NutztierSpätere Besamung nach der Kalbung führt zu mehr Tierwohl

Eine spätere Besamung von Milchkühen steigert nicht nur das Tierwohl, sondern hat gleichzeitig auch einen ökonomischen Nutzen für den Betrieb.

Zwei Kühe stehen auf einer Weide. Beide Kühe haben rotes Fell und gelbe Ohrmarken. Ein Tier ist noch ein Kalb.
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Bisher werden Milchkühe oft schnell nach der Kalbung wieder besamt. - Symbolbild

Eine hohe Milchleistung führt erwiesenermaßen zu einem schlechterem Besamungserfolg bei Milchkühen. Deshalb werden Milchkühe i.d.R. schnell nach der Kalbung wieder besamt. Die Milchleistung und die Fruchtbarkeitskennzahlen insgesamt werden wiederum vom Besamungszeitpunkt nicht negativ beeinflusst. 

Ob und welche Vorteile sich durch eine Verlängerung der Laktationsperiode bei Milchkühen ergeben, sollte in einer von der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern durchgeführten Studie untersucht werden. Das sog. VerLak-Projekt hatte einerseits zum Ziel, praxisgeeignete Konzepte zur Verringerung des Antibiotikaeinsatzes in der Milcherzeugung einzuführen. Andererseits wurden an einer größeren Stichprobe der Einfluss einer längeren Laktation auf die Fruchtbarkeit und die Milchleistung ausgewertet.

Mit den Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die tierindividuell verlängerten Zeiten nach einer Kalbung bis zur neuerlichen Trächtigkeit zu besseren Fruchtbarkeitsergebnissen, einer höheren Laktationspersistenz und damit zu einer höheren Milch- sowie Laktationsleistung führen: So war die Milchmenge der später besamten Kühe pro Melktag höher oder mindestens gleich hoch wie die der Vergleichskühe. Damit verbunden war auch ein gesteigertes Tierwohl bei weniger Risikophasen, die Kalbungen und Trockenstellen innehaben. 

Bezogen auf den Antibiotikaeinsatz wurde deutlich, dass Kühe, die am VerLak-Projekt teilnahmen, weniger Antibiotika benötigten und sich das Tierwohl und damit die Lebenszeit der Kühe erhöhten. Dies bedeutet im Umkehrschluss einen besseren ökonomischen Nutzen für den Betrieb. Der ebenfalls im Rahmen dieses Projekts entwickelte Rechner zur Ermittlung des optimalen Besamungsbeginns hat sich im praktischen Einsatz als sehr praktikabel erwiesen. Seine Weiterentwicklung sollte die Integration der Körperkondition der Kühe, ihres Zuchtwertes für Persistenz und letztendlich die Integration in Herdenmanagementprogramme mit einbeziehen. 

Quelle (nach Angaben von):
Abschlussbericht "Verbesserung des Tierwohls von Milchkühen durch gezielt spätere Besamung" (VerLak) (landwirtschaft-mv.de)

(IR)