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Feline Panleukopenie
Die Feline Panleukopenie ist eine ubiquitär vorkommende, hochinfektiöse Krankheit, die nicht nur bei domestizierten Katzen, sondern auch bei anderen Feliden (z. B. Tiger, Panther, Leopard), Musteliden (Marderartige), Procyoniden (Kleinbären) und Viverriden (Schleichkatzen) auftritt [1]. Es ist die erste Erkrankung bei Katzen, bei der eine virale Genese nachgewiesen wurde. Der Erreger ist ein Parvovirus und zählt zu den kleinsten (18 – 26 nm) unbehüllten, einsträngigen DNA-Viren mit ikosaedrischer Struktur und mit einem Molekulargewicht von 1,5 Millionen [2].
Der typische Eintrag des Virus in den Haushalt ist die Einschleppung auf infizierten Gegenständen wie kontaminierten Kleidern, Schuhen, Händen, Futterschalen, Transportboxen etc. der auch indirekt erfolgen kann [1], [3]. Das Feline Parvovirus (FPV) ist sehr stabil in der Außenwelt und kann bis zu einem Jahr bei Raumtemperatur auf infizierten organischen Materialien überleben [4]. Eine Übertragung über Flöhe oder Insekten ist ebenfalls belegt und die Erregeraufnahme erfolgt meist oral.
Das bedeutet: Eine Infektion von adulten, in der Wohnung gehaltenen Katzen in der Stadt ist durch unvollständigen Impfschutz möglich. Die aktive Immunisierung ist der einzig wirksame Schutz gegen diese Erkrankung.
Symptomatik
Die Parvoviren benötigen für ihre Replikation Zellen und Gewebe mit hoher mitotischer Aktivität wie beispielweise hämato- und lymphopoetisches Gewebe [5]. Die Parvovirose führt zu einer Enteritis mit Zerstörung der Darmschleimhaut, zu massivem Abfall der zirkulierenden Leukozyten und zu einem vom Alter und Immunstatus abhängigen schwergradigen, teils tödlichem Krankheitsverlauf.
Per definitionem sind perakute Erkrankungen außergewöhnlich schnell auftretende Erkrankungen, die eine Dauer von 1 – 2 Tagen aufweisen. Beim perakuten Verlauf der Panleukopenie werden die Katzen häufig hypotherm oder komatös im terminalen Stadium eines septischen Schocks aufgefunden und sterben oft innerhalb von 12 Stunden nach nur leichten (Vomitus) oder fehlenden Initialsymptomen. Diese Verlaufsform ist vor allem bei jungen Katzen bekannt, die jünger als 6 Wochen alt sind. Der Schutz durch maternale Antikörper lässt mit der 5. – 8. Woche nach, wodurch eine höhere Empfänglichkeit für die Panleukopenie beginnt. Die Mortalität bei der perakuten Form der Panleukopenie liegt bei nahezu 100% [6].
Fallbericht
In der Kleintierpraxis der Autorin wurde eine 11 Jahre alte, männlich-kastrierte Europäisch-Kurzhaar-Katze, die mit zwei weiteren Artgenossen in einer Wohnungshaltung ohne Freigang lebt, wegen Vomitus und Anorexie vorgestellt.
Anamnese
Eine Grundimmunisierung des Tieres erfolgte im Welpenalter, eine Behandlung gegen Endoparasiten wurde nur sporadisch vorgenommen und Vorerkrankungen waren nicht bekannt. Die Besitzer füttern laut Anamnese verschiedene Futtermittel, mischen Trocken- und Feuchtfutter verschiedener Hersteller und nehmen regelmäßig einen Futterwechsel vor. Die 3 Katzen fressen gemeinsam aus verschiedenen Schalen und benutzen insgesamt 3 Katzentoiletten. Zugang zu Pflanzen besteht nicht, Haushaltsmittel und Medikamente sind unzugänglich und vorhandenes Spielzeug intakt – daher erscheint eine Fremdkörperaufnahme eher unwahrscheinlich.
