
Am 28. November 2025 kamen Tiermediziner, Politiker und der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zu Warendorf (FN) auf dem Kongress des Bundesverbands praktizierender Tierärzte (bpt) in Wiesbaden zusammen, um über die Marktentwicklungen in der Tiermedizin sowie die anstehende Evaluierung der neuen GOT zu diskutieren – und dies mit erstaunlich einhelligem Tenor.
Hochrangige Vertreter diskutierten vor Ort
In der hessischen Landeshauptstadt kamen zusammen: Ingmar Jung, Hessischer Staatsminister für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat, Prof. Dr. Eberhard Haunhorst, Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, der Präsident der FN Prof. Dr. h.c. Martin H. Richenhagen, Dr. Siegfried Moder, Präsident des bpt sowie der Vorsitzende des BTK-Ausschuss Gebühren (GOT) und praktizierender Tierarzt Dr. Kai Kreling. Besonders Prof. Richenhagen war von der Tierärzteschaft mit Spannung erwartet worden, da das Verhältnis der Tierärzte zur FN in den letzten Monaten nicht das Beste war. Auch allgemein schien es 3 Jahre nach Inkrafttreten der neuen GOT an der Zeit, Bilanz zu ziehen.
Hintergrund der GOT-Novellierung
Eine Anpassung der Gebührenordnung war notwendig geworden, da sie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr grundlegend überarbeitet worden war. In dieser Zeit haben sich Diagnostik, Behandlungsmethoden und der wissenschaftliche Kenntnisstand massiv weiterentwickelt. Zudem hat die Tiermedizin mit Nachwuchsmangel zu kämpfen, angemessene Honorare sind notwendig, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Lage der letzten Jahre muss jeder tiermedizinische Betrieb mittlerweile genau kalkulieren, wie er künftig rentabel geführt werden kann.
Der Anpassung ging eine vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beauftragte großangelegte betriebswirtschaftliche Prüfung des tiermedizinischen Marktes voraus, bei der Verbände, Fachgruppen und die Tierärzteschaft befragt wurden. Diese Prüfung ergab, dass eine Erhöhung der Gebührensätze dringend erforderlich ist. Bei Inkrafttreten der GOT im November 2022 galten die zugrunde gelegten wirtschaftlichen Fakten allerdings bereits wieder als veraltet, da u.a. die Inflation in Deutschland seit Vorliegen der Ergebnisse der Studie weiter gestiegen war [1][2][3].
Die Hausbesuchsgebühr – Zankapfel in der Pferdepraxis
Hauptstreitpunkt der GOT-Novellierung in der Pferdepraxis war von Beginn an – und ist zuweilen immer noch – die Einführung der Hausbesuchsgebühr, die für alle nicht-landwirtschaftlichen Nutztiere (z.B. Hunde, Katzen, Kleintiere und eben auch das Pferd) fortan für jeden Pferdehalter unabhängig der Anzahl der gehaltenen Pferde erhoben werden muss. Streit entbrannte darüber, ob Pferde tatsächlich keine landwirtschaftlichen Nutztiere seien – obwohl dies seinerzeit so vom damaligen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) definiert wurde. Auch der Umstand, dass die Gebühr nicht anteilig berechnet werden darf, erhitzte die Gemüter.
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Lob und Anerkennung für die Tierärzteschaft
Insgesamt lobten die Vertreter aus Politik und der FN einhellig die gute Zusammenarbeit mit den Tierärzten, die, so Jung, wertvolle und vielseitige Hilfestellung bieten und das dabei stets informativ, präventiv und pragmatisch. Von daher sei es nur verständlich, dass dies auch monetär anerkannt werden müsse und sich deshalb die Tierärzteschaft der Unterstützung der Länder in punkto Re-Evaluierung sicher sein könne. Der Minister betonte, dass es wichtig sei, bei der Abrechnung auf eine gute Kostentransparenz für die Kundschaft wert zu legen, um sich darauf einstellen zu können: „Ordentliche Leistungen kosten am Ende Geld, das ist, glaube ich, klar, aber es muss vor allem transparent sein“ so der hessische Minister.
