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Katzenliebhaber*innen leben mit einer großen Herausforderung, denn die sensiblen und hochintelligenten Lebewesen müssen ausgelastet werden, um glücklich und zufrieden zu sein. Damit das klappt, zeigen wir Ihnen, welche Wünsche Katzen haben und wie sie sich erfüllen lassen.
Katzen und ihre Bedürfnisse
Katzen lieben es zu beobachten und sie wählen jeden Schachzug mit Bedacht: Sie nähern sich an, wenn sie wollen, wenn es einen Nutzen für sie hat oder sie einfach beschäftigt werden möchten. Dabei steuert die Katze die Interaktion und bestimmt, wann sie beginnt und endet. Deshalb müssen wir Menschen lernen, welches Angebot an Aktionen dem Stubentiger grundsätzlich entspricht und gleichzeitig die individuellen Präferenzen eines jeden Tieres herausfinden.
Außerdem beansprucht unsere Erwerbsarbeit meist einen Großteil des Tages, sodass wir Zeit und Wege finden sollten, um der Katze Möglichkeiten zum direkten Kontakt sowie Beschäftigungsmöglichkeiten mit sich selbst zu bieten. Ganz wichtig ist, dass wir Katzen an neue Aktionen mit Geduld und Fingerspitzengefühl heranführen, denn wir können von dem Tier nicht erwarten, dass wir diverse Spielzeuge zur Verfügung stellen und die Katze damit zuhause nun glücklich und zufrieden 8 Stunden Zeit allein verbringt. Hier sind Abwechslung, das „interessant machen“ der Spielzeuge, wie auch Kreativität gefragt.
Katze ist nicht gleich Katze
Katzen wickeln uns um ihre Rute oder Pfoten und geben oft alles, um die Zugneigung ihres Rudels, egal ob Mensch oder Tier zu gewinnen und zu behalten. Sie äußern klare Signale, setzen Grenzen mit ihrer Stimme oder ihren scharfen Krallen und wir müssen uns mit Verständnis in diese hochkomplexen Wesen hineinversetzen und für diese Geschöpfe die nötige Spielwiese im eigenen Territorium, draußen in freier Wildbahn, aber soweit möglich, auch in Praxis und Klinik kreieren.
Jeder Katzenbesitzende und Katzenbetreuende sollte sich daher folgende Fragen stellen: Was für ein Naturell hat mein persönlicher Stubentiger? Präferiert er die Interaktion mit mir wie auch mit den anderen Familienmitgliedern? Zieht er sich lieber zurück und verbringt seine Zeit mit sich und den Objekten seiner Wahl? Bevorzugt er das Beobachten aus der Ferne, sinniert auf dem Fensterbrett und thront er auf Aussichtsposten, stets alles im Blick habend?
Merke
Katzen brauchen Solo-Spiel-Aktionen mit sich selbst, aber auch Aktionen mit Spielpartner – die Mischung machts!
Ideen für das Haus
Für Katzen in der Wohnung spielen Möglichkeiten, die Umgebung interessant und abwechslungsreich zu gestalten eine sehr wichtige Rolle. Dabei können folgende Fragen gut zur Ausgestaltung von katzengerechtem Wohnraum dienen:
- Welche Regale kann ich meiner Katze zuliebe freischaufeln und ihr mehr Freiraum zum Klettern und Verstecken gewähren?
- Welche kuscheligen Fensterplätze kann ich schaffen und wie viele Hängeschaukeln kann mein Geldbeutel verkraften?
- Vielleicht kann ich auch etwas mit DIY-Elan und Mithilfe der Nähmaschine, alten Stoffen, wie auch aussortierten Teppichen gestalten?
Entdecken und Jagen
Lassen Sie die Katze ihr Futter entdecken, anstatt es ihr im Napf vor die Nase zu stellen: Nehmen Sie einen alten Teppich oder Stoff, schneiden Öffnungen hinein, rollen das Ganze zusammen und kreieren so einen Schlauch mit Löchern, in dem Trockenfutter zu suchen ist.
Wecken Sie den Jagdtrieb, wenn aus löchrigen, alten Handtüchern (selbstgedrehte) Filzmäuse wuseln, die vorher an Stöcken aus dem Wald oder an Pflanzstäben aus dem Garten befestigt werden. Mit so einer selbstgebastelten Reizangel wird im Handumdrehen aus dem Stubentiger eine faszinierende Raubkatze [Abb. 1]. Oder Sie befestigen einen Gummizug mit einer Schnur am Couchfuß und zeigen Ihrer Katze, wie sich die Plüschtiermaus wie von selbst bewegt, wenn man daran zieht.

Katzen mögen es erhaben und knifflig!
Bei erhöhten Sitz- und Liegeflächen mit Blick in den Garten oder Balkon, Straße oder Innenhof, strahlen die Katzenaugen intensiver und die Reize prasseln nur so ein in das neuronale Netzwerk und befeuern die Amygdala dieses hochintelligenten Lebewesens! Wie sehr freut sich Ihre Katze, aus einem Katzen-Fenster-Sitzstangenhaus oder einer Heizungsliege einen neuen Blickwinkel auf ihre Welt zu gewinnen und neue Reize zu erlangen.
