkwasser muss immer bereitstehen, am besten in einem erhöhten Napf. Trinkflaschen können zusätzlich genutzt, müssen aber täglich gründlich gereinigt werden.
6. Bitte nicht füttern
Kalziumreiche Futtermittel sowie Mineral- oder Salzlecksteine sind für eine artgerechte Ernährung von Hamstern nicht notwendig. Auch Leckerlis wie Joghurtdrops, welche oft Zucker oder Honig enthalten, sollten vermieden werden. Gesunde Alternativen sind kleine Mengen Nüsse, Sonnenblumen- oder Kürbiskerne.
Unterbringung und Einrichtung
Bei der Auswahl und der Einrichtung des Hamstergeheges sollte man einige Aspekte beachten, damit sich das Tier wohlfühlt. So sollten die Mindestmaße von 100 cm x 50 cm x 50 cm (L x B x H) nicht unterschritten werden. Dabei eignen sich neben selbst gebauten Gehegen auch sogenannte Nagarien oder umgebaute und gut belüftete Aquarien bzw. Terrarien. Die im Handel erhältlichen Gitterkäfige sind eher weniger als Hamsterdomizil geeignet, da sie nicht verletzungssicher sind und das Einbringen tiefer Einstreu nicht möglich ist.
Standortwahl
Aufgrund der dämmerungs- und nachtaktiven Lebensweise sollte eine möglichst ruhige Umgebung ausgewählt werden.
Damit das Lauf- und Explorationsbedürfnis der Hamster befriedigt werden kann, sollte die Gehegefläche durch zusätzliche Ebenen und Laufwege erweitert werden.
Einstreu
Wie bereits erwähnt bevorzugen Hamster eine tiefe Einstreu. Hierbei sollte man dem Tier mindestens eine 20-25cm tiefe grabfähige Bodenschicht zur Verfügung stellen, gerne aber auch mehr (Hamster nutzen bevorzugt eine Einstreutiefe von 40cm). Die Einstreu sollte dabei folgende Eigenschaften erfüllen:
- Staubarm
- Weich
- Saug- und grabfähig
Hierfür eignen sich vor allem Mischungen aus Kleintier- und Papiereinstreu. Spitze und scharfkantige Einstreu wie Holzschnitzel oder Strohpellets sind ungeeignet.
Tipp
Die Einstreu sollte zu einem Drittel mit Heu gemischt werden damit angelegte Gänge stabil sind.
Versteckmöglichkeiten
Hamster benötigen in ihrem Gehege mindestens 3 Häuser: Ein Futter-, ein Schlaf- und ein Toilettenhaus. Dabei sollte das Schlafhaus idealerweise in der Einstreu eingegraben sein damit es darin dunkel ist. Generell hat sich für Hamster eine Kombination aus mehrkammerigen Schlafhäusern und Röhren aus Naturmaterialien bewährt. Ergänzt werden können diese mit Wurzeln oder Ästen als Versteckmöglichkeiten. Gleichzeitig können diese als strukturgebende Elemente für unterirdische Tunnel und Kammern dienen.
Wie breit sollten die Ein- und Durchgänge sein?
Ein- und Durchgänge von Häusern, Verstecken und Röhren sollten mindestens so breit sein, damit der Hamster auch mit gefüllten Backentaschen bequem hindurchpasst, ohne sich zu verletzen.
Weitere Einrichtungsgegenstände
Um ihr Komfortverhalten ausleben zu können benötigen Hamster zusätzlich folgende Gegenstände in ihrem Gehege:
- ein Laufrad
- ein Sandbad
Bei der Auswahl eines passenden Laufrades sollte vor allem auf eine ausreichende Größe geachtet werden, so dass der Hamster mit geradem Rücken darin laufen kann. Zudem sollte das Rad über eine geschlossene Lauffläche und Rückwand verfügen, sodass sich der Hamster nicht verletzen kann.
Ein Sandbad ist für Hamster neben dem Ausleben ihres Komfortverhaltens auch für die Fellpflege wichtig. Die Schale sollte dabei groß genug sein, dass der Hamster sich gut hin und her wälzen kann (Seitenlänge mind. 20cm). Für das Bad eignet sich vor allem spezieller rundkörniger und sehr feiner Sand (z.B. Chinchillasand).