Damit schien Jung Eulen nach Athen zu tragen, denn die Beibehaltung der GOT sollte dem ausdrücklichen Wunsch nach mehr Transparenz entgegenkommen. Gerade durch nachvollziehbare und niedergeschriebene Abrechnungsposten entsteht Transparenz. Dadurch werden Verordnungen wie die GOT vor allem legitimiert.
FN zeigt sich versöhnlich
Auch der FN-Präsident Prof. Richenhagen schloss sich dieser Meinung an, ging jedoch noch einen Schritt weiter und entschuldigte sich zunächst für die von der FN vor Jahren initiierte Petition, die sich gegen die Anpassung der Gebührensätze und insbesondere gegen die Hausbesuchsgebühr richtete. Hier wäre eine „vernünftige Unterhaltung“ mit den Tierärzten sicher sinnvoller gewesen. Als neuer FN-Präsident möchte Richenhagen alles daransetzen, die Kommunikation wieder zu verbessern und das gemeinsame Finden konstruktiver Lösungen zu fördern. Dies solle vor allem vor dem Hintergrund größter Anerkennung für den Berufsstand geschehen. Gleichwohl sei es aber bei der nun anstehenden Evaluierung wichtig, unabhängige Sachverständige einzusetzen und die Argumente der Interessenverbände zu hören und einfließen zu lassen, so Richenhagen weiter.
Einen weiteren hilfreichen Ansatz sah Richenhagen als glühender Anhänger einer freien Marktwirtschaft auch in dem Ansatz, dass die GOT als unverbindliche Preisempfehlung dienen solle, um aller Diskussion ein Ende zu bereiten. Dass dieser Vorschlag unter Tierärzten jedoch auf wenig Gegenliebe stößt, liegt nahe. Die GOT ist europaweit einzigartig, wie auch der Moderator und Geschäftsführer des bpt Heiko Färber betonte. Hinzu kommen veränderte Rahmenbedingungen (wie z.B. das Arbeitszeitgesetz), denen die Tierärzteschaft nicht ausweichen kann und sich dagegen behaupten muss. Damit das gelingt, muss eine vernünftige finanzielle Grundlage bestehen.
Ergänzend führte Färber aus, dass Tierärzte derzeit laut Bundesanstalt für Arbeit als sog. „Engstelle“ aufgefasst werden: „Wir sind also ein Engpassberuf“, konstatierte Färber auf dem Podium. Allein vor diesem Hintergrund müsse über eine vernünftige Bezahlung ein Anreiz geschaffen werden, dass wieder mehr junge Leute den Beruf des Tierarztes ergreifen. Und es darf nicht mehr so sein, dass der einzelne Tierarzt mehr arbeitet, um diese Lücke zu schließen, so der bpt-Präsident weiter.
Preisnachlass durch Wegfall der GOT?
Und würde durch den Wegfall der GOT tatsächlich wieder alles preiswerter? Hierzu hatten auch die eingeladenen Redner keine einheitliche Meinung. „In der Vergangenheit hatte es in den Niederlanden mal eine GOT gegeben“, so Moder. Nach deren Wegfall, so der Präsident des bpt, wurde ein Preisanstieg – und keine Preissenkung – verzeichnet. Ist das in der heutigen Zeit auch in Deutschland denkbar? Und welche Auswirkungen hätte das auf den Tierschutz? Tierhaltung muss man sich leisten können, so viel scheint klar. Hierzu führte Minister Jung nochmals an, dass die Arbeit praktizierender Tierärzte eine Leistung ist, die am Tier erbracht werde und die letztlich auch entsprechend entlohnt werden muss: Doch „ob das am Ende eine gewisse Empfehlung oder ein fester Rahmen ist, da kann man drüber streiten“. Es dürfe nicht vergessen werden, so der Minister abschließend, dass die entsprechend honorierte Leistung die tiermedizinische Versorgung auch in Zukunft sicherstellt.
