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Die Therapie des Vestibularsyndroms erfolgt zum einen symptomatisch und zum anderen kausal nach der zugrunde liegenden Erkrankung. So sollte z. B. bei einer hypertensiven Enzephalopathie der Blutdruck gesenkt, bei einer Thiaminmangel-Enzephalopathie Vitamin B1 substituiert und bei einer Hypothyreose sollten Schilddrüsenhormone verabreicht werden. Bei einer bakteriellen Otitis media et interna muss eine Herdsanierung des Mittelohres und anschließend eine antibiotische Behandlung erfolgen. Bei einer autoimmun vermittelten Meningitis (MUO) sollte eine immunsuppressive Therapie begonnen werden.
Symptomatische Therapie
Die symptomatische Therapie ist unabhängig von der Lokalisation und Ursache weitgehend identisch.
Antiemetika
Alle Tiere mit einem Vestibularsyndrom sollten in der akuten Phase und solange es nötig ist, Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen erhalten. Hier hat sich Maropitant als Mittel der Wahl gegen Vomitus bewährt. Zudem eignet sich Ondansetron laut einer jüngsten Studie sehr gut zur Reduktion der Übelkeit durch den Schwindel. Alternativ eingesetzt werden könnten auch Metoclopramid und Betahistin.
Unterstützung der Wasser- und Futteraufnahme
Da in der akuten Phasen aufgrund von Koordinationsstörungen meist keine Futter- und oft auch keine Wasseraufnahme durch das Tier selbst möglich ist oder das Tier durch die Übelkeit nichts aufnehmen möchte, ist häufig initial eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr (Vollelektrolytlösung) notwendig. Für die Futter- und Wasseraufnahme sollte das Tier regelmäßig in Brust-Bauch-Lage gebracht werden und die Näpfe sollten ihm angereicht werden. Die Patienten sollten zu Beginn nur unter Beobachtung Futter oder Wasser aufnehmen. Vor allem beim zentralen Vestibularsyndrom kann es aufgrund der Ausdehnung des Krankheitsprozesses auf die Kerngebiete des Nervus glossopharyngeus, Nervus vagus und Nervus hypoglossus auch zu erheblichen Schluckstörungen und Zungenlähmungen kommen. Es besteht die Gefahr einer Aspiration mit folgender Pneumonie.
Liegeplatz
Die Tiere sollten weich gebettet werden, um Druckstellen zu vermeiden. Zu weich wird allerdings nicht selten auch als unangenehm empfunden. Bei Tieren, die kaum aufstehen können oder so hochgradig ataktisch sind, dass sie dabei immer hinfallen, macht die Unterbringung in einer Box u. U. Sinn. Wenn sich die Patienten um die eigene Achse rollen, muss die Boxenwand ggf. gepolstert werden. Da Stress die Symptome oft verschlimmert, sollten die Tiere in einer ruhigen Umgebung untergebracht und mit viel Geduld mit ihnen umgegangen werden. Oft hilft eine Deckenrolle oder ein langes Kissen im Rückenbereich des Tieres, um etwas mehr Stabilität in die Position zu bekommen und das Tier ein wenig „zu erden“, was den Schwindel oft verbessert.
Physiotherapie
Zeitnah sollte auch mit den ersten physiotherapeutischen Übungen zur Neurorehabilitation begonnen werden. Diese richten sich nach dem Neurostatus des Patienten. Solange das Tier noch nicht wieder selbstständig aufstehen kann, sollten passive Bewegungen der Gliedmaßen zum Erhalt der Gelenkgesundheit und zur Vorbeugung von Verkürzungen an Sehnen, Bändern und Muskeln erfolgen. Zudem können einfache Nervenstimulationsübungen durchgeführt werden. Stehen und Gehen sollte täglich mehrfach mit entsprechender Unterstützung durch ein Brustgeschirr und eine Gehhilfe oder ein Handtuch bzw. Schal unter dem Bauch trainiert werden. Mit fortschreitender Rekonvaleszenz kann der Fokus dann mehr auf aktive Bewegungsübungen zur Schulung der Koordination und des Körpergefühls gelegt werden.
Merke
Eine frühzeitige Integration der Besitzer*innen in das Physiotherapieprogramm ist zu empfehlen, damit diese die Übungen mehrfach täglich in kleinen Einheiten durchführen können.
Im Falle eines idiopathischen (oder auch geriatrischen) Vestibularsyndroms, das sich durch ein perakutes Auftreten und eine rasche Besserung unter rein symptomatischer Therapie auszeichnet, kann auch das modifizierte Lagerungsmanöver nach Epley hilfreich sein. Das Epley-Manöver wird in der Humanmedizin zur Therapie von Drehschwindel ausgelöst durch Otolithenpartikel angewendet und wurde für den Einsatz beim Hund entsprechend modifiziert.
Weitere Therapieansätze
Beim idiopathischen bzw. geriatrischen Vestibularsyndrom handelt es sich diagnostisch um eine Ausschlussdiagnose. Eine Ursache ist bislang nicht bekannt. Im Allgemeinen wird beim idiopathischen Vestibularsyndrom eine unterstützende Gabe von Propentofyllin zur Durchblutungsförderung empfohlen.
Fazit
Sollten vestibuläre Patienten Anzeichen eines zentralen Vestibularsyndroms zeigen, kann anhand der neurologischen Untersuchung recht sicher eine zentrale Lokalisation diagnostiziert werden. Diese Tiere sollten zeitnah einer entsprechenden weiterführenden Diagnostik – insbesondere einer Schnittbilddiagnostik und Liquoruntersuchung – zugeführt werden. Fehlen in der neurologischen Untersuchung Hinweise auf ein zentrales Problem, sollten als Minimaldiagnostik eine umfassende Blutuntersuchung („geriatrisches Profil“ aus Blutbild, Blutchemie inkl. Schilddrüsenwerte), eine Blutdruckmessung und eine Otoskopie erfolgen. Gibt es hier keine Hinweise auf eine Ursache des Vestibularsyndroms, kann vorerst rein symptomatisch therapiert werden. Bei ausbleibender Besserung oder Verschlechterung ist allerdings eine weiterführende Diagnostik in Form von Schnittbildverfahren des Kopfes zum Ausschluss anderer Ursachen und für eine kausale Therapie zu empfehlen.
Mehr zum Thema:
Der Originalbeitrag zum Nachlesen:
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