Eine Woche zuvor zeigte der jüngste Kater im Haushalt eine nahezu identische Symptomatik mit Vomitus von Mageninhalt, später Schleim und Galle und wurde in einer anderen Tierarztpraxis vorgestellt. Die Ergebnisse der Blutuntersuchung lagen nicht vor, sie waren jedoch laut Besitzer ohne besonderen Befund. Dieser Kater war zum Zeitpunkt der Vorstellung fieberfrei und bei der allgemeinen Untersuchung konnten keine auffälligen Befunde erhoben werden. Der Verdachtsdiagnose Gastritis folgte eine symptomatische Behandlung mit Antiemetika und Schonkost und er zeigte zügige Besserung.
Erstuntersuchung
Der vorgestellte Patient zeigte am Vorabend des ersten Praxisbesuchs Inappetenz bei bestehender unauffälliger Wasseraufnahme. Der Vomitus begann um 3 Uhr morgens und wiederholte sich in den Folgestunden fünfmal. Zu Beginn wurde Futter erbrochen, im weiteren Verlauf Schleim und Galle. Der Kot- und Urinabsatz war unauffällig.
Der Kater war zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung ruhig, aufmerksam und bei gutem Ernährungs- und Pflegezustand, das Haarkleid glatt, glänzend, geschlossen und frei von Ektoparasiten. Der Body Condition Score betrug 6, sein Körpergewicht betrug 4,8 kg. Eine gezogene Hautfalte verstrich zügig und die Maulschleimhäute waren rosafarben, glänzend, feucht, ohne Auflage und die kapilläre Rückfüllzeit lag unter 2 Sekunden. Bei Inspektion der Maulhöhle zeigte sich geringgradiger Zahnstein.
FPV-Kurzinfo
- kleines, einsträngiges und unbehülltes DNA-Virus
- sehr stabil, hält sich bei Raumtemperatur bis zu 1 Jahr auf kontaminierten organischen Oberflächen
- Einschleppung mit infizierten Gegenständen (Kleider, Schuhe, Transportboxen, Näpfe etc.)
- Übertragung über Flöhe und Insekten ist möglich
Abdomen, Herz und Kreislaufsystem
Alle peripher palpablen Lymphknoten waren verschieblich, nicht vergrößert oder schmerzhaft. Die Palpation des Abdomens war unauffällig: Die Bauchdecke war weich, einzelne Darmschlingen und die Blase konnten palpiert werden. Der Femoralispuls war palpabel, auf beiden Seiten kräftig, regelmäßig und die Pulsfrequenz lag bei 160/min. Die Atemfrequenz lag bei 32/min. Es konnten physiologische Herztöne und Darmperistaltik auskultiert werden. Die rektal gemessene Körperinnentemperatur betrug 38,4 °C, die Körperoberflächentemperatur nahm nach peripher ab.
Am Tag der Erstvorstellung wurde eine weiterführende Untersuchung seitens der Besitzer nicht gewünscht, da der jüngere Kater eine Woche zuvor identische Symptome gezeigt hat, eine weiterführende Diagnostik nur unauffällige Befunde gezeigt hatte und eine symptomatische Behandlung erfolgreich war.
Folgeuntersuchung und Diagnostik
Am nächsten Tag wurde der Kater in der Notfallsprechstunde vorgestellt, da er eine deutliche Verschlechterung zum Vortag zeigte. Auffällige abweichende Befunde bei der Kontrolluntersuchung waren Apathie, Dehydratation (trockene Schleimhäute, KFZ > 3sec, die gezogene Hautfalte verstrich langsam), Seitenlage und Hypothermie (37,3 °C). Die Pulsfrequenz lag bei 200/min. Die Palpation des Abdomens ergab einen umfangsvermehrten Magen, gefüllte Darmschlingen und auskultatorisch eine erhöhte Darmperistaltik.
Der diagnostische Plan wurde nun um eine Blutuntersuchung und bildgebende Diagnostik erweitert, doch die Blutentnahme war weder an der Vena cephalica antebrachii noch an der Vena saphena medialis wegen des hypovolämischen Schocks und der kollabierten Gefäße möglich.
