
Die Haltung von Alpakas wird weltweit immer beliebter. Neben der Nutzung für Wolle und zunehmend Fleisch gewinnen sie auch als Hobby-, Therapie- und Begleittiere an Bedeutung. Damit rückt ihr Wohlergehen stärker in den Fokus. In einer neuen Studie haben Forschende der University of Life Sciences in Lublin, Polen daher mögliche Stressquellen von Alpakas untersucht und in dem Zusammenhang deren Verhaltens- und Körperreaktionen beobachtet. Ziel der Studie war es, Möglichkeiten zur Verbesserung des Wohlbefindens von Alpakas unter europäischen Haltungsbedingungen aufzuweisen.
Ziel und Methodik
Nach einer umfassenden Literaturrecherche haben die Autorinnen die Rechercheergebnisse in folgende 3 Themenbereiche gegliedert:
1. Stressregulation und Stressbewertung
Stress wird als unspezifische Reaktion auf Umweltreize definiert. Alpakas zeigen dabei sowohl akute Stressreaktionen (Fluchtversuche, Schreien, Spucken, Steigen, erhöhter Puls) als auch mittel- oder langfristige Folgen (Veränderungen im Fressverhalten, Wolle als Langzeit-Stressindikator). Die Schur wurde laut den Autorinnen in mehreren Studien als deutlicher Stressor bestätigt, selbst wenn sie für die Thermoregulation notwendig ist.
2. Alpaka-Wohlbefinden und die 5 Freiheiten
Das Wohlbefinden von Alpakas hängt laut den Autorinnen von verschiedenen Faktoren ab. Diese wurden in der Studie genauer als die 5 Freiheiten definiert. Werden diese eingeschränkt, zum Beispiel durch Entzug von Futter oder durch Krankheit, leidet das Wohlbefinden der Tiere deutlich, so heißt es in der Studie.
Die 5 Freiheiten
- Freiheit von Hunger und Durst
- Freiheit von Unbehagen
- Freiheit von Schmerz, Verletzung und Krankheit
- Freiheit von Angst und Stress
- Freiheit, natürliches Verhalten auszuleben
3. Bedeutung des Verhaltenswissens
Eine weitere wichtige Komponente für das Wohlbefinden von Alpakas und demnach auch für eine stressarme Haltung, ist die Kenntnis über die Verhaltensweisen der Tiere. Diese würde bei vielen Besitzer*innen allerdings nicht ausreichen, so die Autor*innen. Dementsprechend sollten sich Halter*innen umfassend zu agonistischen und affiliativen Verhaltensweisen informieren.
Zudem soll auch eine positive Mensch-Tier-Beziehung durch einen sanften Umgang oder spezielle Trainings zu weniger Stress und besserem Handling führen.
Schlussfolgerungen
Die Autorinnen schlussfolgern, dass eine tiergerechte Alpaka-Haltung fundierte Kenntnisse über Stressmechanismen und Verhaltensbiologie voraussetzt und sich an den 5 Freiheiten des Tierschutzes orientiert. Sie umfasst eine artgerechte Fütterung, eine stabile Herdenhaltung sowie ausreichend Platz, um das natürliche Sozial- und Bewegungsverhalten zu ermöglichen. Zentral ist die konsequente Reduzierung von Stressoren, insbesondere im Rahmen der Schur und bei medizinischen Maßnahmen, sowie der Aufbau positiver und ruhiger Mensch-Tier-Beziehungen. Die kontinuierliche Beobachtung natürlicher Verhaltensweisen dient dabei als wichtiger Indikator für das Wohlbefinden der Tiere. Da verlässliche und praxistaugliche Wohlfahrtsindikatoren für Alpakas bislang nur unzureichend erforscht sind, betonen die Studienautorinnen den Bedarf nach weiterer Forschung.
Mehr zu Stress & Wohlbefinden von Alpakas
Die vollständige Studie auf Englisch finden Sie hier:
Alpaca's stress and welfare from behavioral and physiological perspectives
Der Originalbeitrag zum Nachlesen:
Budzyńska, M.; Kapustka, J. Alpaca's stress and welfare from behavioral and physiological perspectives. Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere, DOI: 10.1055/a-2632-2386
(JD)


