LaborLungenwürmer & Co. bei Hund und Katze

Ist da der Wurm drin? Lungenwurminfektionen bei Hunden und Katzen zu diagnostizieren ist nicht immer einfach – hier bekommen Sie wertvolle Tipps.

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Eine Langhaarkatze und ein Mischlingshund sitzen nebeneinander auf dem Boden und schauen erwartungsvoll nach oben.
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Die klinischen Anzeichen einer Lungenwurminfektion sind sehr variabel.

Ein Befall mit Lungenwürmern sollte bei Hunden und Katzen mit kardiopulmonalen Symptomen immer in Betracht gezogen werden [1]. Im folgenden Beitrag werden die für den europäischen Raum wichtigsten Vertreter vorgestellt sowie wertvolle Tipps zur Diagnostik aufgezeigt.

Erreger

Als „Lungenwürmer“ bei Hund und Katze werden für gewöhnlich bestimmte Parasiten aus der Überfamilie der Metastrongyloidea bezeichnet, deren adulte Stadien in der Lunge ihrer Wirte leben. Daneben gibt es auch Würmer aus der Familie der Trichuridae, die ebenfalls in den Atemwegen parasitieren [2]. [Tab. 1] enthält eine Übersicht zu den verschiedenen Wirtspezies sowie zu weiteren relevanten Eckdaten der Parasiten.

Spezies Endwirte Länge der adulten Würmer Lokalisation der adulten Würmer Zwischenwirte Transportwirte infektiöses Stadium
Angiostrongylus vasorum wildlebende Caniden (v. a. Fuchs), Hund 1,5 – 2,5 cm Pulmonalarterien, gelegentlich rechtes Herz Nackt- und Gehäuseschnecken - L3
Crenosoma vulpis wildlebende Caniden (v. a. Fuchs, Waschbär, Wolf), selten auch Hund 0,4 – 1,5 cm Bronchien und Trachea Nackt- und Gehäuseschnecken kleine Amphibien und Reptilien L3
Aelurostrongylus abstrusus Wildfeliden, Katze 0,5 – 1,5 cm Bronchiolen und Alveolen Nackt- und Gehäuseschnecken Kleinsäuger, kleine Amphibien und Reptilien sowie Vögel L3
Troglostrongylus brevior Wildfeliden (v. a. Luchs und Wildkatze), Katze 0,6 – 1,7 cm Bronchien und Bronchiolen Nackt- und Gehäuseschnecken Kleinsäuger, kleine Amphibien und Reptilien sowie Vögel L3
Capillaria aerophila (syn. Eucoleus aerophilus) geringe Wirtsspezifität! U. a. Fuchs, Hund, Katze, Igel, selten Mensch (Zoonose!) 1,6 – 2,0 cm Trachea, Bronchien und Bronchiolen ggf. Regenwürmer ggf. Regenwürmer embryonierte Eier
Filaroides hirthi Caniden, Hund 0,5 – 1,5 cm Lungenparenchym - - L1
Oslerus osleri wildlebende Caniden (v. a. Fuchs, Wolf), Hund 0,5 – 1,5 cm Trachea und Bronchien - - L1

Entwicklungszyklus

Folgende Lungenwürmer weisen einen indirekten Lebenszyklus über Zwischenwirte auf:

  • Crenosoma (Cr.) vulpis
  • Aelurostrongylus (Ael.) abstrusus
  • Troglostrongylus (T.) brevior
  • Angiostrongylus (A.) vasorum

Die adulten Würmer der 3 Erstgenannten sitzen in Trachea, Bronchien, Bronchiolen oder Alveolen. Von diesen Lokalisationen aus werden von den Weibchen Eier in die Atemwege abgegeben. Dort schlüpft das 1. Larvenstadium (L1). Die L1 werden anschließend hochgehustet, abgeschluckt und mit dem Kot ausgeschieden. Sie infizieren dann verschiedene Schneckenarten, in denen sie sich bis zum infektiösen 3. Larvenstadium (L3) entwickeln. Endwirte wiederum infizieren sich durch die Aufnahme eines Zwischen- oder Transportwirtes [1] – [4].

