Inhalt

Wenn der Hund bricht, ein schmerzhaftes kraniales Abdomen hat oder sich matt und inappetent zeigt, können das Hinweise auf eine akute Pankreatitis sein. Wir geben einen Leitfaden, welche Therapie dem Patienten hilft.
Therapie
Allgemeine Richtlinien der Pankreatitis-Therapie beinhalten Flüssigkeitssubstitution mittels intravenöser Dauertropfinfusionen, Antiemetika und Analgesie [Tab. 1].
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Infusion, Antiemetika und Analgetika
Um die Mikrozirkulation und Perfusion des Pankreas aufrecht zu erhalten, sind intravenöse Dauertropfinfusionen wichtig in der Therapie. Idealerweise können isotone Elektrolytlösungen, wie Ringer-Lactat Lösung, verwendet werden. Die Infusionsrate sollte anhand des Hydratationsstatus und möglicher Flüssigkeitsverluste (Erbrechen, Durchfall) über 12 – 24 Stunden angepasst werden. Da durch Flüssigkeitsverluste und auch Infusionstherapie eine Hypokaliämie entstehen kann, sollte dies regelmäßig evaluiert und gegebenenfalls auch substituiert werden [Tab. 2].
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Fütterungsmanagement
Lange Zeit galt die Meinung, dass Patienten mit Pankreatitis nicht gefüttert werden sollten, da dies möglicherweise zu einer Pankreasstimulation und vermehrter Aktivierung von Zymogenen führen könnte. Mittlerweile zeigen Daten aus der Human- und Veterinärmedizin, dass eine frühe enterale Ernährung zu einer reduzierten Morbidität und Mortalität der Patienten führt [14]. Falls der Patient nicht selbständig frisst, kann eine nasoösophageale Sonde, eine Ösophagussonde oder auch jejunale Sonde überlegt werden. Patienten mit Pankreatitis können zusätzlich aufgrund einer Refluxösophagitis regurgitieren oder auch einen funktionellen Ileus zeigen. In diesen Fällen empfiehlt sich eine vorsichtige Fütterung einer eher fettarmen Diät, gegebenenfalls in den ersten Tagen nur ⅓ bis ¼ des kalkulierten RER (resting energy requirement, Ruheenergiebedarf).
Magenschutz
Momentan gibt es keine Evidenz, dass die Gabe eines Magensäuresekretionshemmers das outcome der Patienten mit akuter Pankreatitis verbessert. Dennoch leiden Patienten mit Pankreatitis häufig an Komorbiditäten wie beispielsweise Magenulcera oder Ösophagitis.
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Plasmatransfusion und Antibiose
Plasmatransfusionen zur Therapie der akuten Pankreatitis werden kontrovers in der Human- und Veterinärmedizin diskutiert. Prospektive Studien konnten keine deutlich verringerte Morbidität und Mortalität bei der Behandlung der akuten Pankreatitis feststellen [16]. Bei klinischem und labordiagnostischem Verdacht einer DIC, SIRS oder MODS ist eine Plasmatransfusion (Fresh Frozen Plasma, FFP) indiziert.
Eine antibiotische Therapie ist bei Pankreatitis nicht indiziert (sterile Entzündung). Indikationen für eine antibiotische Therapie gelten bei Verdacht eines bakteriell bedingten Pankreasabszess oder bei Vorliegen einer Sepsis, welche auf Grund einer intestinalen bakteriellen Translokation als Komplikation einer Pankreatitis auftreten kann.
Chirurgie
Indikationen für eine chirurgische Intervention sind pankreatische Abszesse oder eine persistierende extrahepatische biliäre Obstruktion, welche sich klinisch durch aggressive symptomatische Therapie nicht verbessern. Hier kann eine Resektion des nekrotischen oder abszedierenden Pankreas, bzw. eine Cholezystoenterostomie oder Einsetzen eines Stents in den Ductus choledochus indiziert sein. Aufgrund der hohen perioperativen Mortalitätsrate sollte die chirurgische Intervention sorgsam abgewogen werden [17].
Prognose
Die Prognose ist abhängig von dem klinischen Schweregrad. Bei Verdacht einer DIC, SIRS oder MODS ist die Prognose vorsichtig bis infaust. Labordiagnostische Parameter zur Abschätzung des Schweregrades sind beispielsweise das Vorliegen einer Thrombozytopenie, verlängerte PT, aPTT, renale Azotämie, Ikterus, Hypo- oder Hyperglykämie und eine Serum Spec cPL > 1000 µg/L [18], [19].
Chronische Pankreatitiden können hingegen symptomatisch mittels diätetischer Umstellung (Fettgehalt < 30 g/1000 kcal), Analgesie (Tramadol, Gabapentin), bei Vorliegen von Nausea Maropitant und bei Inappetenz zusätzlich Appetitstimulanz (Mirtazapine) längerfristig gut gemanagt werden.
Fazit
Eine Pankreatitis beim Hund ist nicht immer leicht zu diagnostizieren, denn die Symptome können sehr vielfältig sein. Daher ist eine umfassende diagnostische Aufarbeitung unbedingt anzuraten, um differenzialdiagnostisch andere Erkrankungen auszuschließen und im Anschluss eine individuell passende Therapie zusammenzustellen.
Der Originalbeitrag zum Nachlesen:
Rosé A. Pankreatitis beim Hund – Klinik, Diagnostik und Therapie.Veterinärspiegel 2022; 32(03): 120 - 126. doi:10.1055/a-1886-0021
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