Besonderheiten der Zwerghamster-Haltung
Zwerghamster stammen ursprünglich aus Steppengebieten in Zentral- und Ostasien, wo sie in unterirdische Bauten mit teils meterlangen Gängen und verschiedenen Kammern als Einzelgänger leben. Daher sollte sie auch als Heimtier dringend allein gehalten werden. Die kleinen Hamster sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv.
Ihre Lebenserwartung beträgt rund 1,5 bis 3 Jahre, wobei die Tiere bereits mit ca. 5 bis 6 Wochen geschlechtsreif sind. Nach einer Tragezeit von 18 bis 22 Tagen können bis zu 10 Jungtiere geboren werden, die etwa 4 Wochen beim Muttertier bleiben.
Als Heimtier werden vor allem 3 Zwerghamsterarten gehalten:
- Dsungarische Zwerghamster (Phodopus sungorus)
- Campbell Zwerghamster (Phodopus sungorus campbelli) und deren Hybriden
- Roborowski Zwerghamster (Phodopus roborovski)
Artspezifische Besonderheiten
Dsungarische Zwerghamster durchlaufen einen jahreszeitabhängigen Fellwechsel. Während ihr Sommerfell weniger dicht und dunkler ist, ist ihr Winterfell deutlich heller gefärbt und dichter. Zudem können sie sich auch in absoluter Dunkelheit sicher bewegen, indem sie Duftspuren ihrer Ventraldrüse und Harntropfen folgen.
Roborowski Zwerghamster sind die kleinsten Zwerghamstervertreter. Sie haben behaarte Sohlen und große Ohren, was ihrem besonders gut ausgeprägten Hörsinn dient.
Ernährung
Wie bereits erwähnt sind sowohl Zwerg- als auch Goldhamster Gemischtköstler. Da Zwerghamster allerdings aus Gebieten kommen, in denen über Monate hinweg Nahrungsknappheit herrscht, können sie Kohlenhydrate viel schlechter verdauen als Goldhamster. Folglich haben sie genetisch bedingt eine erhöhte Neigung Diabetes mellitus zu entwickeln, was man bei der Fütterung von Zwerghamstern berücksichtigen sollte.
Eine ausgewogene Zwerghamster-Ernährung setzt sich folgendermaßen zusammen:
- Zwerghamster spezifisches Körner- und Saatenmischfutter
Faustregel: 1 TL Futter pro Tag und Zwerghamster (max. 5% des Körpergewichts) - Täglich etwas Frischfutter
- 1 x pro Woche tierisches Eiweiß
- Ergänzend naturbelassene Zweige und Äste als Nagematerial
- Wasser und Heu ständig zur Verfügung
Zwerghamster-Gehege
Hier noch einmal eine kurze Übersicht zu den relevanten Mindestanforderungen an ein Zwerghamster-Gehege:
- Gehege Mindestmaß 100 x 50 x 50 cm
- Einstreutiefe mindestens 20 (besser 40) cm
- Mindestens 3 Unterschlupfmöglichkeiten mit mind. 5 cm breiten Eingängen
- Sandbad Mindestseitenlänge 20 cm
- Laufrad Mindestdurchmesser 25 cm
Besonderheiten der Goldhamster-Haltung
Der Syrische Goldhamster (Mesocricetus auratus) stammt ursprünglich aus den Halbwüsten Asiens und Syriens wo er als nachtaktiver Einzelgänger in Erdhöhlen mit mehreren Kammern und langen Gängen lebt. Die Kammern haben verschiedene Funktionsbereiche. So gibt es eine Vorratskammer, eine Schlafkammer und eine Toilettenkammer.
Die Lebenserwartung von Goldhamstern beträgt etwa 2 bis 3 Jahre, wobei die Tiere mit etwa 6 bis 8 Wochen geschlechtsreif werden. Goldhamster sind etwa 15 bis 18 Tage trächtig.
