BornavirusBornavirus bei Pferden: Aktuelle Fälle, Verdachtsfall im Spitzensport & Prävention

Update vom 12.01.2026: Das Dressurpferd Diallo der mehrfachen Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl ist nachweislich nicht an einer Bornavirus-Infektion gestorben.

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Ein fuchsfarbenes Pferd steht auf einer Weide. Das Wetter ist sonnig und das Pferd schaut aufmerksam.
Ines Hasenau/stock.adobe.com
Pferde gelten als Fehlwirte für das Bornavirus. - Symbolbild

Aktueller Anlass: Verdacht auf Bornavirus nach plötzlichem Tod des Dressurpferds „Diallo“ (Januar 2026)

Der plötzliche Tod des international erfolgreichen Dressurpferds Diallo, geritten von der mehrfachen Olympiasiegerin Jessica von Bredow‑Werndl, lenkt zu Jahresbeginn 2026 erneut große Aufmerksamkeit auf das Bornavirus. Das 11-jährige Nachwuchspferd war Anfang Januar nach einer akut verlaufenden Erkrankung in eine Münchner Pferdeklinik gebracht worden und verstarb dort innerhalb kurzer Zeit. Als mögliche Ursache wird laut übereinstimmenden Medienberichten eine Bornavirus‑Infektion untersucht; endgültige Laborergebnisse stehen noch aus. 

Diallo galt als ein vielversprechender Hoffnungsträger im internationalen Dressursport und erzielte 2025 zahlreiche Erfolge, u.a. in München, Hagen und Stuttgart. Sein überraschender Tod und der geäußerte Infektionsverdacht haben die Diskussion um Bornavirus‑Risiken bei Pferden und die regionale Ausbreitung des Erregers erneut verstärkt.

Update vom 12.01.2026

In einem neuen Statement auf Instagram verkündete Jessica von Bredow-Werndl, dass das Bornavirus nun als Todesursache von Diallo ausgeschlossen werden konnte. Auch andere regional relevante Viren kommen nach den Laborergebnissen nicht in Frage. Nach Ausschluss weiterer Differenzialdiagnosen könne allerdings eine unvorhersehbare Krankheitsursache, wie beispielsweise ein Infarkt im Gehirn, den Tod von Diallo ausgelöst haben. Eine Bestätigung gibt es hierfür allerdings noch nicht.
 

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aktueller Anlass 2026: Verdacht auf Bornavirus beim verstorbenen Dressurpferd Diallo (Verdacht wurde nicht bestätigt).
  • Zwei bestätigte Fälle 2025 bei Pferden im Landkreis Neumarkt (Bayern), Fälle untereinander nicht verbunden.
  • Warnung 2024 in Oberbayern: Nachweise bei mehreren Tieren (inkl. Igeln).
  • Für Menschen: Bornavirus verursacht schwere, meist tödliche Enzephalitis; milde Verläufe sind nicht dokumentiert.
  • Prävention: Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Spitzmäusen und Wildtieren, Hygiene, sachgerechte Entsorgung.

Aktuelle Lage in Bayern (2024–2025)

Bestätigte Fälle bei Pferden im Landkreis Neumarkt 

Im Januar und März 2025 wurden im Landkreis Neumarkt zwei Pferde positiv auf das Virus der Borna'schen Krankheit“ (Borna disease virus 1, BoDV-1) getestet. Ein Tier verstarb Anfang des Jahres, das zweite musste wenig später in einer Tierklinik euthanasiert werden. Laut Behördenangaben besteht kein Zusammenhang zwischen den Fällen. 

Der Landkreis teilte mit, dass seit dem 01.01.2024 neben den beiden Fällen in Neumarkt bei je einem Pferd im Landkreis Prignitz, Weißenburg-Gunzenhausen und Kelheim das Bornavirus aufgetreten ist.

Vorsorgliche Warnung im Landkreis Ebersberg (Oberbayern) 

Bereits 2024 hatte der Landkreis Ebersberg eine vorsorgliche Warnung veröffentlicht, nachdem in der Region mehrere Tiere – darunter auch Igel – positiv auf das Bornavirus getestet wurden. Ein weiterer Nachweis aus einer Igelpflegestation in Niederbayern stammt aus Eggenfelden. Der letzte bekannte Fall war im September 2024.

Was ist das Bornavirus? 

Das Borna disease virus 1 (BoDV‑1) verursacht sowohl bei Pferden und anderen Säugetieren als auch beim Menschen schwer verlaufende Enzephalitiden. Der Erreger ist in bestimmten Regionen Deutschlands endemisch und wird seit 2020 beim Menschen meldepflichtig erfasst.

Natürliche Wirte & Reservoir

  • Reservoir: Die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) trägt das Virus lebenslang, ohne selbst zu erkranken. 
  • Empfängliche Tiere: Besonders Pferde, Schafe und Alpakas, aber generell viele Säugetiere. 
  • Übertragung: Über Kot, Urin, Speichel oder Hautschuppen des Reservoirs. Die exakte Infektionsroute auf größere Haustiere und den Menschen ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.