Röntgen und PCR
Zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen wurde eine Röntgenaufnahme rechtsanliegend laterolateral angefertigt (52 kV, 12 mAs). Röntgenologische Auffälligkeiten im Thorax waren eine Verschmälerung der Herzsilhouette und der herznahen Gefäße (Aorta und Vena cava caudalis), im Abdomen eine stark vergrößerte Magensilhouette (Ansammlung von Luft), im Umfang verbreiterte Dünndarmschlingen und eine gering gefüllte Harnblase (Abb. 1).

Der Kater wurde stationär aufgenommen und zeigte einen wässrig-stinkenden Durchfall. Ein Parvo-Snap-Test war nicht vorrätig, daher wurde nach Absprache mit den Besitzern Kot für eine Untersuchung auf das feline Parvovirus-Antigen an ein externes Labor gesendet.
Differenzialdiagnosen
Für Erbrechen bei der Katze kommen zahlreiche gastrointestinale und nicht-gastrointestinale Ursachen infrage, z. B.:
- Fremdkörper, gastrointestinale Obstruktion
- Unverträglichkeit von Futtermitteln (Allergie), Intoxikationen durch Futtermittel oder Aufnahme bzw. Kontakt mit Toxinen (z. B. Reinigungsmittel)
- infektiöse Auslöser wie Enterotoxine, Parasiten, Bakterien, Viren
- im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Niereninsuffizienz und Urämie, ZNS-Trauma, akute Pankreatitis
Eine akute Gastritis viraler Genese kann durch das Feline Immundefizienz-Virus, das Feline Leukämievirus, sowie durch Parvo-, Rota- und Coronaviren verursacht werden. Giardien und Olulanus sp. sind die wichtigsten Parasiten, die zu einer Gastroenteritis führen. Als Auslöser einer bakteriellen Gastritis kommen Dysbakterie/Überbesiedlung, Salmonella sp., Campylobacter sp, Yersinia sp., Shigella sp., E.coli, Clostridium sp., Helicobacter sp. und Gastrospirilium infrage [7]. Differenzialdiagnostisch erschienen im vorliegenden Fall Intoxikation, gastrointestinale Obstruktion (z. B. Pylorusstenose oder Invagination) und Feline Parvovirose erklärend.
Diagnose
Diagnostisch unterscheidet man direkte und indirekte Nachweisverfahren für die Parvovirose. Ein Antikörpernachweis (meist mit Hämagglutinationshemmtest), der bis zum Auftreten erster Symptome noch negativ sein kann, zählt zum indirekten Nachweis und ist wenig sinnvoll für die Diagnostik. Der direkte Nachweis wie die real-time PCR, welche Parvovirus-DNA aus Blut und Kot nachweist und bereits in der Frühphase einer Infektion bei noch nicht vorhandenem Durchfall oder Kotabsatz diagnostisch sein kann, ist zu präferieren. Da das Parvovirus nicht kontinuierlich ausgeschieden wird, kann dies zu falsch-negativen Testergebnissen führen. Der Test sollte daher im Verdachtsfall wiederholt werden. Die auf dem Markt vorhandenen Schnelltests sind von unterschiedlicher Spezifität und Sensitivität und basieren auf ELISA oder Immunchromatografieverfahren [6]. Achtung: Die Impfung eines Tieres mit einer modifizierten Lebend-Vakzine kann bis zu 2 Wochen (in Ausnahmen auch länger) nach der Impfung zu einem positivem PCR-Ergebnis führen.
Die eingeschickte Probe wurde auf feline Parvovirus-DNA mit Real-time-PCR-Verfahren untersucht, der Erreger nachgewiesen und nach aktueller Situation als Auslöser der Erkrankung identifiziert.
Therapie und Verlauf
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Es wurde eine Nachkontrolle am Folgetag vorgeschlagen, doch die Besitzer wurden mit dem Kater früher vorstellig, da sich sein Allgemeinbefinden hochgradig verschlechterte. Er zeigte kein Erbrechen mehr, wurde aber zunehmend ruhiger und isolierte sich von der Gruppe. Es konnte keine Futteraufnahme und nur geringe Wasseraufnahme beobachtet werden.
