NachrichtenProbiotika als Alternative zu Antibiotika in der Geflügelhaltung

Probiotika könnten den Antibiotikaeinsatz in der Geflügelhaltung deutlich senken und so Resistenzen vorbeugen.

Antibiotikaschriftzug auf Klemmbrett
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Probiotische Futtermittelzusätze könnten ein wirksames Instrument sein, um den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. (Symbolbild)

Der Einsatz von Probiotika könnte dazu beitragen, den Antibiotikaverbrauch in der Nutztierhaltung deutlich zu senken. Vor dem Hintergrund zunehmender Antibiotikaresistenzen gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Denn resistente Keime zählen laut Weltgesundheitsorganisation zu den größten globalen Gesundheitsrisiken, mit bereits mehr als einer Million Todesfällen jährlich im Zusammenhang mit solchen Infektionen. Ein wesentlicher Treiber der Resistenzentwicklung ist der hohe Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung. „Da 73 Prozent aller weltweit eingesetzten Antibiotika auf die Nutztierhaltung entfallen – therapeutisch, prophylaktisch und als Wachstumsförderer -, lässt sich dort am besten ansetzen, um der weiteren Entstehung von Resistenzen entgegenzuwirken“, erläutert Stefan Pelzer, Leiter der Mikrobiomforschung von Evonik. 

Fokus auf das Darmmikrobiom

Im Zentrum des Ansatzes stehen Probiotika – lebende Mikroorganismen, die das Darmmikrobiom stabilisieren und die Tiergesundheit unterstützen. Sie können die Ausbreitung krankmachender Keime wie Escherichia coli, Salmonellen oder Clostridien im Darm hemmen und damit Erkrankungen vorbeugen.
Ein wichtiger Krankheitserreger in der Geflügelproduktion ist Clostridium perfringens, der die subklinische nekrotische Enteritis verursacht. Diese führt zu Schäden an der Darmwand, Wachstumsstörungen und erhöhten Tierverlusten. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich.

Verbesserte Wirksamkeit durch optimiertes Herstellverfahren

Ein weiterentwickeltes Probiotikum zeigt laut Hersteller eine verbesserte Wirkung. Grundlage dafür ist ein spezielles Herstellverfahren, das das Auskeimverhalten der enthaltenen sporenbildenden Bakterien optimiert. Entscheidend ist dabei die Geschwindigkeit, mit der sich die Sporen im Verdauungstrakt in aktive Bakterienzellen umwandeln. „Bei sporenbildenden Bakterien wie Bacillus velezensis CECT 5940, kommt es deshalb darauf an, wie schnell und an welcher Stelle im Verdauungssystem sie sich in aktive, vegetative Zellen verwandeln“, sagt Pelzer. Durch eine schnellere Aktivierung im Dünndarm können sich die Mikroorganismen früher vermehren und pathogene Keime effektiver verdrängen.

Positive Effekte auf Tiergesundheit und Überleben

In Studien zeigte das optimierte Produkt Vorteile gegenüber vergleichbaren Probiotika. So konnte bei Masthähnchen unter Infektionsdruck mit Clostridium perfringens eine um 50 Prozent erhöhte Überlebensrate erreicht werden. Gleichzeitig traten weniger strukturelle Schäden im Darm auf. Tests mit unterschiedlichen Futtermitteln ergaben zudem, dass das Probiotikum eine stabile und schnelle Auskeimung unabhängig von der Futterzusammensetzung aufweist. Andere Produkte reagierten hier variabler.

Beitrag zur Reduktion von Antibiotika

Probiotische Futtermittelzusätze können somit ein wirksames Instrument sein, um die Tiergesundheit zu fördern und den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Sie sind Teil eines umfassenderen Ansatzes, der auch weitere Zusatzstoffe wie Buttersäure oder pflanzliche Komponenten umfasst. Die Erkenntnisse zur Funktionsweise und Herstellung solcher Produkte könnten zudem über die Tierernährung hinaus relevant sein. „Die gewonnenen Erkenntnisse sind aber nicht nur relevant für die Tierernährung, sondern für zahlreiche andere Anwendungen mit Bacillus-basierten Produkten – ob in der Ernährung, Körperpflege, Mundhygiene, bei Agrar- oder Reinigungsprodukten“, so Pelzer.

Quelle: Evonik Industries AG
kcl
 

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