
Anhaltender Frost, vereiste Gewässer und eingeschränkte Nahrungsverfügbarkeit stellen insbesondere geschwächte Tiere vor große Herausforderungen. Nicht alle Vögel überstehen diese extremen Bedingungen. Auch wenn der Anblick toter Tiere belastend sein kann, handelt es sich häufig um die natürliche Sterblichkeit, die in strengen Wintern erhöht ist. Verschärfend kommt hinzu, dass geschwächte Tiere anfälliger für Infektionen sind – in Berlin wurde vor kurzem bei einigen Schwänen Aviäre Influenza (Vogelgrippe) nachgewiesen.
Keine eigenständigen Rettungsversuche bei festgefroren Schwänen
Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) teilt mit, dass derzeit vor allem viele Höckerschwäne gemeldet werden, die scheinbar oder auch tatsächlich im Eis festgefroren sind. Schwäne kommen in der Regel auch mit vereisten Flächen gut zurecht. Bei Kälte reagieren Wasservögel zudem mit der Absenkung ihres Stoffwechsels und verharren bewegungslos. Außerdem schafft aufgeplustertes Gefieder eine isolierende Luftschicht und die Bürzeldrüse produziert ein öliges Sekret, das die Tiere vor Kälte und dem Festfrieren schützt. Unter extremen Witterungen können jedoch kranke, verletzte und immobile Wasservögel im Eis einfrieren. Von eigenständigen Rettungsversuchen wird in allen Fällen vom Leibniz-IZW unbedingt abgeraten, denn sie gefährden die Helfenden und können auch die Tiere stark stressen. Die Eisdecke ist nicht stabil, so dass die Bergung von sterbenden und toten Schwänen auf dem Eis selbst für die Wasserpolizei und Feuerwehr schwierig und gefährlich ist.
Vogelgrippe bei Wasservögeln in Berlin
In diesem Winter wurden mehrere tote Wasservögel in Berliner Gewässern gefunden, bei denen ein Zusammenhang mit der Vogelgrippe vermutet wird. Nach aktueller Datenlage konnte in 41 verendeten Wildvögeln in Berlin Vogelgrippe gesichert nachgewiesen werden, bei 14 weiteren Verdachtsfällen steht die Bestätigung des nationalen Referenzlabors im Friedrich-Loeffler-Institut noch aus. Auffällig ist gegenwärtig die hohe Zahl der vermutlich mit hochpathogener Aviärer Influenza infizierten Schwäne. Wasservögel wie Schwäne gelten als natürliche Wirte des Virus, und Ausbrüche treten häufig in der kalten Jahreszeit auf.
Hohes Ansteckungs- und Übertragungsrisiko
Da von der Vogelgrippe ein erhebliches Ansteckungs- und Übertragungsrisiko ausgeht, gilt:
- Tote oder offensichtlich kranke Vögel nicht anfassen
- Hunde in Wassernähe an der Leine führen
Verendeten Vogel gefunden?
- Wer tote Wasser-, Raben- oder Greifvögel findet, kann den Fund den zuständigen Veterinärämtern des Bezirks melden, damit die Tiere untersucht werden können.
- Landwehrkanal: das Veterinäramt Friedrichshain-Kreuzberg ist über die Situation der Schwäne am Landwehrkanal bereits informiert und im Einsatz.
- Singvögel und Tauben gelten als nicht anfällig für den Vogelgrippe-Erreger, sodass eine Untersuchung in der Regel nicht notwendig ist. Wie alle verendeten Wildtiere sollten aber auch diese Vögel nicht berührt werden.
- In öffentlichen Bereichen kann die Polizei (Tel. 110) informiert werden, die die Meldung weiterleitet.
- Beratung erhalten Sie beim Netzwerk Wildtiernah Berlin telefonisch (030) 5 168 168 oder unter www.wildtiernahberlin.de
Füttern untersagt
Generell ist es in Berlin laut § 34 Absatz 4 Satz 1 Landesjagdgesetz Berlin verboten, jagdbare Arten zu füttern. Darunter fällt auch Federwild wie zum Beispiel Höckerschwäne, Wildgänse und Wildenten. Wird trotzdem vor Ort gefüttert, kann die Ansammlung der Tiere im Wasser das Infektionsrisiko massiv erhöhen, weil sich die Tiere schneller untereinander mit Vogelgrippe anstecken. Das Fütterungsverbot sollte daher nicht nur aus Gründen der Seuchenprävention ernst genommen werden.
Schutz von Mensch und Tier
Die Behörden behalten die Situation im Blick und untersuchen gemeldete Funde entsprechend. Durch umsichtiges Verhalten und das Befolgen dieser Hinweise können Bürger*innen dazu beitragen, die Ansteckungsgefahr für Menschen, Haustiere und wildlebende Tiere zu verringern. Eine Bergung entkräfteter oder toter Vögel erfolgt unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen von den zuständigen Behörden, sobald die Wetterlage dies gefahrlos zulässt.
Quelle (nach Angaben von):
Extreme Witterung führt zu erhöhten Verlusten bei Wasservögeln (izw-berlin.de)
(IR)