Station
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Postmortale Recherche
Die drastische Verschlechterung des Patienten gab den Anlass, erneut mit den Besitzern alle Hintergründe und Ereignisse zu evaluieren. Es stellte sich heraus, dass vor etwa 2 Wochen eine Mitarbeiterin des örtlichen Tierheims in der Wohnung war, da Interesse an der Aufnahme einer weiteren Katze bestand. Die Einrichtung wird von der Praxis der Autorin betreut und in den vergangenen Wochen sind dort 14 Kitten an der Katzenseuche verendet.
Die besuchende Hilfskraft betreut die im Tierheim lebenden Katzen, reinigt die Katzentoiletten und Stationsboxen, säubert Näpfe und pflegt einen engen Kontakt zu den Tieren und trägt dabei Arbeitskleidung. Die Schwester der Besitzerin arbeitet ebenso im Tierheim und achtet dabei ebenso auf Wechsel ihrer Schuhe, der Kleidung und die Desinfektion ihrer Hände. Zusätzlich betreut sie bei Bedarf die drei Katzen der genannten Tierbesitzer. Wenige Tage nach der Betreuung zeigte die jüngste Katze Erbrechen, welches sich rasch besserte. Da die Katzen nur in der Wohnung sind, noch nie in einer Pension waren und das Umfeld sonst konstant ist, stellte sich die Frage, ob die Betreuung durch das Tierheim-Personal eine Rolle spielen könnte.
Impfung gegen FPV ist Core!
Die sicherste Prophylaxe für FPV ist die korrekte Grundimmunisierung von Katzenwelpen plus kontinuierliche Boosterung für Katzen jeden Alters und in jeder Haltung. Somit zählt laut StIKo Vet die FPV-Impfung zu den sogenannten „Core-Vakzinen“ für Katzen.
Diskussion
Viele Fälle akuten Erbrechens sind Episoden relativ harmloser Magenstörungen und gehen in der Regel binnen kurzer Zeit spontan zurück. Weiterführende Untersuchungen erübrigen sich gewöhnlich, eine spezifische Diagnose kann häufig nicht gestellt werden [8].
Zu den wichtigsten viralen Infektionserregern gehören FIP, FIV, FeLV und FPV. Bei der Felinen Panleukopenie ist das häufigste Initialsymptom Diarrhoe, darauf folgen Vomitus, Anorexie, Apathie und Fieber. Die ersten klinischen Symptome treten nach einer Inkubationszeit von 4 – 6, gelegentlich auch bis zu 9 Tagen auf [9]. Laut einer Studie der LMU „Die Feline Panleukopenie – eine retroperspektive Studie“ wurde bei 39,9% der betroffenen Patienten als erstes Symptom Vomitus beobachtet, der zwischen 1 und 14 Tage vor der Vorstellung des Patienten begann und im Median 3 Tage anhielt [6], [10]. Anorexie trat bei 42%, Apathie bei insgesamt 23,9% der Patienten auf. Diese unspezifischen Symptome können seitens der Besitzer unterschätzt werde. Es besteht kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Katzen und Hypothermie ist ein negativ prognostischer Faktor.
Infektion
Die Anamnese nimmt nach Meinung der Autorin eine besondere Rolle für die Aufarbeitung von Katzen mit Verdacht auf Infektion mit FPV ein: Impfstatus, Haltung, Erkrankung von Artgenossen, mit denen der Patient zusammenlebt und mögliche Vektoren sollten erforscht und abgefragt werden. Eine systemische Infektion mit dem Felinen Parvovirus ist durch indirekten oder direkten Weg möglich [11]. Die Virusausscheidung dauert meist nur 1 – 2 Tage, jedoch können Feline Parvoviren bis zu 6 Wochen nach einer Infektion im Urin und Kot von Katzen nachgewiesen werden [11], [12], [13], [14]. Dabei sind Katzen in Umgebungen mit einer hohen Anzahl ungeschützter Tiere, wie in Katzenzuchten, in Tierheimen und in Auffangstationen besonders gefährdet [9], [13].
Bei dem vorgestellten Patienten konnten bei der Erstuntersuchung weitgehend nur unauffällige Befunde erhoben werden, die Anamnese ergab eine identische Symptomatik wie bei dem Artgenossen. Es bestand der Verdacht eines diätetisch bedingten Vomitus durch den Futterwechsel, jedoch war die massive Verschlechterung der Symptomatik (Hypothermie, Dehydratation, Schock) dazu nicht passend.