Abweichend davon parasitieren die Adulten von A. vasorum (auch als französischer Herzwurm bezeichnet) in den Pulmonalarterien, gelegentlich auch im rechten Herzen. Die von den Weibchen produzierten Eier werden in das Kapillargebiet der Lunge abgeschwemmt, dort schlüpfen die L1 und wandern in die Alveolen ein. Die weitere Entwicklung verläuft analog zu dem oben Geschilderten [5].

Folgende Parasiten haben einen direkten Lebenszyklus:

  • Oslerus (O.) osleri
  • Filaroides (F.) hirthi
  • vermutlich auch Capillaria (C.) aerophila (syn. Eucoleus aerophilus)

Die adulten Würmer von O. osleri (auch Trachealwurm genannt) verursachen in der Tracheal- bzw. Bronchialschleimhaut die Bildung von makroskopisch sichtbaren Wurmknötchen. Von dort entlassen die Weibchen Eier, die bereits eine infektiöse L1 enthalten, in das Lumen der Trachea. Hingegen leben die Adulten von F. hirthi im Lungenparenchym und entlassen infektiöse L1 in die Atemwege. Die L1 beider Spezies werden hochgehustet und nach Abschlucken mit dem Kot ausgeschieden. Eine Übertragung erfolgt fäkal-oral, meistens horizontal bereits im Welpenalter, auch Autoinfektionen sind häufig [3].

CAVE

Aufgrund der direkten Infektiosität der L1 sollten O. osleri- und F. hirthi-positive Hunde isoliert und alle Kontakthunde direkt mittherapiert werden [3].

Die adulten Stadien von C. aerophila sind in die Submukosa von Trachea, Bronchien und Bronchioli eingebettet. Dort legen sie Eier ab, die hochgehustet, abgeschluckt und mit dem Kot ausgeschieden werden. Nach 30 – 45 Tagen werden die Eier in der Umwelt infektiös (embryonierte Eier). Regenwürmer sind im Entwicklungszyklus von C. aerophila von Bedeutung, jedoch ist ihre Rolle (Zwischen- oder nur Transportwirt) noch nicht final geklärt. Der Parasit weist nur eine geringe Wirtsspezifität auf: Betroffen sind v. a. Fuchs, aber auch Hund, Katze, Igel, Mensch und andere [1], [2], [3].

Merke

Capillaria aerophila weist zoonotisches Potenzial auf!

Für alle genannten Lungenwurmarten gilt: Nach oraler Aufnahme durch den Endwirt dringen die Larven in die Darmwand ein und gelangen auf dem Lymph- und/oder Blutweg in die Lunge, wo sie zu Adulten heranreifen und geschlechtsreif werden [2] – [5].

Merke

Mischinfektionen sind möglich.

Klinische Symptomatik

Die klinischen Anzeichen einer Infektion sind sehr variabel.

Lungenwurminfektionen können asymptomatisch verlaufen, Nachweise von Lungenwurmlarven oder Capillaria-Eiern sind häufig Zufallsbefunde bei routinemäßigen, koproskopischen Untersuchungen [2], [3].

Daneben sind milde bis schwerwiegende respiratorische Symptome möglich, dazu zählen v. a.:

  • Husten
  • Nasenausfluss
  • Tachypnoe
  • Dyspnoe

Bei Infektionen mit A. vasorum können zusätzlich Gerinnungsstörungen, Pleuraergüsse sowie kardiovaskuläre und neurologische Symptome auftreten [3], [5]. Tödliche Verläufe sind möglich. Der Schweregrad der Erkrankung ist abhängig von der vorliegenden Wurmspezies und -last.

Prävalenz

Die Prävalenz von Lungenwurminfektionen bei Hunden und Katzen ist eher als gering anzusehen, das spiegelt sich auch im Untersuchungsgut der Autoren wider [Abb. 1]. Einzelne Vertreter zählen zu den „emerging diseases“ (z. B. A. vasorum), einige treten gelegentlich auf (z. B. C. aerophila), andere sind nur sporadisch beschrieben (O. osleri, F. hirthi). Dennoch sind sie von klinischer Relevanz, da sie zu schweren Erkrankungen mit tödlichem Verlauf führen können [1].

Diagnostik

Für eine Diagnosestellung ist der Nachweis der Parasiten erforderlich [1].