Erklärungen könnten Abhilfe schaffen
Auch Prof. Haunhorst sieht die GOT für gerechtfertigt, allerdings müsse sie in Zukunft besser erklärt werden. Gerade im Bereich der Pferdemedizin und des Rennsports erreichen das Bundesministerium weiterhin Beschwerden, aus denen deutlich wird, dass es künftig hilfreich wäre, wenn der Tierarzt seine Leistungen transparent darlegen würde. Ganz allgemein schlägt Haunhorst vor, die GOT etwa in den Praxisräumen auszulegen. Oder von Anfang an etwas offensiver über die Preisgestaltung zu informieren.
Vorsicht vor mehr Bürokratie
Doch wie intransparent ist die Preisgestaltung von uns Tierärzten tatsächlich? Müssen wir noch mehr offenlegen und erklären? Auch bpt-Präsident Moder hat daran seine Zweifel. Allein, dass wir eine GOT haben, so Moder, mache die Preisgestaltung doch erst transparent. Dazu ließe sie einen gewissen Spielraum und sei nicht starr: Die GOT verfügt über den 1- bis 3fachen Satz. Darüber hinaus kann jeder Besitzer selbst fragen, was bei seinem Tierarzt welche Behandlung kostet. Und gerade wenn man den Tierarzt verpflichte, alles noch besser auszuweisen, mahnt auch Minister Jung an, werden neue bürokratische Hürden geschaffen, die zu mehr Belastung führen.
Transparenz erhöht die Zahlungsbereitschaft
Auch Kreling spricht sich für mehr Transparenz in der Preisgestaltung aus. Und das aus gutem Grund: „Wenn Transparenz und Nachvollziehbarkeit da sind, ist auch die Bereitschaft gegeben, höher zu bezahlen“, weiß er aus seinem eigenen Klinikalltag zu berichten. In der Überarbeitung der GOT sehe er die Chance, noch besser zu vermitteln, was es heißt, als Tierarzt zu arbeiten: „Wir müssen über die Art und Weise reden, wie wir arbeiten und z.B. vermitteln, dass wir 24 Stunden verfügbar sind. Das muss bezahlt werden und gerade in unserem Engpassberuf ist das herausfordernd.“ Der Vorsitzende des BTK-Ausschusses für Gebühren sieht es daher als immens wichtig an, die bestehenden Rahmenbedingungen anzupassen (gerade im Bereich des Arbeitszeitgesetzes). Und solange dies noch nicht passiert ist, so Kreling weiter, „müssen wir uns fragen, wie wir mit diesen Rahmenbedingungen wirklich ein Maximum leisten und das Ganze auch noch so transportieren oder so liquidieren, dass es für uns tragbar ist, dass wir Tierärzte davon gut leben können, denn sonst kommt keiner mehr“. Auch daher sieht er eine Re-Evaluierung als erforderlich an.
Fazit
Ob wir die einzelnen Posten der GOT tatsächlich noch genauer erklären müssen, um mehr Transparenz zu schaffen, sei dahingestellt. Positiv bleibt von dieser Veranstaltung der Eindruck, dass mittlerweile wieder gute Voraussetzungen für eine verbesserte Kommunikation auf Augenhöhe bestehen. Dies bildet die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten – Tierärzte, Politiker und Interessensvertreter – und trägt letztlich dazu bei, an der neuen GOT (möge auch hier und da Nachbesserungsbedarf bestehen) festzuhalten. Nur so kann gewährleistet werden, dass unser „Engpass“-Berufsstand auch künftig das Wohl unserer Tiere sicherstellen kann, ohne dabei selbst unter die Räder zu geraten.
- Deutscher Bundestag. Sachstand Rechtsfragen zur Gebührenordnung für Tierärzte. 23.09.2024. www.bundestag.de/resource/blob/1020310/WD-8-066-24-pdf.pdf. Zuletzt aufgerufen am 08.12.2025
- Bundestierärztekammer e.V. Gebührenordnung (GOT). Informationen für Tierarztpraxen. file:///D:/Daten/Download/Informationen_Tierarztpraxen-1.pdf. Zuletzt aufgerufen am 08.12.2025
- Melchers V. GOT 2022: Die neue Tierärztegebührenordnung. Vetline.de 13.09.2022. www.vetline.de/got-2022-die-neue-tieraerztegebuehrenordnung. Zuletzt aufgerufen am 0.8.12.2025



