
Die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) ist aus der Tiergesundheit Österreich (TGÖ) ausgetreten und bezog nun dazu Stellung.
„Für Beobachter kommt unser TGÖ-Austritt nicht überraschend: Die wohlüberlegte Entscheidung hat zum Ziel, die Rolle der Tierärztinnen und Tierärzte als unabhängige medizinische Instanz zu stärken und auf strukturelle Herausforderungen innerhalb der TGÖ aufmerksam zu machen“, betont Mag. Kurt Frühwirth, Präsident der ÖTK. „Die TGÖ war ursprünglich als breit getragenes Kooperationsmodell gedacht, entwickelte sich jedoch zunehmend zu einem Konstrukt mit divergierenden Interessen und unklaren Verantwortlichkeiten“, erklärt Frühwirth weiter. Zu lange seien strukturelle Schwächen, Kompetenzkonflikte und mangelnde Transparenz hingenommen worden. Insbesondere das Programm „Erweitertes Tiergesundheitsmonitoring“ (ETGM) habe schon beim Start grundlegende Probleme offenbart. Fehlende Akzeptanz, offene Datenschutzfragen und ein fraglicher Mehrwert für Betriebe und Tierärzteschaft führten zu intensiven Diskussionen, so die ÖTK.
Aktuelle Debatten, etwa über mögliche Impfstofffreigaben im Rinderbereich, zeigen, wie sensibel die Balance zwischen Landwirtschaft und tierärztlicher Verantwortung ist. Frühwirth betont: „Der tierärztliche Tätigkeitsvorbehalt darf nicht schleichend ausgehöhlt werden.“ Der Austritt sei mehr als ein formaler Schritt – er sei ein Weckruf. Österreich verliere zunehmend Großtierärzt*innen, Nachbesetzungen bleiben aus. Ohne wirtschaftlich tragfähige Praxisstrukturen gerät nicht nur der Berufsstand unter Druck, sondern auch die Versorgungssicherheit ganzer Regionen.
„Das Veterinärwesen ist systemrelevant – gesundheitspolitisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch, daher fordern wir eine nationale Strategie für die tierärztliche Versorgung, ein klares politisches Bekenntnis und tragfähige Strukturen. Wer die Landtierärztinnen und Landtierärzte verliert, gefährdet langfristig auch die Landwirtschaft und damit die Lebensmittelsicherheit des Landes“, sagt Frühwirth abschließend.
Quelle (nach Angaben von):
Presseaussendung: Österreichische Tierärztekammer - „Austritt aus der TGÖ als Weckruf für die tierärztliche Versorgung“ (tieraerztekammer.at)
(IR)