Die gängigste Methode ist der mikroskopische Nachweis von L1-Larven bzw. Eiern in Kotproben: Eine koproskopische Untersuchung ist eine günstige, nicht-invasive und ungezielte Testmethode, die verschiedene Parasiten erfasst [4]. Sie sollte daher immer der 1. Schritt in der Diagnostik sein, auch wenn die Sensitivität der Tests v. a. aufgrund der intermittierenden Ausscheidung von Lungenwurmlarven und Capillaria-Eiern eingeschränkt ist. Bestenfalls sollten nach Möglichkeit stets Sammelkotproben von 3 konsekutiven Kotabsätzen sowie bei negativen Ergebnissen Wiederholungsuntersuchungen durchgeführt werden, insbesondere bei klinischem Verdacht.

Merke

Während der Präpatenzzeit (je nach Art ca. 1 – 2 Monate) ist keine Diagnosestellung mittels Kotuntersuchung möglich [2].

Koproskopische Methoden

Direkter Kotausstrich

L1 sind im Kot sehr aktiv und können leicht in frischen Kotproben identifiziert werden. Das Verfahren ist günstig und einfach durchzuführen, aber weist eine sehr geringe Sensitivität aufgrund der kleinen, eingesetzten Probenmenge sowie der fehlenden Anreicherung auf [1], [2].

Flotationsverfahren

Eine etwa erbsengroße Kotprobe wird in einer Flüssigkeit mit bekanntem spezifischem Gewicht suspendiert. Kotpartikel sinken ab, während sich die leichteren Parasitenstadien an der Oberfläche anreichern und mithilfe eines Deckgläschens auf einen Objektträger überführt werden können. V. a. für den Nachweis von Capillaria-Eiern ist es die Methode der Wahl. Auch hier ist die Sensitivität durch die einsetzbare Probenmenge eingeschränkt [1], [2].

Larven-Auswanderungsverfahren nach Baermann-Wetzel

Eine etwa walnussgroße Kotprobe wird in ein feinmaschiges Sieb oder in feine Gaze gelegt und in einem Trichter platziert, an dessen Ende ein mit Klemme verschließbarer Schlauch befestigt ist. Der Trichter wird dann mit lauwarmem Wasser befüllt, bis die Probe halb bedeckt ist. Lebende Larven werden von Feuchtigkeit angezogen (Hydrotropismus): Sie wandern innerhalb von 12 – 24 h aktiv aus dem Kot aus und setzen sich am Boden des Testsystems ab. Die ersten Tropfen aus dem Schlauch werden für eine mikroskopische Untersuchung auf einen Objektträger aufgebracht [Abb. 2] [2].

Dieses Verfahren gilt als Goldstandard für den Nachweis von Lungenwurmlarven, hat aber ebenfalls Limitationen: Es ist ein relativ aufwendiges Verfahren mit langer Untersuchungsdauer [1], [2], [4]. Für die Durchführung sind frische Kotproben notwendig, da nur lebende Larven aktiv auswandern [1], [4]. Die L1 von O. osleri und F. hirthi sind lethargisch und wandern nicht gut aus; sie sind daher, wenn überhaupt, eher mittels Flotation nachweisbar [1], [3].

Weitere mikroskopische Methoden

Lungenwurmstadien können auch in Trachealabstrichen oder -spülproben sowie in BAL-Flüssigkeit mikroskopisch nachgewiesen werden. Für einige (z. B. O. osleri, F. hirthi) sind v. a. Trachealspülproben als Probenmaterial besser geeignet, i. d. R. ist die Sensitivität aber geringer als bei der Untersuchung von Kotproben [2], [3].

Identifizierung der Lungenwurmstadien

C. aerophila -Eier sind ca. 60 – 70 × 35 – 40 µm groß, braun, tonnenförmig und mit asymmetrischen Pol-Pfropfen versehen [Abb. 3]. Die äußere Eihülle ist strukturiert. Abzugrenzen sind sie v. a. von den etwas größeren Trichuris-Eiern, die zitronenförmig sind, eine glatte Eihülle besitzen und deren Pol-Pfropfen symmetrisch sind. Daneben können auch Eier anderer Capillaria-Arten im Kot nachgewiesen werden, die sich morphologisch jedoch sehr ähneln; eine exakte koproskopische Differenzierung ist deshalb in vielen Fällen leider nicht sicher möglich [1], [3].

