BlogDie nachhaltige Geldanlage

Das Geld nachhaltig verwalten und investieren. Grüne Banken bieten alle klassischen Bankgeschäfte für eine nachhaltige Geldanlage an – doch wann ist eine Bank überhaupt grün?  

In einer Hand ist eine Glasschale mit einem Spross von einem Baum, der aus einem Haufen Münzen wächst. Der Hintergrund ist verschwommen und erscheint in hellgrüner Farbe.
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Die Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen wächst stetig. - Symbolbild

Viele konventionelle Banken müssen sich schon seit längerem den Vorwurf gefallen lassen, dass sie nun wirklich nichts mit Nachhaltigkeit zu tun haben. Dann doch lieber in Angebote von grünen Banken investieren! Aber sind diese Banken wirklich so nachhaltig wie sie von sich behaupten? Und was macht eine grüne Bank überhaupt zu einer grünen Bank?

Kritik an Bankgeschäften

Gerade in der jüngeren Vergangenheit sind die konventionellen Bankhäuser unter Druck geraten: Der Handel mit heiklen Finanzprodukten, intransparente Lobbyarbeit, unmoralische Gehälter an Banker oder auch Investitionen in Rüstungsgeschäfte, Atom- und Kohlestrom, neben Spekulationen an Lebensmittelbörsen und Geschäftsbeziehungen mit fragwürdigen Unternehmen und Regierungen hält immer mehr Anleger davon ab, ihr Geld bei diesen Banken anzulegen [1]. Indes wird der Ruf nach nachhaltigen Geldanlagen bei sog. grünen bzw. ethischen Banken immer lauter.

Was grüne Banken auszeichnet

Diese grünen Banken verzichten etwa auf Spekulationen mit Nahrungsmitteln, unterstützen die Energiewende und arbeiten transparent. Auch gehen sie keine Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen ein, die z.B. Kinderarbeit, Gentechnik oder Tierversuche dulden [1, 2]. Noch dazu investieren sie das Geld sinnvoll, d.h. in ökologische und soziale Projekte. Grüne Banken bieten alle klassischen Bankgeschäfte von Girokonto bis Anlage in Tages- und Festgeld, Kredite und Wertpapierdepots (Aktien, Fonds usw.) an. Dabei sind die Konditionen für die einzelnen Produkte ganz unterschiedlich und der Markt ist dadurch für den Laien oft unüberschaubar [2, 3]. Bei der Wahl einer grünen Bank ist es deshalb wichtig, auf ein Unternehmen zu setzen, das den persönlichen Werten in punkto Nachhaltigkeit am ehesten entspricht. 

Zwar regelt die EU auf der Grundlage wissenschaftlicher Ergebnisse, was nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten sind, aber Begriffe wie „grün“, „klimafreundlich“ oder „ethisch“ sind nicht geschützt, so dass der Verbraucher gezwungen ist, genau hinzuschauen [3]. Produkte, die Nachhaltigkeitskriterien einbeziehen, sind oft mit den Kürzeln ESG (Environmental, Social and Governance) oder SRI (Socially Responsible Investment) gekennzeichnet. Diese dürfen laut Europäischer Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) aber nur verwendet werden, wenn mindestens 80% ökologische, soziale oder nachhaltige Merkmale enthalten sind [4].    

Wie Geldanlagen nachhaltig werden

Von einem ersten Ansatz, den Do-nots, also z.B. auf Tierversuche, Kinderarbeit und Gentechnik zu verzichten, wurde weiter oben schon berichtet. Durch die von den Banken selbst auferlegten Wertestandards werden die Produkte gleich um einiges nachhaltiger. Ein zweiter Ansatz liegt im Bereich der gezielten Investitionen. Das bedeutet, dass Bankhäuser mit dem von den Anlegern geliehenen Geld gezielt Unternehmen unterstützen, die z.B. auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien, im Bildungs- und Gesundheitswesen tätig sind. Beim dritten, dem Best-in-Class-Ansatz wird dagegen in Unternehmen investiert, die beim Umweltschutz und bei sozialen Standards führend sind. Im vierten Ansatz werden schließlich die Finanzdienstleister dahingehend geschult, in direkten Kontakt mit Unternehmen zu treten, um Verbesserungen im Umwelt- und Sozialbereich durchzusetzen [4]. 

 Ein erster Schritt zur Nachhaltigkeit: das grüne Girokonto

Wer sich nicht gleich traut, in eine grüne Geldanlage zu investieren, weil das Risiko zu hoch erscheint, kann ganz einfach und risikofrei mit einem grünen Girokonto starten. Hier gibt es genau dieselben Funktionen und Möglichkeiten wie bei einem konventionellen Girokonto: Kreditkarte, Online-Banking, Bargeld – alles unproblematisch und ohne Einschränkungen, da grüne Banken meist ebenso an den Geldautomaten-Verbund angeschlossen sind, wie herkömmliche Banken. Auch ist das Geld auf dem grünen Girokonto über die gesetzliche Einlagensicherung mit bis zu 100.000 Euro pro Person geschützt. Es kann lediglich sein, dass weniger Filialen oder persönliche Beratungsmöglichkeiten zu Verfügung stehen. Dem Transparenzgrundsatz verpflichtet, geben grüne Banken i.d.R. offen an, wie hoch die anfallenden Gebühren für ein grünes Girokonto sind [3]. 

 

Grünes Sparen und grüne Geldanlage

Soll Geld für die näherliegende Zukunft, als Reserve oder für eine Absicherung zu Verfügung stehen, kann auch dieses Geld grün, dabei aber sicher angelegt werden. Sparbücher, -briefe, Tages- und Festgelder sind nämlich ebenso sehr von der gesetzlichen Einlagensicherung abgedeckt wie das Geld auf dem Girokonto.