Sicherlich befinden sich in auch in Ihrer Garage oder im Keller alte Holzbretter, Holzspielzeuge, eine Bohrmaschine und Schmirgelpapier? Rufen Sie Ihre kreative Ader hervor und bauen daraus ein Puzzlefeld: Die Katze soll schieben, drücken, lose Teile entfernen, Futter durch Tunnel schieben und ihre Intelligenz spielen lassen.
Merke
Bei Jagdspielen schlägt jedes Katzenherz höher – das bringt Spaß, trainiert und verbrennt Kalorien!
Klettern und Beobachten
Als nächstes sind Flur und Garderobe dran: Wie kann dieser oft „verschenkte“ Platz in unserem Revier der Katze zugeteilt werden? Mit einem schmalen Laufband aus Holz und Filz hinter der Eingangstür vielleicht? Wie sehr wird sich Ihre Katze auch über einen Liege- und Aussichtsplatz auf dem obersten Brett der Garderobe erfreuen – mit all den Gerüchen der aufgehängten Jacken, die in ihre sensible Katzennase hinaufsteigen?
Ambitionierte Bastler*innen können auch den Flur zum Baumkronenparadies umfunktionieren und „Catwalks“ hoch über Schuhschränke, Spiegel und Kommoden an die Wand bohren und damit ein Highlight für diese begnadeten Kletterer schaffen.
Shopping- Kartons nutzen
Wenn Sie im Internet shoppen, dann sollten Sie Tüten und Kartons sammeln, Löcher hineinschneiden, Futter oder Korken hineinlegen und die Katze zum Entdecken anregen. Auch Kleidungsstücke von Ihnen oder der Familie mag die Katze in den Pappschachteln sehr gerne „finden“ – ebenso wie das ein oder andere Minzekissen. So wird aus der Shoppingtour eine win-win Situation für Katze und Mensch!
Anregung für die Sinne
Katzen lieben verschiedene Düfte aus der Natur, also nehmen Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang gerne ein Handtuch oder Spielzeuge aus Stoff mit nach draußen und reiben sie die Materialien an Bäumen, im Gras oder wo auch immer der Blick in der Natur Sie hinzieht.
Blätter von Bäumen, die am Boden liegen, Tannenzapfen oder kleine Äste – sammeln Sie, binden Sie alles an eine Schnur, laufen Sie damit durch die Wohnung und schauen Sie was passiert! Ihre Katze wird große Augen machen, die Tatzen wollen erkunden und die Nase wird „gefüttert“. Hier sind noch weitere Ideen aus Naturmaterialien:
- Ein Holzauto auf 4 Rollen (z. B. aussortiertes Spielzeug), welches wir mit Katzenminze präparieren oder in den Garten stellen, damit es den Geruch der Natur aufnimmt und dann an der Schnur durch das Territorium ziehen, weckt mit Sicherheit das Interesse Ihres Lieblings.
- Vogelfedern aus der Natur mit Schnur an einen langen Ast binden und die Katze an der Angel anbeißen lassen, indem Sie sich verstecken und die Angelroute langsam vor- und zurückbewegen. Da kommt das Jagdfieber zum Vorschein und die Katze trainiert ihre feinmotorischen Skills.
Ohren, Augen und Geschmack
Beobachten Sie Ihre Katze: Lauscht Sie gerne klassischer Musik, Vogelgezwitscher oder gar Katzenmusik, die Sie im Internet finden oder geht sie in ein anderes Zimmer? Wenn Sie gerne den Tönen lauscht, dann erstellen Sie doch eine Playlist und spielen Sie diese auf einer Musikbox ab, wenn Ihr Liebling „Me-Time“ verbringt, weil Sie in der Arbeit für Ihren Mitbewohner und sein Futter schuften.
Schauen Sie mit Ihrem Stubentiger auch einmal Tierdokumentationen und finden Sie heraus, ob und welche Dokus das Interesse Ihrer Katze wecken. Das geht auch remote per Webcam, während Sie außer Haus sind – ich wette, Sie beide werden mit sehenswerten Informationen und Reizen beglückt!
Und damit der Stubentiger auch etwas Leckeres zur Verfügung hat, wenn Sie ihn für einen Cocktailabend unter Freunden alleinlassen: Frieren Sie einfach Eiswürfel mit Thunfischwasser ein und versüßen damit den Durst wie auch die Zeit allein zuhause. Und: Warum nicht auch das Nassfutter interessanter gestalten, indem Sie es in einen Kong aus Gummi mit einer großen Öffnung füllen, ins Gefrierfach legen und servieren, wenn die Katze allein ist?
Merke
Denken Sie beim Entertainment groß und vielseitig und schaffen Abwechslung, indem Sie alle 3 Tage das Spielzeug austauschen!