Verdachtsdiagnose
Differenzialdiagnostisch am sinnvollsten erschienen Intoxikation, Obstruktion (Pylorusstenose) und Feline Panleukopenie aufgrund des schnellen und drastischen Erkrankungsverlaufs. Eine Dolenz des Abdomens war während der klinischen Untersuchungen nicht feststellbar, jedoch ist die Aussagekraft der Folgeuntersuchung fraglich, da der Patient zum Zeitpunkt apathisch war. Da eine Blutuntersuchung am Folgetag nicht gelang, röntgenologisch die Darmschlingen dilatiert waren und gleichzeitig eine Hypovolämie vorlag, bestand der Verdacht einer Parvovirose, die in die Wohnung einschleppt worden war. Die Dehydratation war die Folge einer fehlenden Wasser- und Futteraufnahme und der Verlust von Flüssigkeit über den Gastrointestinaltrakt. Bei der Felinen Panleukopenie werden ein perakuter, akuter, subklinischer und klinisch inapparenter Verlauf unterschieden.
Perakuter Verlauf
Bei dem perakuten Verlauf versterben die Katzen innerhalb von 12 Stunden nach nur leichten oder fehlenden Initialsymptomen. Sie werden häufig hypotherm und komatös im terminalen Stadium des septischen Schocks aufgefunden, ohne vorher auffällig gewesen zu sein [3]. Die Katzen können noch Vomitus zeigen, sterben jedoch meist, bevor sie Diarrhoe entwickeln. Bei einem perakuten Verlauf oder dem Bestehen von Komplikationen, wie Sepsis oder DIC ist trotz Intensivtherapie die Prognose ungünstig [3] und die Mortalität beträgt nahezu 100% [13]. In erster Linie erfolgt eine symptomatische Therapie, welche aus passiver Immunisierung, felinem Interferon, Antibiose, Infusionstherapie und begleitenden Maßnahmen wie bspw. parenteraler Ernährung besteht, die zum größten Teil von der Autorin eingeleitet wurden, jedoch keine Besserung mit sich führten. Letztlich wird eine Disseminierte Intravasale Koagulopathie und ein Multiorganversagen zum Tod des Patienten geführt haben.
Immunität
Die unterschiedliche Immunitätslage des Patienten und seiner Artgenossen im Haushalt wird den unterschiedlichen Verlauf begründen können. Nach über 7 Jahre können einmalig geimpfte Katzen ohne Boosterung noch ausreichend hohe Antikörpertiter aufweisen, die einen wirksamen Schutz gegen virulente Feline Parvoviren bieten. Die Impfung gegen die feline Panleukopenie gehört zu den sogenannten Core-Vakzinen und wird aufgrund des ubiquitären Vorkommens und dem oft tödlichen Verlauf der Krankheit ausdrücklich für alle Katzen empfohlen [15]. Dafür stehen verschiedene attenuierte Lebendimpfstoffe und inaktivierte Vakzine zur Verfügung, die eine sehr gute Immunität induzieren. Inaktivierte Vakzine können Adjuvantien enthalten, die die Immunantwort verstärken und an dessen Injektionsstelle Granulome entstehen, aus denen sich Sarkome entwickeln und sind daher nicht zu präferieren [16], [17], [18].
Fazit
Bei einer Katze mit Vomitus muss auch immer an eine Infektion mit FPV gedacht und eine umfassende Anamnese, insbesondere zur Erfassung der Immunitätslage und Lebensumstände durchgeführt werden. Bestätigt sich der Verdacht einer Felinen Parvovirose ohne Immunität, so kann es zu einem perakuten Verlauf kommen, dessen Mortalität bei ca. 100% liegt. Eine Prophylaxe dieser schwerwiegenden Erkrankung durch lebenslange Impfung und entsprechende Aufklärung der Besitzer ist daher ein wichtiges Ziel der tiermedizinischen Praxis.
Der Originalbeitrag zum Nachlesen:
Dockhorn S. Perakuter Verlauf der Panleukopenie bei einer Wohnungskatze. Veterinärspiegel 2022; 32(03): 103 - 108. doi:10.1055/a-1885-9055
(IR)
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