Die L1 der metastrongyloiden Lungenwürmer sind sich sehr ähnlich. Eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Spezies ist schwierig und erfordert eine sorgfältige morphometrische und morphologische Untersuchung. Entsprechende Expertise vorausgesetzt, ist eine Identifizierung anhand der Morphologie der Mundöffnung und des Hinterendes sowie der Länge möglich. Falsche Zuordnungen sind nicht gänzlich auszuschließen [1], [3], [4].

Lungenwurmlarven müssen außerdem von Hakenwurmlarven (bei älteren Kotproben) sowie von freilebenden oder pflanzenparasitären Nematoden (falls die Probe vom Boden gesammelt wurde) abgegrenzt werden [1].

CAVE

Der Kot sollte möglichst direkt nach dem Absetzen gesammelt werden [1]!

PCR-Nachweis

Für einige Lungenwürmer stehen spezifische PCR-Tests in spezialisierten Laboren zur Verfügung. Bei diesem Verfahren wird DNA des Parasiten vervielfältigt und sichtbar gemacht. Verschiedenste Probenmaterialien wie Kot, BAL-Flüssigkeit, Trachealspülproben, tiefe Rachenabstriche und Lungengewebe können mittels PCR untersucht werden. Für den Nachweis von A. vasorum ist auch EDTA-Blut geeignet [1], [5].

Obwohl es sich bei der PCR generell um eine sehr sensitive Methode handelt, ist auch hier die Sensitivität v. a. aufgrund von intermittierender Ausscheidung begrenzt.

Antigen-Nachweis

Für den Nachweis von A. vasorum stehen ELISA-Tests und kommerzielle Schnelltests zur Verfügung, die zirkulierende Antigene von adulten Würmern in Serumproben nachweisen [1], [5].

Fazit

  • Lungenwurminfektionen sollten immer differenzialdiagnostisch in Betracht gezogen werden, wenn Hunde und Katzen mit kardiopulmonalen Erkrankungen vorgestellt werden.
  • Jungtiere sind häufiger betroffen und erkranken meist schwerer.
  • Für die Diagnostik sind i. d. R. frische Kotproben am besten geeignet.
  • Falsch negative Ergebnisse sind aufgrund von Präpatenz, intermittierender Ausscheidung und begrenzter Sensitivität der Testverfahren nicht auszuschließen.
  • Bei klinischem Verdacht sollten Tests daher wiederholt durchgeführt werden.

Der Originalbeitrag:

Gentil M, Falkner L. Ist da der Wurm drin? Lungenwürmer & Co. bei Hund und Katze.kleintier konkret 2023; 26(04): 27 - 31. doi:10.1055/a-2110-4968

(JD)

  1. Traversa D, Di Cesare A, Conboy G. Canine and feline cardiopulmonary parasitic nematodes in Europe: emerging and underestimated. Parasit Vectors 2010; 3: 62
  2. Pennisi MG, Hartmann K, Addie DD. et al. Lungworm disease in cats. ABCD guidelines on prevention and management. J Feline Med Surg 2015; 17: 626-636
  3. Barr SC, Bowman DD. Blackwellʼs Five-Minute Veterinary Consult Clinical Companion: Canine and Feline Infectious Diseases and Parasitology. 2nd ed. ed. Ames (IA): Wiley-Blackwell; 2012
  4. Crisi PE, Di Cesare A, Boari A. Feline Troglostrongylosis: Current epizootiology, clinical features, and therapeutic options. Front Vet Sci 2018; 5: 126
  5. Jefferies R, Morgan ER, Helm J. et al. Improved detection of canine Angiostrongylus vasorum infection using real-time PCR and indirect ELISA. Parasitol Res 2011; 109: 1577-1583

Dr. med. vet. Michaela Gentil ist Tierärztin und arbeitet bei Laboklin GmbH & Co. KG, Bad Kissingen, in der Abteilung Molekularbiologie. Ihr Schwerpunkte sind neben Pferden und Kleintieren auch Zoonosen.

Lukas Falkner ist ebenfalls Tierarzt bei Laboklin GmbH & Co. KG und arbeitet in der Abteilung Mikrobiologie.

Der Originalbeitrag„Ist da der Wurm drin? Lungenwürmer & Co. bei Hund und Katze“ erschien in derKleintier konkret.