
„Die einzelnen Posten der GOT noch genauer erklären…“, „Die GOT in der Praxis auslegen…“ – echt jetzt? Nun ist aber mal gut! Es stimmt ja hoffnungsfroh, dass die Vertreter aus Politik, Reitsportverband und Tiermedizin wieder mehr aneinandergerückt sind, um einen neuen Schulterschluss zu wagen (so viel sei gesagt: die Entschuldigung der FN hat nicht nur gutgetan, sondern war mehr als überfällig), aber wieso müssen sich Tierärzte denn schon wieder für ihre Leistungen rechtfertigen, indem sie alles noch genauer erklären und minutiös in ihren Rechnungen darlegen?
Mehr zum Thema:
Ich habe die Rechnung meines Zimmermanns anlässlich meiner Dachterrassensanierung versucht zu lesen und zu verstehen. Es ist mir nicht in allen Punkten gelungen. So sehr wie ich Anrecht hätte nachzufragen, ich habe es nicht getan. Erstens war das Gesamtkonzept schlüssig und zweitens bekomme ich den Mann so schon kaum ans Telefon... Gute Handwerker kosten gutes Geld – das weiß jeder und ist ein ungeschriebenes Gesetz. Und ganz so hat es auch der hessische Minister Jung verlauten lassen: Gute Leistung kostet auch bei uns gutes Geld. So ist das. Statt mit den neuen alten Freunden in frischer Eintracht an unserem neuen Selbstwertgefühl zu arbeiten, sollen wir schon wieder alles rechtfertigen! Wenn Kunden Verständnisfragen bezüglich unserer Rechnung haben, sollen sie bitte einfach nachfragen (machen sie doch eh schon und das Antworten klappt auch schon ganz gut).
Haben wir es nicht aus berufenem Munde in Wiesbaden gehört? Wir sind ein „Engpassberuf“. Auch hier sei wieder mal auf den vielzitierten Osten unseres Landes verwiesen: Dort sieht es regional in puncto tiermedizinischer Versorgung schon jetzt beängstigend mau aus! Keine Tierärzte, schon gar nicht fürs Land und noch weniger fürs Land im Osten… aber wir heulen, jammern und diskutieren über unsere Preise – und gerade mit der Pferdeklientel immer noch über die Hausbesuchsgebühr! Ja klar, die war vielleicht etwas unglücklich definiert und hatte einen holprigen Start, aber die Pferdepraktiker, die sie rigoros umgesetzt haben, möchten sie nicht mehr missen!
Liebe Kollegen, ich bin der Meinung, dass es mehr denn je an der Zeit ist, sich ein gesundes Selbstbewusstsein zuzulegen. Tiermedizin kostet, was sie kostet – mindestens jedoch den einfachen (im Notdienst den zweifachen) Satz und mindestens pro Halter eines Pferdes 34,50 Euro netto. Wer das noch nicht umgesetzt hat, sei spätestens jetzt dazu aufgefordert. Wie viel leichter wäre unser Leben, wenn wir uns alle an die gesetzlich (!) vorgeschriebenen Preise halten würden. Die neu erlebte Wiesbadener Einigkeit sollte auch unter uns Praktikern bestehen. Wir Pferdepraktiker sitzen nämlich alle im selben Boot, mit denselben Herausforderungen, der gleichen Klientel und einer für jeden gleich geltenden neuen GOT.
Susanne Pichon