Sollen mit der Geldanlage auch soziale oder ökologische Projekte unterstützt werden, kann dies dagegen nur mit einer Investition in Aktien, Fonds oder die Exchange Traded Funds (ETFs) erfolgen, die genau solche Projekte unterstützen und fördern. Diese Geldanalgen sind allerdings mit einem höheren Risiko und einer geringeren Verfügbarkeit verbunden, da (um eine entsprechende Rendite zu erreichen) für eine längere Zeit in sie investiert werden muss. 

Investmentfonds und ETF

Ein Investmentfond bündelt das Geld mehrerer Anleger in Form eines Sondervermögens. Solche Fonds gelten als risikoärmer als Aktien oder Anleihen und werden von Fondsmanagern aktiv verwaltet, indem sie die Fonds gemäß einer festgelegten Strategie stetig anpassen. Investmentfonds gibt es als Aktien-, Renten-, Immobilien- oder auch Mischfonds. Wie Aktien unterliegen auch sie Kursschwankungen. Da das Vermögen aber gestreut ist, verringert sich das Risiko. 

Zu Fonds mit einem passiven Management werden dagegen Exchange Traded Funds (ETF) gezählt. Diese bilden Indizes ab und investieren in die Unternehmen anhand eines zugrundeliegenden Index. Nachhaltig werden Investmentfonds und ETFs dann, wenn sie auf bestimmte Umwelt- oder Sozialprojekte fokussiert sind und diese unterstützen. 

 

Qualitätssicherung grüner Geldanalagen

Eine unabhängige Einschätzung, ob es sich bei der gewählten Bank tatsächlich um nachhaltige Kreditinstitute oder ein entsprechend grünes Anlagenangebot handelt, liefert z.B. der Fair Finance Guide Deutschland von Facing Finance e.V. (Vergleich verschiedener Banken [4]) oder auch die Stiftung Warentest (Vergleich verschiedener Banken und Finanzprodukte [2]). Speziell bei der Auswahl des richtigen Fonds kann die Kennzeichnung mit den Benchmarks PAB (Paris-aligned Benchmark) oder CTB (Climate Transition Benchmark) im Namen des Fonds hilfreich sein. Sie zeichnen sich nachweislich durch ihr Bestreben aus, die Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, bzw. den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren. Auch das sog. Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.(FNG)-Siegel und die Global Alliance for Banking on Values bieten eine hilfreiche Orientierungsmöglichkeit [3].

Auswirkung nachhaltiger Geldanlagen

Doch welcher Effekt lässt sich mit grünen Geldanalgen wirklich erreichen? Generell lässt sich ein direkter Einfluss durch die Inkaufnahme einer geringeren Rendite oder Sicherheit erreichen. Hierdurch allerdings können grüne Ansätze oder umweltbezogene Verbesserungen oft überhaupt erst ermöglicht werden. Dies kann dann der Fall sein, wenn z.B. mit der Geldanlage eine Finanzlücke eines Umweltprojekts geschlossen werden kann oder wenn mit geringeren Kreditkosten höhere Umweltstandards umgesetzt werden können. Ähnlich wie das grüne Girokonto als Aushängeschild eines nachhaltigen Lebensstils [1] fungiert, ermöglicht es die grüne Geldanlage dem Eigentümer oder auch dem Finanzanbieter, Unternehmen zu einem stärkeren Nachhaltigkeitsdenken zu bewegen. Öffentliche Aufmerksamkeit übt Druck auf das Schaffen von nachhaltigen Verbesserungen aus und hat bestenfalls noch Einfluss auf das Ergreifen politischer Maßnahmen [2].

Allerdings hängt die Auswirkung nachhaltiger Geldanlagen immer auch von der Geldanlage selbst ab und differiert im Einzelfall ganz erheblich (Girokonto versus Investmentbanking). Oft wird die Wirksamkeit aufgrund fehlender Transparenz und unzureichender Produktinformationen per se infrage gestellt. Das Problem des Greenwashings gehört in vielen Bankhäusern und Unternehmen zum bitteren Alltag. Auch bestehen oft keine genauen Angaben darüber, wie groß der tatsächliche Einfluss eines Produkts ist, ab wann dieser eintritt und wie er überhaupt gemessen werden kann. 

Als positiv bewertet werden muss in diesem Zusammenhang aber auf alle Fälle, dass die Nachfrage an nachhaltigen Geldanlagen stetig zunimmt. Es darf daher erwartet werden, dass immer mehr Angebote diesbezüglich geschaffen werden.

  1. Hecht B. Ethische Banken: Die 6 besten im Überblick. Utopia.de. 12. September 2025. Zuletzt aufgerufen am 02. November 2025. utopia.de/ratgeber/ethische-banken-die-besten-im-uberblick_514234/
  2. Baur K. Nachhaltige Banken im Vergleich. Geld auf die grüne Bank schieben. Stiftung Warentest. 19. März 2025. Zuletzt aufgerufen am 02. November 2025. www.test.de/Nachhaltige-Banken-Vergleich-4590882-0/
  3. Bundesumweltamt. Grüne Geldanlagen dienen dem Umwelt- und Klimaschutz. 10. September 2024. Zuletzt aufgerufen am 02. November 2025. www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/haushalt-wohnen/nachhaltige-geldanlage
  4. Verbraucherzentrale Bremen. Nachhaltig anlegen. Oktober 2024. Zuletzt aufgerufen am 02. November 2025. www.verbraucherzentrale-bremen.de/sites/default/files/2025-01/nachhaltig-anlegen-fuer-mensch-und-umwelt.pdf