Ab nach daußen!
Man sagt, Katzen sind keine kleinen Hunde, jedoch auch Wohnungskatzen lassen sich – zunächst in der Wohnung – mit positiver Bestärkung an ein Geschirr und Leine gewöhnen, um dann mit ihrem Rudel „Gassi“ zu gehen [Abb. 2]. Selbstverständlich sollte davor die Gegend sondiert, ruhige Straßen und Wege erkundschaftet sowie Hundebesitzer*innen argwöhnisch erspäht werden, ob diese ihre Hunde an der Leine in Ihrer Wohngegend führen. Seien Sie jedoch gewarnt: Hat Ihr Stubentiger einmal die Luft in freier Natur erschnuppert, dann wird er Sie stets an die „Gassizeiten“ erinnern, egal ob bei Tag oder Nacht.

Ideen für Freigänger
Freigänger bekommen naturgemäß auch ohne Zutun des Besitzenden mehr Bewegung und Anregung für die Sinne als Wohnungskatzen. Denn dazu muss ja meist einfach nur die Tür geöffnet und die Katze in die Freiheit zu entlassen werden. Doch auch der Freigang lässt sich mit folgenden Tricks noch etwas interessanter und abwechslungsreicher gestalten und bindet die Katze an Sie und das Zuhause:
- Begleiten Sie Ihren Liebling, nutzen Sie den Garten oder das Viertel als vergrößerte Spielwiese und gehen Sie gemeinsam auf Jagd nach spannenden Utensilien, mit denen Sie Spielzeug bauen und in freier Natur testen.
- Erkunden Sie den Garten, verstecken Sie duftende Snacks auf den Wegen, hinter Büschen und animieren Sie Ihren Liebling zum Suchen, indem Sie z. B. an der „Snackbar“ mit dem Schuh am Boden scharren oder rufen Sie Ihre Katze und führen Sie sie an das Suchspiel heran.
Miez komm!?
Möchten Sie Ihre Katze daran gewöhnen auf Rückruf zu hören, damit Ihr Tier nach Hause kommt, wann es Ihnen beliebt? Damit das Heimkommen Rückruf funktioniert, können Sie ganz einfach das Klirren Ihres Schlüsselbunds positiv mit den Lieblingsleckerlis nach dem Rufen verknüpfen. Üben Sie zunächst im Inneren: Klirren Sie und füttern Sie, wenn die Katze kommt. Wenn das funktioniert, dann geht es raus und das Ganze wird draußen geübt – Ihre Katze wird Ihnen dann Feedback geben, ob das Konzept für sie passt: Sie kommt oder sie ignoriert das Schlüsselsignal.
Bespaßung beim Tierarzt
In der Praxis oder während eines Klinikaufenthalts gestaltet sich der ganze „Katzenspaß“ etwas verzwickter, denn hier herrscht oftmals Stress für das sensible Tier. Deswegen ist es sinnvoll, den Besitzer*innen zu bitten Kuscheldecken und vertrautes Lieblingsspielzeug mitzubringen – das hilft, den Stress zu minimieren. Diese Accessoires helfen sogar, eher unangenehme Verrichtungen wie Blutentnahmen mit so wenig Fixierung und Stress wie möglich zu gestalten [Abb. 3].

Im Raum für die Katzenuntersuchung sollte zusätzlich eine entspannte Atmosphäre mit Katzenmusik und Pheromonen (z. B. Feliway, Fa. Ceva) gestaltet werden. Viele Katzen nehmen auch sehr gerne ein neues, interessantes Katzenspielzeug und auch Leckerlis an.
In der Klinik können diese häuslichen Mitbringsel sowie die Lieblingsleckerlis eingesetzt werden, um sich mit geschultem, katzenfreundlichem Personal und dem Spielzeug für jeweils vormittags und nachmittags für 5 Minuten in einen ruhigen Raum zurückzuziehen und die Katze zu bespaßen [Abb. 4].
Fazit
Das Ziel des Katzen-Entertainments ist klar: Eine glückliche, gut ausgelastete Katze, die sich gerne mit uns, mit anderen, wie auch allein mit sich selbst beschäftigt. Deshalb denken Sie groß, bieten Abwechslung und etablieren Sie in Ihrem Alltag feste „Spielzeiten“, z. B. jeden Morgen und Abend je 5 Minuten. Das schafft für Sie und Ihr Katzenkind eine ideale Win-win-Situation und hält sie beide mental wie auch körperlich fit. Dafür brauchen Sie nicht viel Geld, sondern nur einen scharfen Verstand und etwas DIY-Material aus der Natur und vom Online-Einkauf.
Der Originalbeitrag zum Nachlesen:
Kinnula V. Happy Cat, Happy Life – Anleitung für ein artgerechtes Katzen-Entertainment. team.konkret 2024; 20(01): 2 - 6. doi:10.1055/a-2165-8923
(JD)