Übertragung, Pathogenese & Inkubationszeit

Labor- und Feldstudien deuten auf mögliche Eintrittswege über:

  • Schleimhäute des oberen Respirationstrakts 
  • Schleimhäute des Verdauungstrakts 
  • Hautläsionen

Eine Übertragung über belasteten Staub oder Aerosole ist bislang nicht belegt, aber nicht ausgeschlossen. Nach Infektion wandert das Virus über periphere Nerven ins ZNS und löst dort eine nichteitrige, immunvermittelte Enzephalitis aus.

Die Inkubationszeit kann in Tiermodellen Wochen bis mehrere Monate betragen.

 

Symptome

Beim Menschen

Beim Menschen entspricht die klinische Symptomatik der einer akuten Enzephalitis. Sie ähnelt in ihrem Verlauf der Bornaschen Krankheit beim Tier.

  • Fieber
  • starke Kopfschmerzen 
  • darauf folgende Sprachstörungen und motorische Anomalien
  • rasche Verschlechterung bis zum Koma

Die Sterblichkeit ist hoch (mediane Zeit zwischen Krankenhausaufnahme und Tod = 4 Wochen); milde oder symptomarme Verläufe sind nicht dokumentiert.

 

Bei Pferden
  • Auffälligkeiten im Verhalten (Apathie, Ängstlichkeit oder Übererregbarkeit, Leerkauen, langsames Kauen mit Unterbrechungen des Kauvorgangs, Gähnen, Kopfpressen, Ausschachten des Penis ohne Harnabsatz)
  • Bewusstseinsstörungen
  • therapieresistentes Fieber
  • Bewegungsstörungen (Ataxien, Überkreuzen der Beine, breitbeinige Stellung)
  • deutliche neurologische Ausfälle (Tortikollis, Manegebewegungen, Dysphagie)
  • oftmals tödlicher Verlauf

Der vollständige Originalbeitrag "Bornavirus-Enzephalitiden (Borna disease virus 1, BoDV-1; variegated squirrel bornavirus 1, VSBV-1)" erschien in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift.

Zur Borna-Krankheit beim Pferd: Borna-Krankheit. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A, Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. Stuttgart: Enke Verlag; 2016

Prävention & praktische Schutzmaßnahmen

Empfohlen wird – insbesondere in Endemiegebieten:

  • Kontakt zu toten Spitzmäusen nur mit Gummihandschuhen 
  • Bei Staubentwicklung: Maske + Schutzbrille 
  • Entsorgung in verschließbaren Plastiktüten über den im Hausmüll 
  • Anschließend Duschen und Kleidung waschen
  • Im Umgang mit Igeln zusätzlich Vorsicht wegen anderer potenzieller Erreger (infektiöse Bakterien und Parasiten)

Mehr zum Thema:

Verbreitung in Deutschland 

Laut Meldedaten treten Bornavirus‑Infektionen beim Menschen vor allem in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und den angrenzenden Teilen der benachbarten Bundesländer vor. Seit Einführung der Meldepflicht 2020 werden laut Robert-Koch-Institut (RKI) jährlich bis zu 6 Fälle registriert. Primär stammen die Meldungen aus Bayern. 

FAQ – Häufige Fragen zum Bornavirus

Ist das Bornavirus für Menschen gefährlich?

Ja, es verursacht eine schwere, meist tödliche Enzephalitis.

Können auch andere Tiere als Pferde erkranken?

Ja: Schafe, Alpakas und verschiedene Wildtierarten wurden als empfänglich beschrieben.

Wie kann man sich schützen?

Besonders bei Kontakt mit Spitzmäusen oder Wildtieren sind Handschuhe, Masken und Hygiene entscheidend.

Gibt es asymptomatische Infektionen beim Menschen?

Bisher sind keine belegt.

Meldung vom 29.11.2024, aktualisiert am: 11.04.2025 | ergänzt um Entwicklungen vom Januar 2026

Quellen (nach Angaben von):
Warnung vor Borna in Bayern - Unter anderem Igel infiziert (proplanta.de) 02.11.2024
Rubbenstroth D., Beer M. "Bornavirus-Enzephalitiden (Borna disease virus 1, BoDV-1; variegated squirrel bornavirus 1, VSBV-1)" Dtsch Med Wochenschr 2023; 148(13): 864-865 DOI: 10.1055/a-2096-6323
Zweiter Fall von Borna´scher Krankheit beim Pferd im Landkreis (landkreis-neumarkt.de) 14.03.2025
Jessica von Bredow-Werndls Diallo lebt nicht mehr
Borna-Krankheit. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A, Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. Stuttgart: Enke Verlag; 2016
Bredow-Werndl trauert um Pferd: Olympiasiegerin nennt neue Details zum Tod von Diallo - ntv.de

(IR/Lö/JD)