Ernährung
Goldhamster findet man als Kulturfolger in der Natur besonders dort, wo Getreide angebaut wird, weswegen sie Kohlenhydrate auch besser verdauen können als Zwerghamster. Die Ernährung des Goldhamsters ähnelt dennoch sehr der von den Zwerghamstern und sieht wie folgt aus:
- Goldhamster spezifische Körner- und Saatenmischungen
Faustregel: 2-3 TL Futter pro Tag und Goldhamster - Etwas Frischfutter
- 1 x pro Woche tierisches Eiweiß
- Ergänzend Zweige und Äste als Nagematerial
- Wasser und Heu ständig zur Verfügung
Goldhamster-Gehege
Auch für Goldhamster nennt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz relevante Mindestanforderungen bei der Einrichtung des Geheges:
- Gehege Mindestmaß 100 x 50 x 50 cm
- Einstreutiefe mindestens 25 cm
- Mindestens 3 Unterschlupfmöglichkeiten mit mind. 7cm breiten Eingängen
- Sandbad Mindestmaß 20 x 20 cm
- Laufrad Mindestdurchmesser 30 cm
Pflege und Gesundheits-Checks
Pflege
Bei der Pflege des Hamstergeheges ist einiges zu beachten, damit es sauber bleibt und der Hamster sich wohl fühlt. Dazu zählt unter anderem:
- Futter- und Trinkgefäße täglich säubern
- Nicht gefressenes, welkes Frischfutter täglich austauschen
- Verschmutzungen bei Bedarf entfernen
Achtung
Hamster orientieren sich vor allem über den Geruch. Daher sollte das Gehege nur etappenweise gereinigt werden wobei oft eine Reinigung der mit Urin und Kot verschmutzen Bereiche ausreicht. Nach der Reinigung sollte dann immer etwas alte Streu mit neuer vermischt werden.
Da Hamster ihr Futter in Vorratskammern bunkern, müssen diese täglich kontrolliert und gegebenenfalls gereinigt werden, damit es nicht zu Verderbnisprozessen kommt. Dabei sollte die Kammer jedoch nie komplett geleert werden.
Gesundheits-Checks
Um rechtzeitig zu erkennen, dass es seinem Hamster nicht gut geht, sollte man sie täglich während ihrer Aktivitätsphase beobachten. Zudem sollte man wöchentlich die Scheidezähne, Krallen, Körperöffnungen und das Fell der Tiere kontrollieren. Auch eine wöchentliche Erfassung des Gewichts hilft der rechtzeitigen Erkennung von Krankheiten.
Beim Wiegen Füllung der Backentaschen beachten!
Geringe Gewichtsschwankungen bei erwachsenen Hamstern durch einen unterschiedlichen Füllungszustand der Backentaschen sind normal. Größere Gewichtsschwankungen bei leeren Backentaschen sollten jedoch tierärztlich abgeklärt werden.
Wann sollte man zur Tierärztin oder zum Tierarzt?
Hamster sollten zeitnah in einer nagererfahrenen Tierarztpraxis vorgestellt werden, wenn sie eines oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:
- Bewegungsunlust
- Veränderte Schlafzeiten
- Struppiges oder mattes Fell
- Durchfall
- Nasser Schwanz
- Zusammengekniffene Augen
- Speicheln
Auch auf Anzeichen von Schmerzen (wie ein aufgekrümmter Rücken oder angelegte Tasthaare) sind zu achten und tierärztlich abzuklären.
Weitere Tierschutzaspekte
Im Zoofachhandel werden viele Produkte angeboten, die nicht für Hamster geeignet sind. Dazu zählen zum Beispiel:
- Futter- und Wassernäpfe sowie Sandbänder aus Plastik
- Hamsterwatte oder andere faserige Materialien, da sie zu Verstopfungen der Backentaschen und Gliedmaßenabschnürungen führen können.
- Hamsterkugeln und Hamstergeschirre – diese zählen beide zu tierschutzwidrigem Zubehör.
Auch bei dem Umgang mit den kleinen Tieren ist einiges zu beachten. Hamster sind keine Streicheltiere, dennoch sollten sie an das Handling gewöhnt werden. Nur so können Untersuchungen, Pflegemaßnahmen oder ähnliches möglichst stressfrei durchgeführt werden.
Um sie hochzuheben, verwendet man am besten eine Pappröhre oder ein Plastikgefäß, da das Einfangen mit der Hand zusätzlichen Stress bedeuten kann. Bei zutraulichen Tieren kann auch abgewartet werden, bis sie von sich aus auf die Hand laufen.
Fazit
Hamster zu halten erfordert eine gewisse Kenntnis über ihre Ansprüche an Ernährung und Haltung. Verfügt man aber darüber und beachtet die tierschutzrechtlichen Aspekte beim Hamsterzubehör und Umgang, sind Hamster recht pflegeleichte Haustiere.
Hier geht es zu den Merkblättern der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz:
Quelle (nach Angaben von):
Veröffentlichungen: TVT - Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.
(JD)


