NachhaltigkeitRecycling von Einwegspritzen ist machbar

Jetzt steht es fest: Einwegspritzen von Tierkliniken und -praxen sind recyclingtauglich – das hat die gemeinsame Machbarkeitsstudie von VetsforLife und dem Fraunhofer Institut IWU ergeben! 

Kirsten Oborny/Thieme
Die Machbarkeitsstudie zeigt, dass aus gebrauchten Einwegspritzen ein Sekundärrohstoff gewonnen werden kann, der sich zur Verarbeitung zu neuen Produkten eignet. (Symbolbild)

Tonnenweise Spritzenmüll

In Deutschland gibt es 20.473 praktizierende Tierärzt*innen in 10.348 Tierarztpraxen und 132 tierärztlichen Kliniken [1]. Fachliteratur und Feldberichte zeigen einen täglichen Verbrauch von etwa 20-40 Spritzen in Kleintierpraxen und 50-100 Spritzen in Kliniken [2]. Damit ergibt sich für Deutschland im Mittel ein Spritzenabfallaufkommen von ca. 400 t/Jahr (ausgehend von einem gemittelten Gewicht von 5g pro Spritze und 250 Arbeitstagen). Alternative Quellen berichten sogar von 1.500 t Spritzenmüll jährlich. Dieser anfallende Abfall aus der Tiermedizin wird nach Gebrauch entweder verbrannt oder deponiert und steht somit nicht für die Kreislaufwirtschaft zur Verfügung.

Ist Spritzenrecycling möglich?

Mit dem Wissen um diese Problematik hat VetsforLife zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in Dresden eine Pilotstudie zum Spritzenrecyclings durchgeführt.

In dieser Machbarkeitsstudie lag der Fokus auf der Entwicklung einer skalierbaren Prozesskette für das Recycling von Spritzen aus der Tiermedizin. Dabei galt es, alle erforderlichen Prozessschritte des Recyclings wie die Sterilisation, Zerkleinerung, Trennung, Sortierung und Regranulat-Herstellung zu analysieren und zu evaluieren. Finanziert wurde die Studie von Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH, Sarstedt AG & Co. KG und CP-Pharma.

Aufbau und Durchführung unserer Studie

Durch einen Aufruf in den gängigen Medien konnten 56 Sammlungen gebrauchter Einwegspritzen von Tierarztpraxen und Tierkliniken gewonnen werden. Die Spritzen wurden von Januar bis Juni 2025 gesammelt und an das Fraunhofer IWU gesendet. Nach dem Erreichen der Zielmenge von ca. 175kg erfolgte die Zerkleinerung und Sterilisation der gebrauchten Spritzen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Prozessparameter (wie etwa Temperatur, Dauer) sowie die Sortierung.

Innerhalb der Sortierung mittels Nahinfrarot-Spektroskopie lag der Schwerpunkt auf den Kunststoffen Polyethylen und Polypropylen, wobei hohe Reinheitsgrade erreicht werden konnten, da aufgrund der Fokussierung auf Spritzen als Ausgangsmaterial per se nur wenig Verunreinigungen und Störstoffe vorlagen. Als problematisch erwiesen sich jedoch die Elastomer-Dichtungen an einigen Spritzenkolben, die bei der Sortierung nicht erkannt wurden.  Diese Dichtungen lassen sich bei der Regranulat-Herstellung nicht einschmelzen und wirken somit als Störstoffe. Aufgrund des geringen Anteils konnte das Mahlgut dennoch gut zu Materialproben verarbeitet werden. 

Evaluation des Recyclats aus gebrauchten Spritzen

Zur Beurteilung des Rezyklats wurden Zugversuche und Viskositätsuntersuchungen durchgeführt und die Ergebnisse mit Materialkennwerten von Primärwerkstoffen aus dem Gesundheitswesen verglichen. Aufgrund der Verfärbung und Reduktion der Materialkennwerte lassen sich die Rezyklate zwar nicht zu neuen Spritzen verarbeiten, allerdings ist deren Einsatz in alternativen Branchen wie etwa dem Fahrzeugbau oder Bauwesen durchaus denkbar. Darüber hinaus wäre eine Optimierung des Sekundärmaterials (Rezyklates) etwa mittels detaillierterer Sortierung und/ oder dem Einsatz von Additiven möglich.

Spritzenrecycling ist machbar

Die Ergebnisse dieser Machbarkeitsstudie zeigen, dass aus gebrauchten Einwegspritzen ein Sekundärrohstoff gewonnen werden kann, der sich zur Verarbeitung zu neuen Produkten eignet. Der Prozess der Sterilisation hat dabei einen nur geringen Einfluss auf die Materialeigenschaften, die Sortierung beeinflusst jedoch maßgeblich die Qualität der Rezyklate. Besonders positiv ist zu bewerten, dass die Anlagentechnik für die Prozesskette bereits verfügbar ist. Für eine Industrialisierung ist der Sammelprozess unter Einbindung bestehender Stakeholder (Spritzennutzer, Entsorger, Lieferanten usw.) jedoch noch weiter zu optimieren.

Literatur
Bei den Verfasserinnen.
 

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